Ich und So

Die Depression – Das Miststück

9. März 2016
depression

Depression Einsamkeit Vorwürfe SelbstzweifelDie Überschrift lässt schon tief blicken. Die Depression ist kein fast unsichtbarer Wegbegleiter mehr. Die Depression erfasst immer mehr Menschen und das auch immer heftiger. Das einzig Gute daran ist, das immer mehr Menschen sich trauen darüber zu reden. Man versucht die Tabumaske zu entfernen indem man seine Gefühle offenbart. Jedoch gibt es immer Menschen und Momente die man schützen möchte. Heute habe ich einer Gastschreiberin einen Platz auf meinem Blog gegeben, um über ihre Depression und ihren Leidensweg auf sehr gefühlvolle Art zu schreiben.

Ich habe geweint vor Glück! Mein Leidensweg: Bis zur Gefühlskälte und zurück.

Depression ist ein Miststück: Gemein, hinterhältig und frech!

Erst nimmt man sie gar nicht so wahr. Sie schleicht sich an und ist am Anfang nur ab und an mal da, wie eine Bekannte, die zu Besuch kommt. Dann sieht man irgendwann ihr wahres Gesicht. Diese grauenvolle Fratze, die einem plötzlich in den Rücken fällt.
Besonders hinterhältig und rücksichtslos sind Depressionen, die Mütter befallen. Warum? Weil sie nicht nur das eigene Leben beeinträchtigt. Das Miststück verpfuscht auch noch das Leben derer, die uns am meisten am Herzen liegen: Unserer Kinder. Wie eine leidige Zecke, die sich festsetzt!
Aber wem sage ich das? Alle Eltern, die betroffen sind, kennen dieses ohnmächtige Gefühl, wenn man der Depression endlich ins Auge sieht, und ich sehe sie im Geiste nicken bei dieser Beschreibung. Wer sich dann in Behandlung begibt (welche auch immer) hat eine gute Chance, dass es irgendwann besser wird. Besser oder ganz vorbei? Das ist eine Frage, die man sich seeehr oft stellt und ich möchte heute Mut aussprechen! Mut an alle, die dort sitzen und die oft nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Es lohnt sich, weiter zu machen! Mein Leidensweg als Mutter möchte ich heute mit euch teilen!
Warum? Weil ich erfahren habe, wo der Unterschied liegt. Wie es sich anfühlt, wenn man diese blöde Depression hinter sich gelassen hat. 

Sorgen Depression Angst BabyBlues„Warum hatte es mich erwischt?“

Alles begann damit, dass ich schwanger war und mein mittlerweile Ex-Mann sich gar nicht mit dieser eigentlich gewollten Situation anfreunden könne. Kennt ihr, ne? Jedenfalls nahm da das Miststück ihre Arbeit auf. Keine Freude, wenig Lachen, alles ist schwierig und man weiß nicht, wie man das alles überstehen soll. Das verbucht man vielleicht noch unter Wochenbett und Baby Blues. Irgendwann merkt man aber, da ist etwas anders. 

Wie, andere Mütter könnten ihr Baby stundenlang abknutschen? Wie, man lacht ständig über dieses witzige Wesen in seiner Wohnung?

Das war mir alles unbekannt. Jahrelang! Oft kam die Depression auch über den Gedanken an die Depression. Warum hatte es mich erwischt? Was kann mein Kind dafür, dass ich mich nicht freuen kann? Welche Defizite wird es davon tragen? Wird es darum mal ein Massenmörder werden? 

Ja, so etwas denken depressive Mütter. Sie geben sich die Schuld an allem.

Irgendwann begann ich eine Therapie. Die half. So akzeptierte ich nach und nach meine Situation und es wurde besser. 

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Bildrechte liegen bei natureshealthwatch.com

Aber wisst ihr was? Depressionen wären nicht so hinterhältig, wenn sie nicht wüssten, dass ihr Wirtskörper irgendwann Hilfe von außen bekommt. Sie ziehen sich dann einfach zurück, taucht nicht mehr so wirklich auf. Doch ganz im Inneren, da weiß man, etwas stimmt immer noch nicht.  Was bei mir nicht stimmte? Die düsteren Gedanken waren weniger geworden, ich bekam das Leben wieder auf die Reihe. Aber ich hatte mit meinem Kind und auch sonst kein Mitgefühl und konnte mich immer noch nicht so wirklich freuen. Im Gegenteil, mein Kind nervte mich! Was wollte es von mir? Warum stört es mich in meinem „Elend“? Wenn es nicht da war, dann beanspruchte mich keiner, dann konnte ich ignorieren, dass etwas nicht stimmte. Also freute ich mich auf meine Zeit ohne Kind. Viel zu sehr. Und was stimmte tatsächlich nicht?

