Ich und So

Wenn der Sinn des Lebens verloren geht…

15. April 2019

Wenn der Sinn des Lebens verloren gehtIch habe nie einen Hehl um meine psychische Verfassung gemacht. War Sie doch neben dem Abenteuer Mutter werden einer der Hauptgründe mit diesem Blog anzufangen. Mein Innerstes nach Aussen tragen. Meinen Gedanken einen Platz ausserhalb meines Ichs geben. Das war immer (m)ein Halt und eine Form der Therapie, die mir gut tut.

Aber dann kam das Schweigen.

Das Jahr 2018 war gelinde gesagt, eher zum Vergessen. Ihr wisst, wie sehr mich die Schwangerschaft und die Geburt des Babyprinzen verändert und auch traumatisiert hat. Auch wenn ich mir Hilfe suchte, ich kam in diesem Jahr 2018 an einen Punkt, da ging mir der Sinn meines Lebens verloren.

Ich war an einem Punkt angekommen, da wollte ich nicht mehr Sein. Wichtig war nur noch, das Wie und Wann. Die Frage ob mein Leben noch einen Sinn hat, stellte sich mir nicht mehr.

An diesem Punkt war ich nur ein einziges Mal bisher in meinem Leben und das war der Tag an dem meine Schwester starb.

Dieses Mal jedoch war es anders. Ich war ein erwachsener Mensch. Ich hatte ein augenscheinlich wunderbares Leben. Ich hatte 2 gesunde Kinder, einen wunderbaren Mann an meiner Seite und ein soziales Offline- und Online-Leben. Was da alles zusammenkam und wieso es zu diesem Tag kam, dass kann ich nicht sagen. Eine Depression und eine hormonelle Störung tun da ihr übriges. Die klopfen nicht an und erklären kurz, warum Sie jetzt zuschlagen.

Das Schweigen trat in mein Leben. Ich redete mit Niemandem über meine Gedanken und meine Entscheidung. Ich schrieb nicht mehr. Ich schwieg und funktionierte.

Ja ich funktionierte im Alltag weiter. Ich bin ein Kontrollfreak und auch ein Leben zu beenden muss (bei mir) kontrolliert werden.

Ich fing in dieser Zeit an zu Lesen. Ich zog mich ja aus der Onlinewelt fast vollständig zurück und auch in meiner Offlinewelt gab es nicht mehr viel für mich. Ich lies jeden Tag dasselbe. Das war beim wundervollen Herr Bock. Der Depressionist, der mich seit Jahren begleitet. Ich weiss nicht was ich zu Suchen glaubte aber ich las alles rauf und runter.

Während ich so vor mich hin funktionierte, hörte mein Körper auf zu funktionieren. Eine bakterielle Infektion jagte die Nächste. Mein Körper war voll mit Medikamenten. Ich spürte wieder etwas. Es war körperlicher Schmerz. Es war teilweise so ein starker Schmerz, dass ich tagelang nicht aufstehen konnte.

Dieser körperliche Zerfall holte mich aber zurück ins Leben. Meine Familie nicht mehr versorgen zu können und mich selber verfallen zu sehen, weckte mich auf und es gab wieder einen Sinn.

Das mein Geist nicht funktionierte war das Eine aber das mein Körper nicht mehr funktionierte, das veränderte alles. Ich konnte weder für mich sorgen, noch für meine kleine Familie. In Zahlen hatte ich in den letzten 14 Monaten 16 bakterielle Infektionen. Das mein Körper meinen Geist beschützte wurde mir mehr und mehr klar und ich raffte mich langsam auf. Ich achtete wieder mehr auf mich. Ich brach mein Schweigen. Ich erkämpfte mir meinen Körper zurück. Mein Immunsystem war am Ende. Meine Ärzte oft ratlos aber mit viel Recherche, Ausprobieren, Ruhen, Besinnen, Entscheidungen treffen und vor Allem wieder leben wollen, ging es mir langsam besser.

Ich fühlte nicht mehr nur Schmerz. Ich sah die Welt wieder. Ich genoss meine Welt wieder. Wir erkämpften uns gemeinsam unsere heile Welt und es fühlte sich so richtig an wie nie zuvor. Ich war glücklich von den Zehen bis zur Nasenspitze.

All das fand fast ausschließlich Offline statt. Der Blog war für mich in dieser Zeit nicht der richtige Platz für all das. Das Online war nicht der richtige Platz.

Vor 2 Wochen zerbrach unsere heile Welt ein Stück. Wir befinden uns seitdem in einem surrealen Ausnahmezustand.

Die vielen Monate Arbeit schienen sich in Luft aufzulösen. Warum fragte und frage ich mich heute immer noch? Warum passiert uns so etwas nachdem wir so viel erlebt haben?

Diesmal schwieg ich aber nicht. Ich öffnete mich und verfiel nicht in dieses Muster.

