Montagspost

Erzählwut, Schönheit und Chaos

16. Mai 2016

Montagspost_erzählwut_chaosGuten Morgen ihr Lieben,

fandet ihr es auch ein bisschen kühl am Wochenende? Bei uns war ja einiges los aber auch nicht so viel. Hehe und viel gegessen haben wir auch wieder. Manchmal ist echt Chaos angesagt und das ist eine tolle Überleitung. Ab heute startet die Montagspost im 14tägigen Rhythmus und letzte Woche habe ich ja bereits erklärt, wieso und weshalb  ich das geändert habe.

Heute habe ich eine unglaublich schöne Frau zu Gast und nicht nur das, Sie ist auch Mama von 3en und schreibt fantastische Beiträge. Ihr Blog heisst Chaoshoch2 und mit der Murmelmum, die als feste Gastschreiberin dabei ist, bieten Sie uns als Leser, ganz ganz viele spannende Einblicke in ihr Leben als Zwillingseltern. Kerstin war so lieb und hat mir ein paar Fragen beantwortet und das obwohl Sie eine Zeit lang, völlig gesundheitlich aus der Bahn geworfen war und mit 3 Kindern eigentlich sowieso keine Zeit, für irgendwas hat.

Liebe Kerstin, wie hast du deinem Mann gesagt, dass es Zwillinge sind, nachdem Du wie in Trance beim Frauenarzt raus bist?chaos_Kerstin_Montagspost

Schweigen. Fragender Blick. „Wir haben Herzschlag.“ Pause.  „Wir haben doppelten Herzschlag.“ Und dann kam irgendwas mit Umarmen und Küssen und ganz viel Erleichterung. Wir waren beide so unfassbar angespannt damals, weil ich kurz zuvor ja bereits schwanger war, aber kein Herz zu schlagen begann. Dass es zwei waren, war ein Sahnehäubchen und doppeltes Glück.

 

Mit Zwillingen hat man ja eigentlich, sollte man meinen, genug um die Ohren und dennoch wolltet ihr nochmal ein Kind, wieso?

Das weiß ich nicht genau. Wir hatten da vorher nie einen Plan. Irgendwann – die Zwillinge waren einige Wochen alt – hat es der Traummann ausgesprochen: „Da fehlt irgendwie noch einer, oder?“ Er hatte Recht. Hat er ja fast immer, aber das darf ich nicht offen zugeben. 

Mir war das bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bewusst, denn zum Nachdenken und Sinnieren hatte ich damals tatsächlich relativ wenig Zeit. Es stimmte, da war das Gefühl, dass wir noch nicht vollzählig sind. Immerhin waren wir so vernünftig, damit noch ein gutes Jahr zu warten. 

Du liebst Familienfeste und fühlst dich sehr wohl, unter einem Haufen Verwandte. Bei mir ist es genau das Gegenteil. Wie kann ich das denn ändern?

Ohje, ich bin ganz bescheiden im Ratschläge erteilen und Familien sind so unterschiedlich.

Ich bin da reingewachsen und unsere Familienfeiern früher waren für uns Kinder immer toll. Unsere Familie ist relativ umgänglich und handzahm. Wenn man grundsätzlich nichts gegen laute, chaotische Veranstaltungen hat, kann man da also gut mit zurecht kommen. 

Ich glaube, man muss sich bei so Familienfeiern mit dem Durcheinander treiben lassen. Nichts läuft nach Plan und mit vielen kleinen Kindern erst Recht nicht. Gleichzeitig tut man ganz gut daran, wenn man einige Gespräche ausblendet. Denn Familienfeiern sind oft auch Tratschveranstaltungen. Man bringt sich auf den neusten Stand der innerfamiliären Gerüchteküche. Das ist meist nicht bös gemeint und scheint eher den Unterhaltungswert zu steigern. Vermutlich braucht man als Erwachsener am Ende vor allem Humor, um sowas unbeschadet zu überstehen. Den habe ich glücklicherweise ausreichend.

So oft werde ich gefragt, wie man als Mutter auf die Idee kommt zu Bloggen. Ich gebe die Frage gerne an dich weiter?

Ähm, naja, also,… ich saß so zu Hause rum und hatte nichts zu tun und außerdem hatte ich irren Geltungsdrang und Erzählwut.

