Ich und So

Wer, wie und was sind Freunde?

26. Januar 2015

Freunde

Viele von euch können diese, für mich, sehr wichtigen Fragen sicherlich ohne Probleme beantworten. Es gibt ja hunderte von Definitionen zu diesem Thema. Ich kann das gar nicht so einfach beantworten da ich aus vielerlei Gründen nie wirklich viele Freunde hatte.

Wie ihr wisst, hat meine ehrliche direkte Art sicherlich etwas damit zu tun, aber nur das wäre zu einfach.
Früher hatte ich die romantische, naive Vorstellung beste Freunde für ewig zu haben. Diese führte auch dazu das ich mich lange an Menschen klammerte, die doch eigentlich gar nicht(mehr) zu mir passten.
Ich war eine von Wenigen die das Gymnasium nach der 11. Klasse verlassen hatte, da für mich der Bildungsweg Ausbildung wichtiger war als Abitur zu machen. (Heute seh ich das ein bisschen anders)
Mit diesem Schritt, habe ich Menschen verlassen,die 11Jahre lang mich und mein Leben begleitet haben und für mich Freunde waren. Meine 1. große Liebe hat pünktlich mit der Zeugnisübergabe mein Herz gebrochen und mich verlassen. (Damals Weltuntergang, heute sage ich danke Matze, du hast uns vieles erspart)

Ich war auf einmal in einer Ausbildung während alle meine Freunde noch zur Schule gingen. Wie unterschiedlich diese Welten sind, stellte ich recht schnell fest. Da meine Ausbildung weiterhin in meiner Heimatstadt war, war es relativ einfach, weiterhin Kontakt zu halten und doch verabschiedete man sich stillschweigend von Einigen und sagte Hallo zu Neuen.
3Jahre später zog es mich aber beruflich ins wundervolle Rheinland.
Wieder ein neuer Abzweig auf dem Lebensweg. Wieder schlichen sich so langsam Abschiede ein. Zu dem kleinen festen Kreis versuchte ich so gut es ging weiterhin Kontakt zu halten, obwohl ich es manchmal gar nicht mehr wollte. Aber meine Bestfriendforever-Vorstellung war weiterhin da.
Wieder 5Jahre und eine weitere Liebe später zog mich eine neue Liebe in den sonnigen Süden von Deutschland. Auch in diesen 5 Jahren kamen und gingen Menschen. Oft gab es Dramen und Diskussionen.
Dieser erneute Neuanfang brachte mich aber zum Nachdenken darüber welche Menschen ich wirklich noch in meinem Leben haben möchte und brauche.
Dabei kamen mir genau die 3 Fragen in den Sinn.

Wer sind Freunde?

Für mich waren Freunde Menschen,die seit ich denken kann, in meinem Leben waren. Die mich in und auswendig kennen. Mit denen ich schon soviel erlebt habe. Die in allen Lebenssituationen für mich da waren.

Diese Menschen gab es tatsächlich in meinem Leben aber an diesem Punkt damals, waren Sie anders geworden. Uns fehlte irgendwie die Verbindung. Unsere Vergangenheit war schön aber unser Weg war irgendwie zu Ende. Das zu verstehen war schmerzhaft und hat viele Unterhaltungen, Vorwürfe und Tränen gekostet und irgendwie hab ich mich wie ein Verlierer und allein gefühlt. Aber es war eine gute Entscheidung.

Wie sind Freunde?

Für mich sollten Freunde wie Familie sein, Sie sollten bereit sein,für mich da zu sein wann immer ich Sie brauche. Sie sollten nicht sauer sein, wenn ich mich mal 1Monat nicht melde. Sie sollten nie an mir zweifeln oder versuchen mich auf Biegen und Brechen ändern zu wollen. Freunde sollen für mich eine platonische Liebe sein.

Hier war es schon schwieriger zu sagen, ja diese Menschen gibt es. Denn,wenn wir ehrlich sind, umgeben wir uns natürlich alle gerne mit fröhlichen, lebensbejahenden Menschen. Wir wollen natürlich immer Aufmerksamkeit und Menschen die so sind wie wir selbst. Ich hatte eigentlich immer „Freunde“ die konträrer gar nicht hätten sein können. Die immer sauer waren wenn ich mich mal nicht gemeldet habe. Nur sehr wenige waren so wie ich.

Was sind Freunde???

