Gastbeiträge

Heimat am Schliersee -Gastbeitrag

19. Juni 2016

Guten Morgen meine Lieben,

ich war ja kürzlich wieder in meiner alten Heimat und dieses Wort alleine ist schon ein wohliges Gefühl oder? Ich hatte ja bereits mal mit euch allen über Heimat sinniert und Meine liebe Petra von alles in klein

Meine liebe Petra von alles in klein,die ich euch schon in der Montagspost vorgestellt habe, lässt dieses Nachdenken über petra-teresa-allesinkleinHeimat auch nicht los und Sie wollte es einfach mal niederschreiben.

 


heimat-schliersee_allesinklein

 

 

Heimat, was ist das? Auf der Suche nach dem Ort meines Herzens

Kürzlich stand ich am Ufer dieses Sees. Gar nicht weit von München. Blickte auf die Berge, die direkt dahinter beginnen. Oben lag noch Schnee. Die Wiesen löwenzahngelb, der Himmel weiß-blau, dieses viel zu oft bemühte Klischee von der bayerischen Idylle. In diesem Moment stimmte es so sehr. Es war gar kein Klischee. Es war echt. Und in meinem Herz spürte ich diese zarte Freude, dieses sanfte Brennen, das man immer dann fühlt, wenn man weiß: Das hier ist richtig. Genau so wie es ist.
Der See heißt Schliersee, er liegt im südlichen Zipfel Bayerns, fährt man ein paar Kilometer weiter, dann ist da schon die österreichische Grenze.

Und wie ich da so stehe und auf die Berge schaue, da merke ich einmal mehr, wie sehr ich angekommen bin an diesem Flecken Erde. Am See seit ein paar Monaten, seitdem wir dort eine Wohnung haben, so etwas wie ein „Getaway“ vom Leben inmitten von München, das zwar toll und abwechslungsreich ist, aber auch anstrengend. Eine Stadt ist eben immer eine Stadt. Mit Beton und hohen Häusern, mit Lärm und Dreck.
Und trotzdem, München ist meine Stadt, ich wusste das vom ersten Moment an. Es ist dieses Gefühl, das man manchmal auf Wohnungssuche hat – man betritt eine Wohnung und weiß sofort – bäääämmmm – das ist sie. Die und keine andere. So ging es mir mit dieser Stadt. Ich liebe sie, seitdem ich an diesem trüben Oktobertag vor fast 20 Jahren im Englischen Garten unter einem Baum saß und einfach nur guckte, was passierte und wer da so vorbeilief; ein frisch zugroastes Landei auf der Suche nach dem Wesen dieser neuen, fremden Stadt.
Ich liebe sie an klaren Sommertagen, wenn ich frühmorgens die Isar noch fast für mich alleine habe. Ich liebe sie an verschlafenen, dunstigen Vormittagen im Spätwinter, wenn der sonst so überfüllte Viktualienmarkt noch ganz im Winterschlaf vor sich hindöst. Ich liebe sie im Frühling, wenn im Städtischen Rosengarten in Untergiesing die Obstbäume blühen und die Luft diesen ganz besonders Duft nach Licht und Leben hat. Ich liebe sie im Herbst, der oftmals so golden ist bei uns im Süden. Wenn wir im November noch in der milden Sonne sitzen und draußen unseren Kaffee vor dem Lieblingsladen trinken.
Und jetzt der See. Ich kenne ihn schon lange, natürlich, keine Stunde von München entfernt, das gehört zum klassischen Wochenend-Portfolio eines jeden Münchners. Aber hier zu wohnen ist etwas anderes. Morgens zum kleinen Bauernmarkt zu gehen. Sich abends nicht in die Schlange der Heimfahrer einzureihen, sondern einfach die Haustür hinter sich zu schließen und den Kamin anzuwerfen. Das ist ganz wunderbar. Natürlich ist das Luxus, keine Frage. Aber einer, der es wert ist.