Nein, da können wir nur die Erzählwut stehen lassen.

Meine Gründe für das Chaos Familienblog waren: 

  • Generell die Freude am Schreiben und an der gepflegten Unterhaltung. Den ganzen Horror-Geschichten über komplizierte, hochriskante Zwillingsschwangerschaften und unfassbar anstrengende Zeiten danach etwas entgegen zu setzen. Ich wollte Mut machen.
  • Gleichzeitig wollte ich aber auch Müttern, die selber keine Mehrlinge haben, die große Frage beantworten „Sachma, wie machst DU das eigentlich. Du hast schließlich zwei!“ Dass es im Prinzip genauso läuft, kann man bei mir regelmäßig nachlesen. Alles keine Zauberei.
  • Am Ende war da auch als kleiner Bonus obendrauf die Möglichkeit bei den diversen Neuerungen im Bereich Social Media aktuell zu bleiben, obwohl ich nur recht eingeschränkt arbeiten konnte. 

Die liebe Tanja, die Murmelmum, ist eine Dauergästin auf deinem schönen Blog. Wie kam es zu dieser wunderbaren Vereinigung?

Am Anfang war Twitter. Wir kennen uns über diesen Zwitscherdienst und sie war mir sofort sympathisch. Sie wollte gelegentlich schreiben, aber kein eigenes Blog (aus diversen Gründen).  Da habe ich sie eingeladen, denn alles andere wäre eine Verschwendung gewesen. Sie schreibt so tolle Geschichten. Mittlerweile würde ich sie als Freundin bezeichnen.

Ich habe mich immer gefragt, wie Zwillingseltern das alles wuppen. Wie zum Beispiel wickeln. Wie machst Du das?Grillfans Tripp Trapp Garten Zwillinge

Hihi, siehste, da sind wir wieder bei einem Teil meiner Motivation zu bloggen. Ich wickel vermutlich genauso wie du es immer gemacht hast. Stereo wickeln geht nicht. Bin ich mir sicher. Ich habe es allerdings nicht ausprobiert.

Ich habe immer einen nach dem anderen gewickelt, der zweite musste immer mit und wurde dann in Wickeltischenähe sicher geparkt. Quasi kurzzeitig im Standbymodus.

Es gibt aber auch Dinge, die kann man mit Zwillingen ganz prima parallel machen:

  • tragen,
  • stillen,
  • Flasche geben,…

Da braucht es nur etwas mehr Geschick und Übung als mit einem, klappt aber gut. Drillinge!!! Vor Drillingen habe ich einen Heidenrespekt. Das ist ein Kind mehr als ich Arme oder Brüste hätte. Ich frage mich immer, wie die das wohl schaffen.

Es gibt jetzt noch den kleinen Krümel bei euch und ihr seid wirklich schwer beschäftigt mit 3 Kids. Wie schaffst du es noch wirklich so wunderschön auszusehen und dir ein wenig Zeit für dich freizuschaufeln?

Im Moment eigentlich gar nicht. Ich höre derzeit mindestens einmal am Tag von irgendjemandem, dass ich fürchterlich aussehen würde. Charmant. 😀 Ich bin ein bisschen angeschlagen, mein Immunsystem ist offensichtlich noch nicht an all diese fiesen Kinderkeime gewöhnt. Ich kämpfe seit vier Wochen mit ein und demselben pisseligen kleinen Infekt und man sieht es mir an. Umso dankbarer bin ich dir gerade für das Kompliment. 

Chaos und Liebe gehören zusammen

Ich mache ansonsten viel. Ich versuche mich zwingend jeden Abend abzuschminken, egal wie müde ich bin. (Das macht echt viel aus!) Meine morgendlichen Sanierungsmaßnahmen umfassen maximal 15 Minuten, wenn sich gerade eine Dusche nicht vermeiden lässt.  Je nach Laune kommt dann ein leichtes Make-Up drauf. In der Regel aber nur Foundation, Puder, Lippenpflege und Mascara. Sobald ich nicht mehr ganz so blass bin, werde ich auch wieder die Spachtelmasse weglassen. Ich bin morgens meist allein mit den drei Frühaufstehern, da ist nicht viel Spielraum für aufwendige Manöver.

