20 Tatsachen über

20 Tatsachen über den Beruf als Grundschullehrerin

16. März 2017

20 Tatsachen über eine Grundschullehrerin

Guten Morgen ihr Lieben und willkommen zum 20-Tatsachen über-Donnerstag.

Donnerstag ist sowieso schon ein guter Tag, denn es bedeutet nur noch 2 Mal arbeiten bis zum Wochenende. Es bedeutet aber auch, dass wieder ein spannendes Thema genauer beleuchtet wird und sozusagen ein Experte auf diesem Gebiet sich die Zeit genommen hat um uns allen dazu etwas zu erzählen.

Heute berichtet Sassi von Liniert-kariert über ihren Beruf als Grundschullehrerin. Sassi war vor fast genau einem Jahr, Gast in meiner Montagspost. Da war das Finchen ein Mini Puck und noch noch lange nicht auf der Welt und Sassi noch keine Twitterkönigin. Im Ernst in ihr schlummern sehr sehr viele Talente und Twitter ist nur eins davon. Grundschullehrerin-liniert-kariert

Ich freue mich, dass Sie uns heute in ihre Welt entführt, denn das Thema Schule besonders auch die Grundschule ist zunehmend wichtiger auch für uns. Welche Schule kommt in Frage? Wieso müssen Kinder inzwischen so viel leisten? Viele Fragen die ich mir stelle und Infos von einer Lehrerin sind ja dann Gold wert.

Viel Spaß mit 20 Tatsachen über eine Grundschullehrerin

  1. Grundschullehramt ist ein Studienlehrgang. Es gibt ihn isoliert, also schulartenspezifisch oder auch in der Kombination mit Hauptschulehramt, sowie dem Lehramt für die gesamte Unterstufe.
  2. In meinem Bundesland heißt Vollzeit für Grundschullehrerinnen 28 Stunden reine Unterrichtszeit. Gymnasiallehrkräfte arbeiten Vollzeit mit 23,5 Stunden.
  3. Unterrichtszeit ist nur ein Teil unserer Arbeitszeit. Der Rest setzt sich unter anderem zusammen aus Elternabenden, Elternsprechtagen, Dienstkonferenzen, Arbeitskreisen, Fortbildungen, Zeugniskonferenzen, Ausflügen, Klassenfahrten, Schul- und Sportfesten, Elterngesprächen und natürlich aus der Vor- und Nachbereitungszeit des Unterrichts.
  4. In besonders arbeitsintensiven Wochen (zum Beispiel während der Elternsprechtage oder der Zeugniszeit) komme ich schnell auf 60 Stunden.

  5. In den weniger turbulenten Wochen sind es in der Regel zwischen 40 – 45 Stunden.
  6. Ich nehme immer Arbeit mit nach Hause. Als ich noch keine Kinder hatte, blieb ich stets so lange in der Schule, bis ich alles an Korrekturen, Schülerbeobachtungen und sonstigen Vorbereitungen erledigt hatte. Vor 17.00 Uhr verließ ich das Schulhaus selten. Aber ich fuhr so befreit nach Hause, hatte freie Abende sowie Wochenenden. Mit den Kindern geht das natürlich nicht mehr und möchte ich das auch gar nicht. Aber das heißt eben, dass ich, nachdem die Kinder im Bett sind, an den Schreibtisch wandere.
  7. Viele Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit. An den vier Grundschulen, an denen ich bisher unterrichtet habe, war ich beispielsweise immer eine der wenigen oder sogar die einzige Vollzeitlehrkraft.
  8. „Das dankt dir keiner“, war bisher der häufigste Satz, den ich im Bezug auf mein Engagement bisher hören durfte. Ich kann ihn bis heute nicht unterschreiben.sassi-grundschullehrerin-liniert-kariert

  9. „Sie sind seit Jahren die erste Person, die meinen Sohn wirklich sieht“, war einer der schönsten Sätze, den Eltern mir entgegenbrachten.
  10. „Wenn ich groß bin, will ich auch Lehrerin werden. Das sind ganz besondere Menschen nämlich. So wie du, Frau N.“, war einer der berührendsten Sätze, die je eines meiner Schulkinder zu mir sagte.
  11. Nicht wenige ergreifen diesen Beruf, weil er so gut mit Familie vereinbar sei. Dem kann ich zwar nicht uneingeschränkt beipflichten, aber er bietet in der Tat ein hohes Maß an Sicherheit und die Arbeitszeiten (sowie die Ferienzeiten) sind im Bezug auf die Betreuung der Kinder durchaus moderat.
  12. Grundschullehrerin zu sein ist ein wundervoller Beruf. Aber man sollte ihn bewusst erwählen. Er fordert viel. Und auf Anerkennung von außen sollte man nicht angewiesen sein. Das eigene Wirken und die Rückmeldung der Kinder sind die emotionale „Währung“.
  13. Lehrkräfte der verschiedenen Schularten werden auch unterschiedlich bezahlt. Ein Gymnasiallehrer, dessen Stelle mit meiner vergleichbar ist (Vollzeit, gleiches Dienstalter), verdient in meinem Bundesland monatlich Brutto 600 Euro mehr als ich. An Gymnasien beträgt die volle Stundenzahl dabei, wie erwähnt 23,5 Stunden, an der Grundschule 28. Es gibt diverse Begründungen für diese unterschiedlichen Gehaltsstufen. Das Lehren an Gymnasien sei fachlich deutlich anspruchsvoller. Außerdem hätten diese Lehrkräfte im Schnitt 2 Semester länger studiert. Ob das gerecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich nenne nur den Fakt.
  14. An meiner Universität waren die „Grundschullehrämtler“ ein stiefmütterlich behandeltes und eher belächeltes Feld. Unter den anderen Lehrämtlern und Studenten wurden wir „Bastelschl*mpen“, „ABC-Tanten“ oder „Vorleseladies“ genannt. Kein Scherz.