  • Gestern sagte mir eine Freundin, dass ich mich mit diesen vielen Fragen nach dem warum selbst zerstöre und es keine Rolle spielt, da ich das schaffen werde. Danke Claudia!
  • Eine andere Freundin, die ich schon so lange nicht gesprochen oder gesehen habe, ließ mich letzte Woche einfach Weinen und hörte zu. Danke Bella!
  • Und noch eine Freundin, die ich erst sehr kurz kenne, nahm mir am Freitag eine so unglaublich große Last von meinen Schultern. Wir weinten zusammen, mitten in einem Restaurant aber ihre Worte berührten mich so sehr und gaben mir unsichtbare Kräfte. Danke Dominique!

Ich habe gemerkt, ich muss nicht schweigen. Es gibt Menschen(Danke an euch alle für die letzten Tage), denen ich mich öffnen kann, ohne Sie zu belasten. Heute wurde mir geraten, aktiver um Hilfe zu bitten.

Wenn das so leicht wäre aber das letzte Jahr hat mir eines gezeigt. Ich kann es alleine schaffen aber um welchen Preis? Ich war stark genug, dass zu überstehen aber das ist vielleicht irgendwann nicht mehr so. Ich denke immer ich bin allein aber ich bin es gar nicht.

Ich gebe hier seit Jahren so viel preis aber nie habe ich Hilfe angenommen.

Ich wollte mir wohl immer beweisen, es alleine zu schaffen, weil ich stark bin und nicht schwach. Weil ich ich bin und das schon mein Leben lang so mache.

Natürlich habe ich mir schon professionelle Hilfe gesucht. Ich habe eine Therapie gemacht und war letztes Jahr bei der emotionellen ersten Hilfe. All das hat mich immer auf die ein oder andere Weise weitergebracht aber die Menschen, die um mich rum sind, die schließe ich irgendwie aus.

Das soll sich ändern. Gerade jetzt merke ich, wie aufgefangen ich mich fühle von den Worten und dem auch einfach nur stillen Dasein. Ich habe jetzt noch ein paar wirklich schwierige Wochen vor mir aber es gibt jetzt schon einen großen Unterschied zum letzten Jahr.

Ich möchte leben und ich möchte wieder glücklich sein. Ich liebe meine Familie über alles und sehe trotz des derzeitigen Sturms, die Sonne und dass lieber Herr Bock, das habe ich bei Dir und dem Lesen deiner Texte wohl gefunden ohne zu wissen, dass ich es gesucht habe.

Meinen Lauf des Lebens. Anders als Du ihn betreibst aber der Sinn ist derselbe. Ich danke Dir von Herzen, Du bist irgendwie Teil meiner Lebensrettung.

Ja und abschließend möchte ich sagen, dass der Blog immer wieder lahm liegt, weil sich meine Gedanken zu -was ist privat – verändert haben. Ich überlege lange und genauer, was ich in diesem Internet schreibe und über wen ich schreibe. Das über Wen ist wohl der Hauptpunkt. Aber nach wie vor ist mein Blog ein Teil meines Herzens und vielleicht begleitet ihr mich trotzdem weiter.

Seid ihr in eurem Leben an so einem Punkt gewesen, wie ich es letztes Jahr war? Ihr müsst darauf nicht antworten aber ich hoffe ihr schafft es euch Hilfe zu suchen und ins Leben zurückzufinden.

Eure Glucke

 

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4 Comments

  • Reply Lämmchen 16. April 2019 at 8:39

    Danke für deinen Mut, deine Gedanken zu veröffentlichen.

    Es werden sicher einige durch den Beitrag aufatmen können und sich denken: Hey ich bin nicht alleine.

    Wenn der Körper einem so bewusst klar macht: Halloooo, irgendwas stimmt da oben gerade nicht.. spätestens dann stellt man einen Zusammenhang fest.

    Ja, auch ich kenne solche dunklen Phasen..da funktioniert man nicht mehr so wie sonst und alles ist schrecklich. Man will alleine sein, keinem zur Last fallen, ist wie gelähmt.

    Aber auch solche Phasen gehören dazu. Da brauch man sich nicht schämen. Wichtig ist die eigenen Emotionen wahrzunehmen.

    Und dann kommen die Lichtblicke. Wenn man entscheidet, dass der Geist und Körper auch anders können.

    • Reply Glucke 16. April 2019 at 21:28

      Hallo Lämmchen,
      danke für dein Worte und auch deine Offenheit. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass es doch einige Menschen gibt, denen es so geht.
      Ich wünsche Dir alles Gute
      Liebe Grüße
      Dani

  • Reply Bianca 16. April 2019 at 1:18

    Du bist nicht allein. Weder mit deinen Gedanken, noch mit deinen Sorgen, Ängsten, deiner Situation, deiner Krankheit … es gibt immer Menschen, die einem die starke Schulter bieten können, die Hand reichen wollen, schlicht zuhören oder einfach nur mitweinen – diese Menschen müssen von uns gefunden und behalten werden, gehütet wie der eigene Augapfel. Schau auf dich und versuche, loszulassen, was nicht gut tut – die Kontrolle, die Perfektion, das schlechte Gewissen, … du bist gut so wie du bist

    • Reply Glucke 16. April 2019 at 21:29

      Liebe Bianca,
      danke für deine aufbauenden Worte und ich werde Sie mir sehr zu Herzen nehmen.
      Liebe Grüße
      Dani

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