Zeit für mich schaufelt mir meisten mein Traummann frei. Darauf ist immer Verlass. Ich beantworte auch gerade deine Fragen, während er mit allen drei Kindern einkaufen gefahren ist.

Krümel krabbeltDu bezeichnest dich selbst als arbeitswütig und dennoch kannst du leider gerade sehr wenig beruflich machen. Hast Du schon einen Plan wie es weiter geht?

Nein, keinen konkreten. Manchmal nervt mich das auch, aber ich versuche mir einzureden, dass es eine Chance ist. Ich war noch nie fest angestellt und habe zuvor freiberuflich gearbeitet. Ich werde mich umstellen müssen, denn die Jobs, die ich früher angenommen habe, haben ziemlich hohe Wochenstunden gefordert. Das geht nicht mehr.

Noch ist der Krümel erst ein gutes halbes Jahr alt. Wenn er mit einem Jahr stundenweise zur Tagesmutter geht, werde ich Stück für Stück wieder mir etwas neues aufbauen (müssen). Es wartet keiner auf mich. Ich muss mir wie vorher auch, neue Aufträge suchen. Andere als zuvor. Das wird sich zeigen, wie gut das klappt. Irgendwas wird aber klappen. Da bin ich zuversichtlich.

Auf deinem Blog gibt es selten Rezepte oder dergleichen. Was esst ihr denn so am liebsten?

Ich würde uns als Genussmenschen bezeichnen, die gerne essen. Aber was genau?!

Generell essen wir tatsächlich sehr vielfältig, aber in der Woche meist irgendwas nicht allzu aufwendiges.Wir sind weder Veganer, noch Vegetarier, haben keine Lebensmittelunverträglichkeiten oder sonstwas besonders.  Ich achte auf Qualität, kaufe gerne regionale Produkte und oft auch (aber nicht nur) Bio. Fleisch gibt es lieber seltener.

Ich persönlich liebe Obst und Rohkost, Salate und eher leichtes Essen; habe für schwere Soßen, die alles überdecken, nichts übrig. Gleichzeitig nasche ich extrem gerne und bei einer leckeren Pommes Special sage ich niemals nein.

Es gibt also häufig Pasta in allen Varianten (Nudeln gehen bei Kindern immer), aber auch mal Risotto oder herrlich krosse Bratkartoffeln mit einem schönen Spiegelei und knackigem Salat. Ich wickel gefülltes Schweinefilet in Parmaschinken und liebe mediteranes Ofengemüse, im Winter liebe ich Eintöpfe und Suppen, im Sommer ist der Grill oft an. Mir reicht aber auch ein frisches Brot mit Avocado und Tomaten.

Du hast den besten Ehemann der Welt, sagst Du. Was macht ihn denn zu diesem und was sagt er eigentlich dazu, dass du bloggst?Unterwegs im Donkey bei Sonnenschein  kein Chaos

Er ist für mich der beste, ja. Das wusste ich schon vor mehr als 16 Jahren und so lange sind wir auch schon ein Paar. Wir streiten uns leidenschaftlich und seit die Kinder da sind sowieso. Ich kann mich immer auf ihn verlassen.

Wir müssen nichts aufteilen oder Aufgaben vergeben, denn er bringt sich in allem genauso selbstverständlich ein wie ich. Gleichzeitig ist er mein Gegenstück. Da wo ich chaotisch bin, bringt er die Ruhe. Er bohrt Löcher in die Wand, ich richte das heimische Netzwerk ein. Er denkt an die offenen Rechnungen, ich improvisiere aus dem leeren Kühlschrank ein Essen. Er geht mit den Kindern Laufrad fahren, ich male mit ihnen Bilder. So ergänzt sich das prima.

Dazu, dass ich blogge, sagt er nicht viel. Das ist einfach selbstverständlich. Er mischt sich nur ein, wenn ich auf so Ideen komme, wie nicht mehr bloggen zu wollen. Das sei meine Leidenschaft, ich liebe es, ich müsse das machen. 

Einige Mütter sprechen nie über ihre Sternenkinder. Auch Du hast leider schon Sternenkinder. Wie gehst Du  mit diesem ganz besonderen Schmerz um?

Ich war innerhalb von 2 Jahren 3 Mal schwanger mit 5 Kindern.

