Ich und So

Unangenehm sein!-Das kann ich gut

10. Mai 2018

Unangenehm seinAls ich in die weiterführende Schule kam und es schrecklich fand, entschied ich aufs Gymnasium zu wechseln. So schüchtern ich war, so selbstbewusst nach Außen war ich. Gerade in Fächern wie Literatur, Geschichte oder Sozialkunde fand ich es wichtig, eine Stimme zu haben und zu sein. Meine Gedankengänge waren oft anders als die Lehrpläne das hergeben und so wurde ich wohl zu einer unangenehmen Schülerin. Diskutieren mit Herz und bis aufs Messer lag mir gut. Ich versuchte Antworten zu finden und gab nicht auf.
Unangenehm für Lehrer aber auch für Mitschüler.
Es gab eine Stunde im Geschichtsunterricht. Es ging um Hitler und seine Psyche. Ich trank einen Schluck Wasser und der Lehrer, der auch gleichzeitig Direktor war, versuchte mir diese aus der Hand zu schlagen und schrie „Erziehung ist Glückssache“ die Flasche blieb in meiner Hand aber der Inhalt landete auf ihm. Ich war wütend. Am nächsten Tag ging meine Mutter mit mir zu diesem Direktor. Ich kannte meine Rechte und solche Übergriffe sind ein absolutes NoGo.

Er entschuldigte sich aber ich blieb die „Unangenehme“.

In der Berufsschule ging es weiter. Die Deutschlehrerin war sehr unbeliebt bei den Schülern. Sie benotete nach Lust und Laune und Schülerinnen wie ich, die eben nicht nur still waren sondern aktiv teilnahmen waren eben unangenehm. So kam es, das meine Noten relativ schlecht waren und bei einem Schnitt von 3,2 Sie mir auf dem Zeugnis eine 4 gab. Ich ging bis zum Schulamt und mein Zeugnis musste geändert werden.

Ich bekam mein Recht aber blieb die Unangenehme.

Dieser rote Faden zieht sich durch mein Leben.
Jugendbetriebsrat in der Ausbildung. Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Job und unangenehm bekam völlig neue Züge. Als ich durch die Blume gesagt bekam, ich solle auf mein Leben aufpassen, verließ ich nach 5 Jahren den Betriebsrat.
Ich sprach aus, was alle dachten aber zu feige waren, für etwas einzustehen.
Das dachte ich viele Jahre. Ich bin nun etwas schlauer.
Sie waren nicht feige, sie waren clever. Irgendeinen Depp gibts immer der was sagt und dieser Depp bin immer ich gewesen und bin es auch noch oft heute.
Helfersyndrom nennen es Psychologen, Dummheit einige aus dem Umfeld. Das Leben sich selbst schwer machen, das sage ich mir  auch oft.

Aber wie gerät man in den Status unangenehm?

Ich denke es ist eine Typfrage und der Prozess da raus zu kommen, ist schier unmöglich denn auch wenn ich inzwischen viel viel ruhiger geworden bin, reicht das nicht denn ist man einmal unangenehm aufgefallen, dann bleibt man es. Egal wie viele gute Sachen man sagt, schreibt oder tut- einmal unangenehm dann für immer.

Dieses unangenehm Sein zeigt sich bei mir über meine Art und Weise wie ich kommuniziere.

Emotional, übertrieben, dramatisch, unfair und genau das transportiert selten meine Inhalte.
Stört mich selber meine unangenehme Art?
Ja zum Teil schon, denn ich habe immer Wichtiges zu sagen gehabt. Ich habe viel Gutes getan aber die Gearschte war am Ende trotzdem immer ich, da eben nicht das Gute in Erinnerung bleibt sondern der Ton und das Unangenehme.
„Einmal verschissen immer verschissen“ Da kann man sagen man fängt wieder bei Null an aber die Wenigsten tun es wirklich.
Hier gehts nicht um Mitleid oder dergleichen aber ich lese gerade immer wieder, auch bezogen auf die Elternbloggerszene: werde laut, mach dich ehrlich, hab eine Stimme, das Private ist politisch, sei unangenehm-

Ich zähle mich ein wenig zu den unangenehmen Bloggern. Ich sprach oft Themen an, die nicht gehört werden wollten aber über die so Viele ähnlich dachten. Der Rückenwind den man aber bekommt, wiegt das nicht immer auf. Neulich sagte mir jemand bei Twitter: Du bist ja kaum noch da. Doch das bin ich aber ich sage nicht mehr viel. Ich habe immer noch viel zu sagen. Themen wie Arbeitgeber from hell, Zustände in Krankenhäusern oder Tabuthemen wie Tod und Depressionen liegen mir sehr am Herzen ABER unganehm zu sein kann sehr unangenehm sein.