Was ist Heimat? Und wo finde ich sie?

heimat-wurzeln-allesinklein
Nur: Was macht das jetzt mit einem, wenn man sich irgendwo zuhause fühlt. Angekommen. Ist das eine Heimat? Was bedeutet das denn – Heimat. Ist das ein realer Ort? Oder nur ein Gefühl? Und wie viele „Heimaten“ kann man denn haben? Denn ich habe ja schon eine. Da ist ja auch noch meine eigentliche Heimat, der Ort meiner Kindheit und, wenn man so will, auch wieder so ein Sehnsuchtsort.
Es ist dieses Phänomen, das wir alle kennen. Die Orte unserer Kindheit, unserer Jugend sind heilig. All das, was früher genervt hat, gibt es nicht mehr im Kopf. Was es aber zuhauf gibt, sind die schönen Erinnerungen, auch wenn sie manchmal schon ganz schön verblasst sind. Endlose Sommertage im Freibad, den Geruch von Chlor und Pommes in der Nase.

Kicken auf der Straße vor dem Haus, der Eismann, der klingelnd vorbeifährt. Die erste Liebe, der erste Kuss, heimliche Rauchertreffen hinter irgendwelchen Mauern, Räuber- und Gendarm-Spiele auf den Feldern, die erste Vespa, Abifeiern am Baggersee, Schlauchbootfahrten auf den Kanälen der Auenlandschaft am Oberrhein. Grüner Amazonas-Wald. Schwarzwaldfahrten. Skiwinter.

Meine Welt. Meine Heimat.

Und ich empfinde immer noch sehr viel für sie. Wie viel, das wird mir jedes Mal bewusst, wenn ich wieder dort bin. Meine Eltern leben immer noch da und auch wenn ich seit fast 20 Jahren fort bin, fühlt es sich manchmal so an, als sei die Zeit einfach stehen geblieben. Vor einiger Zeit habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie wenig sich verändert hat und wie sehr mich das Thema beschäftigt, seitdem ich Kinder habe. Es ist erstaunlich, wie viele Dinge sind tatsächlich ändern, wenn man Mutter geworden ist. Und wenn es nur der Blick auf die eigene Heimat und Herkunft ist.

Auf’s Herz hören: Gute Idee.wasserfall-schliersee-allesinklein
Mir kommt dieser Spruch in den Sinn: „Home is where you heart is“ und vielleicht stimmt der tatsächlich. Unser Herz sagt uns genau, wie wir stehen bleiben sollten. Und wo wir weiterziehen können.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass man an vielen Plätzen Heimat empfinden kann. Und deswegen gehören sie alle zu mir. München. Der Schliersee. Der Oberrhein. Weil dort mein Herz ist. Überall ein Teil davon. Nur gemeinsam geben sie ein Ganzes.
Es gibt einen wunderbaren Abschnitt in Max Frischs Tagebüchern. In Heimat – ein Fragebogen stellt Frisch einfach 25 Fragen hin. So etwas wie „Hat Heimat für Sie eine Flagge“ oder

„Was bezeichnen Sie als Heimat oder „Kann Ideologie zu einer Heimat werden?“. Oder auch: „Haben Sie eine zweite Heimat?“
Der Text stammt aus dem Jahr 1971 und könnte doch nicht aktueller sein. Heimat ist auch so etwas wie ein Kampfbegriff geworden. Sich auf sich selbst und seine Herkunft zu besinnen, ist wieder schick. Im guten wie im schlechten Sinne. Die Welt ist gefühlt so groß und unüberschaubar geworden. Sie dreht sich jeden Tag ein bisschen schneller. So schnell, das einem schwindlig werden kann. Und weil wir all das oftmals einfach nicht mehr aushalten, verständlicherweise, schauen wir auf das, was so nahe liegt.

Und was ist das natürlich: Unser Zuhause. Unsere Heimat.