  15. Lehrkräfte allgemein sind nicht selten die Zielscheibe des Bildungssystems und diejenigen, die gemeinsam mit den Kindern Reformen und Sparmaßnahmen ausbaden müssen. Die Anforderungen steigen kontinuierlich. Inklusion, das Einbinden traumatisierter Flüchtlingskinder, der erhöhte Leistungsdruck und die ausgeprägte Heterogenität der Schülerinnen und Schüler wären da zu nennen. Ich bin im Übrigen ein großer Befürworter der Inklusion, aber die Umsetzung lässt bisher sehr zu wünschen übrig. Es gibt kaum wirklich gute Fortbildungen und wenig personelle Unterstützung. Konzepte wie das das Unterrichten im Team können nur selten umgesetzt werden.
  16. Lehrkräfte sind eine der Berufsgruppen mit der höchsten Burn-Out-Rate. Viele befinden sich in einem Strudel aus Resignation, Überforderung, Frustration und dem verzweifelten Streben nach Anerkennung. Wenn Sie die Lehrkraft Ihres Kindes schätzen, zögern Sie nicht, ihr das einfach mal zu sagen. Sie glauben nicht, was das bedeuten kann.

  17. Wenn sich Lehrkräfte privat treffen, geht es ziemlich oft auch einfach um die Schule.
  18. Überall liest man von der Digitalisierung der Schulen. Unsere Schule ist überdurchschnittlich ausgestattet. Beamer und Visualisierer in allen Klassenzimmern, zwei Klassensätze Laptops, ein Klassensatz IPads beispielsweise. Leider wird das kaum genutzt, weil sich nur wenige damit auskennen. Die zwei Smartboards wurden (vor meiner Zeit) weitergegeben, weil niemand sie bedienen konnte. Der Datenschutz an vielen Schulen ist ein Witz. Insgesamt ein Trauerspiel bisher. Zumindest an den Grundschulen.
  19. Der Frauenanteil bei Grundschullehrkräften liegt in meinem Bundesland bei über 85%. Der Männeranteil in den entsprechenden Führungsebenen (Schulleiter, Seminarleiter, Behörden und Regierung) liegt bezeichnenderweise allerdings bei knapp über 70%. Dabei wären Männer vor allem in den Schulen so wichtig. Für die Kinder und für die Balance in den Kollegien.
  20. Wenn Sie mich fragen, sind die bisherigen Bildungsstrukturen nicht mehr ewig so haltbar. Das viel zu starre Versteifen auf fachliche Inhalte und das hektische Abarbeiten der Lehrpläne passt nicht mehr zu diesen heute so wundervoll willensstarken kleinen Menschen. Unsere Gesellschaft hält fest am klassischen Pauken und fordert später dann ganz andere Kompetenzen, als die halbgar verinnerlichten Fakten der Schulzeit.

Ich liebe meinen Beruf, übe ihn mit Leib und Seele aus und wachse täglich an dem Wissen, für einige Zeit ein einflussreicher und wichtiger Begleiter für meine Schülerinnen und Schüler zu sein. Diese Verantwortung und Chance ist etwas ganz Besonderes. Und mir oft Motivation genug.

Liebe Sassi, Vielen Dank für diesen tollen Einblick und auch dafür, dass Du soviel Sinn und Freude in deinem Beruf siehst auch wenn es Dir sicherlich auch oft nicht leicht gemacht wurde.

Wie ist es bei euch in der Grundschule? Haben eure Kinder Spaß? Mögt ihr die Lehrer?

In 2 Wochen gehts bei Jessi weiter.