Ich bin unfassbar glücklich und dankbar, 3 gesunde Kinder zu haben, aber das hinterlässt Spuren. Gerade der Schwangerschaft mit Krümel, als ich seinen Zwilling gehen lassen musste, war das verdammt schwierig. Ich habe für mich festgestellt, dass ich damit besser klar komme, wenn ich damit offen umgehe.

Das bedeutet nicht, dass ich oft darüber rede oder gar schreibe. Beides mache ich wenig. Aber ich verschweige es nicht und auf die ungeschickte Frage „Na, wieder Zwillinge oder dieses Mal nur eines?“ haben während der Schwangerschaft alle ein „Es waren Zwillinge. Es ist leider nur noch eines.“ gehört. Vielleicht wäre es höflicher anders gewesen, mit Sicherheit für die Fragenden angenehmer, aber für mich war das der bessere Weg.

Heute überwiegt klar die Freude und ich trauer nicht (mehr). Aber die Sternenkinder sind da und werden es immer sein. In meinen Gedanken.

Elternblogs schießen immer noch wie Pilze aus der Erde, wie kommt das und glaubst Du, umso mehr umso besser oder besteht die Gefahr, dass der Leser gelangweilt ist, da es ja immer dieselben Themen sind?

Nein, der Leser liest ja selektiv. Er folgt seinen Lieblingsblogs oder liest über die Social Media Kanäle nur einzelne, für ihn interessante Beiträge diverser Blogs. Die meisten werden gar nicht so extrem viele unterschiedliche Blogs konsequent Beitrag für Beitrag verfolgen. Aus Lesersicht ist eine große Auswahl ganz unterschiedlicher Texte und Autoren toll und eine Bereicherung. Jeder kann etwas finden, dass zu einem selbst, der eigenen Lebenssituation, den Interessen und Geschmack gefällt.

Und Elternblogs im weitesten Sinne drehen sich ja um das Thema Elternschaft und damit verwandte Bereiche. Sie müssen sich zwangsweise wiederholen, denn alle Eltern machen immer wieder ähnliche Erfahrungen und werden mit ähnlichen Themen konforontiert.

Ich finde es toll, dass es so unterschiedliche Varianten mittlerweile gibt.

Einige sind verdammt kreativ und bieten tolle Ideen für DIYs, andere haben regelmäßig leckere Familienrezepte, manche begeistern mit Nähprojekten, andere präsentieren Spielideen, manche sind Ratgeber, politisches Sprachrohr und manch einer nur reine Unterhaltung. Ich mag das.

Liebe Kerstin, danke dafür, dass Du deine wenige Zeit geopfert hast, das weiss ich sehr zu schätzen. Danke auch für die persönlichen Einblicke in viele Themen. Es ist wunderbar welch harmonisches Team, dein Mann und Du seid. Mit 3 Kindern ist es wirklich nochmal eine ganz andere Herausforderung als mit einem. Es ist unglaublich was Du und dein Körper und dein Geist da in so kurzer Zeit geleistet hat, das dein Immunsystem wohl kurz die Handbremse zieht, ist auch gut oder?

Deine Sternenkinder bleiben natürlich unvergessen und ich bewundere jede Mama, die so etwas durchstehen muss. Das Du und auch einige andere offen damit umgehen, brechen das Tabu und zeigen, dass diese kleinen Kinder und die Trauer über den Verlust sehr sehr wichtig sind.

Musstet ihr diesen Verlust schon erleiden? Wie seid ihr und euer Umfeld damit umgegangen?

Wir lesen uns in 14Tagen wieder.

Eure Glucke

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2 Comments

  • Reply Kerstin 16. Mai 2016 at 9:30

    Herzlichen Dank für deine Fragen. Ich musste teilweise echt grübeln!
    Die Frage nach unserem alltäglichen Essen, nehme ich jetzt einfach mal zum Anlass, eine Woche lang zu dokumentieren, was wir so futtern. Via Instagram falls wer gucken mag. 😀
    Du machst das ja fast täglich. Habe ich schon gesehen. 😉

    LG Kerstin

    • Reply Dani 16. Mai 2016 at 9:59

      Hi,
      Ich danke dir… Ich freue mich immer wenn meine doch recht intimen Fragen so offen beantwortet werden und ja Esseb ist eine große Leidenschaft von uns und ich schaue es mir auch gern bei den anderen an. LG

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