Meine Rechtsschutzversicherung kündigte mir nach über 15 Jahren Zugehörigkeit. Tja denen war ich wohl auch zu unangenehm.

Ja und da frag ich mich doch- ihr wollt unangenehme Menschen? Oder wollt ihr nur wieder einen Deppen der die Dinge anspricht, die sonst keiner wagt anzusprechen um sich dann aber davon meist öffentlich zu distanzieren? Aber im stillen Kämmerlein oder in illustrer Lästerrunde dann zustimmen?
Braucht man uns unangenehme Menschen um sich selbst zu schützen aber dennoch von den Vorteilen zu profitieren?

Denn Unangenehm sein ist eine Verantwortung, ja gar eine Bürde, die eigentlich niemand tragen sollte.

Wieso umgibt man sich nicht mit unangenehmen Menschen aber ist innerlich dennoch froh das es Sie gibt?
Ja genau weil eigentlich die Unangenehmen den Anderen auch angenehme Begebenheiten schenken. Sei es in der Politik, bei Demonstrationen, bei Blogger -Veranstaltungen oder Gerichtsverhandlungen mit rechtskräftigen Urteilen. Betriebsräte etc. All diese Menschen sind oft sehr unangenehm und gar unbeliebt und ungewollt aber irgendeiner muss es doch Sagen, Schreiben oder Sein.

Ich mag die Unangenehmen, weil Sie Sie sind und für ihre Rechte aber auch Pflichten im Leben einstehen. Aber Sie und auch ich sind dadurch eben auch einsam und oft unter Beschuss. Irgendwann ist der Beschuss so extrem das man zum Runterschlucken übergeht und versucht angenehmer zu werden.

 

Also ich bin jedenfalls sehr gespannt ob die, die nun laut rufen, seid unangenehm, es dann auch mal sind und mit dem Echo und der verbundenen Verantwortung  zurechtkommen.

 

Gehört ihr eher zu den Unangenehmen?
Eure Glucke

You Might Also Like

5 Comments

  • Reply ItseMe 10. Mai 2018 at 20:31

    Hach ich gehöre auch immer zu den Unangenehmen, gepaart mit die wird ja dann auch nicht mehr ernst genommen… Bei mir zieht es sich auch wie ein roter Faden durch das Leben. Ich hatte mir so fest vorgenommen im Kindergarten mal nicht die Unangenehme zu sein und schon bin ich es wieder…. Ich würde mich aber irgendwie selbst verraten wenn ich schweigen würde… Ich kämpfe weiter, bin unangenehm und für andere der Depp. I feel u

    • Reply Glucke 10. Mai 2018 at 20:32

      Hi,
      hachz das beruhigt mich in dieser aussätzigen Position nicht alleine zu sein. 😉

      • Reply ItseMe 10. Mai 2018 at 20:47

        Bist du definitiv nicht… Allerdings kenn ich nur wenige von unserer Sorte liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich ja schon diese Rolle für andere erfülle

        • Reply Glucke 10. Mai 2018 at 20:54

          oh so hab ich noch nie darüber nachgedacht… also gibts doch eher Wenige von uns?

          • ItseMe 10. Mai 2018 at 22:11

            Kennst du noch wen unangenehmes?

    Leave a Reply

    Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Wir verwenden Cookies, um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist, sowie die Sicherheit unserer Nutzer zu erhöhen und um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben. Klicken Sie auf „Zustimmen und Fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren. Detaillierte Informationen zu unseren Cookies und dazu, wie du die Kontrolle darüber behältst, findest Du hier: Cookie Einstellungen anzeigen

    The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

    Close