Eure Glucke

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8 Comments

  • Reply MrsCgn 27. März 2017 at 23:00

    Vielen Dank für den interessanten Einblick. Ich habe ja eine sehr differenzierte Sicht auf Grundschullehrer/innen. Einerseits habe ich einen Riesen-Respekt vor den Leistungen, den die Lehrer erbringen, gerade in der heutigen Zeit mit Klassen, in denen Kinder mit extrem unterschiedlichen Entwicklungsständen sind. Andererseits bedaure ich, dass vieles von dem, was ich in der Verantwortung von Grundschulen sehe, heute nicht mehr geleistet wird, leider auch nicht geleistet werden kann (siehe Satz zuvor). Daher ein kleiner, leiser Widerspruch zu 15. und 20.:
    Ich sehe in den Grundschulen die Absens von Leistungsdruck. Noten frühestens ab Ende Klasse 2. Bei sportlichen Wettbewerben immer Medaillen für alle. Keine Diktate mehr. Kein lautes Vorlesen, weil es jene verletzen könnte, die es noch nicht beherrschen.
    „Unsere Gesellschaft hält fest am klassischen Pauken und fordert später dann ganz andere Kompetenzen, als die halbgar verinnerlichten Fakten der Schulzeit.“ Wie wäre es denn mit einem Sowohl-als-Auch? Ich hätte gerne, dass nicht nur diese vermeintlich „anderen Kompetenzen“ beherrscht werden, sondern auch ganz simples Wissen. Denn tatsächlich ist es heute so, dass Kinder in den weiterführenden Schulen ganz wunderbar Streit schlichten können, aber bei 9×9 aus tiefer Überzeugung 89 sagen. Das Stärken von Kompetenzen darf doch nicht zu Lasten der wichtigen (und einfachsten) Allgemeinbildung gehen, für die – das gebe ich sofort zu – auch die Eltern verantwortlich sind.
    PS: Ich habe der Lehrerin meiner kleinen Tochter schon sehr oft gesagt, wie sehr ich sie sowohl als Person als auch als Lehrerin schätze. Sowohl das Kind als auch wir Eltern vermissen sie sehr – sie ist in Elternzeit. 🙂

    • Reply Glucke 28. März 2017 at 13:35

      Ich bin ja noch zu DDR-Zeiten in die Grundschule gekommen und habe sehr schöne, wenige Erinnerungen daran. Wir hatten Noten ab Klasse 1, ich konnte schon schreiben und wir hatten tolle Fächer wie Werken und Gartenarbeit. Ich weiß noch wie heute, das das kleine und große 1×1 super wichtig waren und uns eben auch beigebracht wurde, das man es immer braucht und das ist auch so. Ich finde es sollte immer ein Zusammenspiel aus Eltern und Lehrern geben aber wie du auch sagst, Personalmangel, zu große Klassen, kein einheitliches Modell deutschlandweit, unmotivierte Lehrer und Schüler. Sprachbarrieren und das Netz. All das trägt dazu bei, das ein Umdenken stattfinden sollte aber eben noch lange nicht flächendeckend funktioniert. Mir graut es tatsächlich davor wie es dem Prinz ergehen wird.

  • Reply Mama 2.0 16. März 2017 at 21:54

    Awww, 9 und 10 – da bekomme ich Gänsehaut! Die 12 kann ich so unterschreiben, ich gebe Instrumentalunterricht, auch vorwiegend Grundschülern. Wenn einem die Kinder gemalte Bilder schenken mit Herzen drauf und einem Portrait aus dem Unterricht mit den Worten „für die beste Musiklehrerin der Welt“, dann ist das für mich die schönste Anerkennung, die ich mir vorstellen kann. Ich glaube nach dem Lesen dieses Beitrags, die Welt braucht mehr solch engagierter Grundschullehrerinnen wie Sassi!

    • Reply Glucke 16. März 2017 at 21:56

      JA auf jeden Fall, braucht die Welt mehr von Euch, von Menschen die es lieben und die Hoffnung an eine Berufung nicht verlieren. Ich liebe auch deine Musik.

  • Reply paju 16. März 2017 at 11:48

    Wunderbar! Der Beitrag hat mich noch mehr gestärkt, diesen Beruf zu ergreifen. Seit Jahren beobachte ich die Entwicklung im Bildungsbereich in Sachsen, eines der Bundesländer mit dem größten Mangel an Lehrern. Seit vergangenem Jahr ist es nun möglich, dass auch ich mit meinen Diplom einer Fachhochschule Lehrerin als Quereinsteiger werden kann. Ja, ich weiß, was jetzt kommt. Quereinsteiger, so ein Mist! Wir brauchen ausgebildete Lehrer. Sicher! Da gebe ich allen recht! Aber mittlerweile ist der Wunsch nicht mehr nur reine Vorstellung für mich. Ich sehe, was ich bei Grundschulkindern bewegen kann. Ich begleite oft die Klasse meines Sohnes auf Ausflügen, habe selbst schon mit Schülern gemeinsam an schwierigen Themen gearbeitet. Für mich ist das eine Passion! Eine Motivation, Kinderaugen leuchten zu sehen, wenn sie etwas verstehen und ich es ihnen vermitteln kann. Ich hoffe, es klappt diesen Sommer für mich mit der Einstellung.

    • Reply Glucke 16. März 2017 at 14:07

      Das klingt ja fantastisch und ich wünsche Dir viel Erfolg!!!

  • Reply Mupfmama Johanna 16. März 2017 at 7:40

    Danke für diese differenzierte Darstellung! Die unterschreibe ich so weitestgehend. Digitalisierung – Katastrophe. Das fängt an meiner Schule allerdings schon bei der Ausstattung an, nicht nur im Bereich Digitales. Inklusion – ja bitte, unbedingt, aber mit Hirn und Plan!

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