„Ich fühlte mich hilflos, wie Mütter das nun mal tun.“

Alles war so oberflächlich, so als wäre zwischen mir und den Gefühlen eine dicke Wand aus Watte. Ich konnte sie ahnen, aber nicht „leben“. Einzig die Aggression und die Wut über mich und diesen Zustand kamen durch. Und wer musste es ausbaden? Alle anderen! Denn ich machte mich für nichts verantwortlich…
Dann wurde ich gesundheitlich durchgecheckt und siehe da, etwas ganz anderes kam plötzlich als Ursache für die Depressionen in Frage. Etwas, was ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Verzeiht mir, wenn ich nicht genauer werde, denn dann wüssten zu viele, wer ich bin. Aber lasst es euch gesagt sein, seit ich eine Ursache habe und sie bekämpfe ist es soooo viel besser!!!
Und dann kam die Nacht in der das Kind krank war und weinend wach wurde. Ich fühlte mich hilflos, wie Mütter dies nun mal tun. Vor 12 Monaten wäre ich noch ärgerlich geworden, dass ich nicht schlafen kann. Meine Übersprungshandlung wäre eine immense Gereiztheit gewesen. Und das Kind hätte zwar Trost aber eben keinen echten Trost erfahren. Wisst ihr, was ich meine?

Doch jetzt, jetzt passierte es: Ich nahm mein Kind in die Arme und eine Welle von Liebe, Mitleid, Hilflosigkeit, Fürsorge und weiteren Gefühlen überschwemmte mich.

Und da weinte ich. 

Vor Glück!

Ich konnte fühlen! Einfach so! Und so viele Gefühle auf einmal!
DAS ist ein Gefühl, welches ich euch nicht beschreiben kann. Aber ich kann euch sagen: Kämpft dafür!!! Kämpft dafür, dass ihr dieses Gefühl erleben dürft. Dieses Gefühl, wie es ist, wenn etwas einen wieder berühren kann, tief im Herzen. Da, wo man sonst glaubte, es käme nie wieder etwas an. 

Es lohnt sich!

 

Meine liebe Gastschreiberin, mir kamen die Tränen beim ersten Lesen deines Textes, Du wolltest dass ich ehrlich zu Dir bin, wie ich ihn finde. Du bist eine starke Frau. Ich weiss, wie sehr dich das alles immer noch belastet. Keine oder die falschen Gefühle zur falschen Zeit zu haben, können Menschen, die an keiner psychischen Krankheit leiden, sich gar nicht vorstellen. Die eigenen Gewissensbisse machen all das noch schlimmer und man gerät immer mehr in die Fänge, seiner eigenen Krankheit. Ich kann mich Dir nur anschließen und sagen, der Weg und der Kampf, den man gehen muss um mit einer Depression leben zu können und auch wieder dauerhaftes Glück empfinden zu dürfen, der lohnt sich definitiv.

Wie man an diesem Beispiel hier sehen kann, können oftmals noch ganz andere Faktoren mit reinspielen und ein zusätzlicher Besuch beim Arzt kann da nicht schaden. Besteht darauf, dass euch jemand zuhört und gewisse Tests gemacht werden, denn es ist euer Leben.

Kennt ihr die Gefühle, die meine Gastschreiberin da beschreibt? Was hat euch geholfen? Wenn auch ihr euch anonym etwas von der Seele schreiben wollt, dann schreibt mir gerne eine Email an herz(ät)gluckeundso.de und ich werde sehr vertrauensvoll damit umgehen und euch Gehör verschaffen.

Eure Glucke

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6 Comments

  • Reply 1000 Fragen an Dich selbst-Teil 6 ~ Glucke und So 15. Februar 2018 at 7:51

    […] Tag so zu leben, als wäre es mein letzter aber die Praxis sieht anders aus. Wenn man so von seinen „Stimmungen“ geleitet wird, ist es manchmal schwer, das Gute am Tag zu […]

  • Reply 20 Tatsachen über die Rabenmutti ~ Glucke und So 16. Februar 2017 at 6:43

    […] ersten Jahr fiel es mir schwer mein Kind bewusst zu lieben, weil meine Depressionen meine positiven Gefühle stark gehemmt haben. Trotzdem: Schwangerengymnastik, Krabbelkurs, Pekip, […]

  • Reply Herr Bock-Depressionist und eine starke Stimme ~ Glucke und So 14. November 2016 at 6:56

    […] –Die Depression das Miststück […]

  • Reply Christine 17. Juni 2016 at 21:40

    Ich bin auch Mama und hatte lange Zeit Depressionen. Mittlerweile ist es aber vorbei aber ich kann das alles so gut nachvollziehen. Sehr gut in Worte gefasst und der Schreiberin viel Kraft. Es ist ein langer, schwerer Weg aus der Depression, aber man kann es schaffen

    • Reply Dani 17. Juni 2016 at 22:00

      Hallo Christine, vielen Dank für deine Offenheit- ich werde es der Schreiberin ausrichten.
      Liebe Grüße Dani

  • Reply christian311983 9. März 2016 at 22:25

    Mensch, hab ich Schreck bei dem Beitrag bekommen, da ich das Wort „Gastschreiberin“ am anfang nicht gesehen hab. Passt doch karnicht zu Dani der Beitrag hab ich dedacht. Am Ende „Gastschreiberin“ gelesen was für eine Erleichterung im Herzen – Puh, doch nicht die Dani.

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