Seit Jahren sind Magazine wie Landlust ungemein erfolgreich. Bücher über Wälder und Bäume stehen auf Bestsellerlisten. Wir lesen Blogs über Deko und Gärtnern und darüber, wie man es sich schön macht zuhause. Wandern ist plötzlich schwer angesagt. Selbstfindung in der Natur. Zurück zu den Wurzeln. All das verwundert mich nicht. Denn im Grunde ist es doch das, was wir unser Leben lang suchen. Unsere Wurzeln. Denn sie sind der Sinn unseres Daseins. Ohne sie sind wir nackt. Verloren. Und deswegen braucht jeder eine Heimat. Einen Ort zum Ankommen. Und zum Bleiben.

Wurzeln sammeln
Wenn ich ein Stück die Straße hinuntergehe, hört sie irgendwann einfach auf. Dann sind da nur noch Wiesen und Berge und Wald. Rechterhand beginnt ein Pfad, nach ein paar hundert Metern endet er vor einem Wasserfall. Ein ziemlich beliebter Ausflugsort an schönen Sommertagen. So beliebt, dass es einem schnell zu voll werden kann. In der Früh schnüre ich meine Laufschuhe und laufe dorthin. Der Waldboden schluckt die Geräusche. Die Sonne blinzelt durchs Geäst. Niemand da. Nur mein Atem und ich. Und diese Stille, die uns so oft erst einmal erschreckt, weil wir sie nicht mehr gewohnt sind in unserer Welt, in der immer und ständig etwas daddelt, bimmelt oder blinkt.
Es sind diese Momente, an denen man am liebsten die Zeit anhalten würde. Und vielleicht tut sie es ja sogar für einen kurzen Augenblick. Dann gräbt sich eine kleine Wurzel ganz tief in die Erde ein. Unbemerkt und leise. Und jeder dieser Augenblicke, die wir nur mit dem Herzen fühlen, schenkt uns eine neue Wurzel.

Ich sammle meine Wurzeln. Überall dort, wo ich zuhause bin. Sie alle zusammen sind das, was mich ausmacht. Was mich hält.
Meine Heimat.

Liebe Petra, ich sehe und spüre deine Heimat, deine Liebe und all deine Gefühle und hätte jetzt wirklich Lust dich zu besuchen.

Danke, dass Du das mit mir und allen Anderen teilst und ich frage euch nochmal, wie fühlt es sich an, das Gefühl Heimat? Hat es sich im Laufe der Jahre verändert? Seid ihr bereits am Schliersee gewesen?

Erzählt mir davon

Eure Glucke

Teilen

You Might Also Like

3 Comments

  • Reply Dominika From Munich with Love 21. Juni 2016 at 17:14

    Oh ja, die Gegen mag ich auch sehr gerne! Sehr schön geschrieben liebe Petra! 🙂

  • Reply Petra 20. Juni 2016 at 11:56

    Liebe Dani, ja komm vorbei! Es ist ganz wunderbar hier 🙂 Vielen Dank fürs Teilen und den Platz für den Gastbeitrag <3 Liebe Grüße PETRA

  • Reply Michaela Linke 20. Juni 2016 at 11:43

    Ganz, ganz bezaubernder Beitrag! Gerade deswegen weil…der Schliersee ist mir persönlich und auch räumlich & vom Herzen her so nah!♥♥♥

    http://www.aus-ganzem-Herzen.de

  • Leave a Reply

    Cookies sind für die korrekte Funktionsweise einer Website wichtig. Wir verwenden Cookies, um Ihnen Inhalt bereitzustellen, der auf Ihre Interessen zugeschnitten ist, sowie die Sicherheit unserer Nutzer zu erhöhen und um statistische Daten zur Optimierung der Website-Funktionen zu erheben. Klicken Sie auf „Zustimmen und Fortfahren“, um Cookies zu akzeptieren und direkt zur Website weiter zu navigieren. Detaillierte Informationen zu unseren Cookies und dazu, wie du die Kontrolle darüber behältst, findest Du hier: Cookie Einstellungen anzeigen

    The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

    Close