Als die Romantisch-naive Einstellung, dieselben Freunde für immer und ewig zu haben, durch fortschreitendes Alter und negative Erfahrungen, sich wandelte, weiß ich heute, dass Freunde Lebensabschnittsbegleiter sind. Sie begleiten dich auf eine Reise oder auch 2, aber irgendwann wenn diese Reise beendet ist wollen Sie woanders hin als Du. Sollte man nun kämpfen damit Sie deine Reise weitergehen??? Oder gehst du unfreiwillig Ihre Reise mit??? Bin ich zu solchen Kompromissen bereit???

Auf die ursprünglichen drei Fragen folgten weitere… Mein Kopf dachte nur noch in Fragezeichen.
Ich bin ehrlich, Stand heute habe ich sehr wenige Menschen, die ich noch als Freunde bezeichne. Bis vor wenigen Jahren war das sehr schlimm für mich. Wie kann ich, kommunikativer Mensch keine Freunde haben, wieso ziehe ich „komische“ Menschen magisch an, die auf den 1. Blick hätten Freunde werden können.
Jetzt kann ich sagen dass ich sehr viele Bekannte in meinem Leben hab. Die sind mir wichtig aber es sind keine Freunde im klassischen- gesellschaftlich-definierten-Bereich.
Durch meinen Lebensweg und meinen doch sehr schwierigen Charakter hatte ich eben nie eine Basis und vllt. auch nie viele, die die Geduld aufbringen wollten bei mir zu bleiben. Aus all meinen Abschnitten habe ich noch liebe Menschen, die mal mehr und mal weniger in Kontakt treten aber das ist auch so gut wie es ist.

Menschen, wie Vivi nach über 3 Jahren wieder zu treffen und sofort ein Gesprächsthema zu haben, die gibt es selten und diese kurzen Momente die man dann teilt, die genießt man. Dann bin ich glücklich.
Menschen, die man nur aus Höflichkeit oder um eben nicht allein zu sein,am Wochenende mal trifft, die brauche ich nicht. Das kann ich irgendwie nicht mehr so gut. Dieses Oberflächliche passt nicht zu mir. Ich bin absolut kein Small Talker. Wenn ich Kontakt zu Menschen suche dann weil ich Sie mag und mit Ihnen plaudern möchte. Ich möchte Sie aber nicht gleich heiraten und ich möchte auch kein Druck ausüben, Erwartungen wecken oder dies an Bedingungen knüpfen.

Ja vllt. dadurch habe ich wenige Menschen und ja manchmal fühle ich mich einsam aber nein ich bin nicht unglücklich und ich lerne zu akzeptieren, dass Menschen kommen und gehen und das es auch in Ordnung ist. Es ist mir irgendwie nicht bestimmt, diese romantisch-naive Vorstellung auf Lebzeit zu haben. Ich bin zu realistisch, um mein Leben zu betrachten und zu sagen doch du hast viele Freunde und es liegt ausschließlich an mir das vieles scheiterte.

Tatsächlich ist es doch so, dass hier niemand Schuld hat, es ist der Lauf meines Lebens und das zu erkennen macht vieles einfacher.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen???

Eure Glucke

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2 Comments

  • Reply Dalia 9. Oktober 2015 at 22:22

    Ich war noch nie jemand mit vielen Freunden, sondern hatte immer 1-2 wirklich Gute. Ich habe aber auch immer äußerst wenig Zeit mit Bekannten verbracht, ich habe keine Geduld für Smalltalk und Networking. Vielleicht nicht unbedingt von Vorteil beruflich gesehen, aber dafür habe ich tatsächlich eine „beste Freundin für immer“, zumindest schon seit 20 Jahren, was mit 30 sicher keine schlechte Leistung ist. Und wir leben auf verschiedenen Kontinenten und sehen uns nur alle paar Jahre in letzter Zeit.
    Mich beschäftigt in letzter Zeit das Thema „Schluss machen“ mit Freunden, weil man doch eher dazu tendiert semi-genervt aneinander festzuhalten als man das bei Partnern tun würde. Da würde schon eine herbe Enttäuschung oder die Erkenntnis, dass man weit auseinander geht reichen um einen klaren Schlussstrich zu ziehen, aber Freunde… die schleift man ewig mit.

    • Reply Glucke 10. Oktober 2015 at 20:55

      Hallo Dalia,

      ja mit Freunden „Schluss machen“ ist so eine Sache, meist verläuft es sich ja im Sand und dann ist es ok. finde ich. Man muss ja nicht alles unbedingt beenden und evtl. Sogar einen Streit vom Zaun brechen. Manchmal sind klare und offene Worte gut aber eigentlich nur dann wenn man denkt etwas retten zu wollen, zu müssen.
      Ich weiß dass ich nie viele und enge Freunde haben werde aber das ist in Ordnung für mich.
      Liebe Grüße
      Dani

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