Ich die Glucke

Die Alleinerziehende scheitert am Monatsanfang -Ein Gastbeitrag

4. März 2016

Guten Morgen meine Lieben,

auf meinem Blog gibt es immer ein Plätzchen für Gastbeiträge, da ich diese Option selber gerne nutze, um über Themen zu sprechen, die man vielleicht nicht immer auf seinem eigenen Blog besprechen kann. Mamamotzt brauchte genau das, einen Platz um sich etwas von der Seele zu schreiben und ich sage jetzt gar nichts weiter dazu ausser, bitte lesen auch wenns lang ist.

alleinerziehend-Ersparnisse-pixabay

Die Alleinerziehende scheitert am Monatsanfang 

Neulich ging es in der Bloggeria irgendwie um Scheitern. Da dachte ich noch, ich hätte alles einigermaßen im Griff und fühlte mich wenig bemüßigt, einen Artikel zu schreiben.

Dann kam der Monatswechsel, die Abbuchungen auf dem Konto, der unternehmerische Rückblick und das große Jammern! Ich fühle mich als personifizierte „Scheiterung“.

Ein Text frei von der Leber gebloggt

Gestern beantragte ich zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit, Ex vor Gericht „zu zerren“. Einmal in der Sorgerechtsfrage, er kümmert sich seit Jahren nicht um die gemeinsamen Kinder und nimmt nur die Rechte als Elternteil wahr, die für ihn vorteilhaft sind, drückt sich aber vor JEDER Verpflichtung und ich bewege mich dadurch oft in einer Grauzone der Legalität. Zum anderen drückt er sich massiv vor Unterhaltszahlungen und ich muss ihn im Namen der Kinder gerichtlich zwingen lassen, Angaben zu seinen Einkünften zu machen. (Gezahlter Unterhalt: 0 Euro)

Es gibt Menschen, die könnten diese zwei Gerichtsverfahren schildern und fragen dann freundlich: „Was gibt es als Nachspeise?“ 

Mir geht es aber an die Nieren. Sehr!
Ich will den Vater meiner entzückenden Brillanten nicht so behandeln müssen. Für mich bedeuten Gerichtsverfahren nicht eine juristische Bewertung meines Status, sondern sie bedeuten die Eskalation per se. 

Aber ich kann nicht anders. Im Namen der Kinder muss ich es tun. Als ihr gesetzlicher Vertreter muss ich ihre Ansprüche durchsetzen und sie auch vertreten (und das auch finanzieren). 

 

Beruflich raus nach der Pflege 

Nach vielen Jahren, in denen ich neben der Pflege Angehöriger (Die offizielle Stundenzahl reicht übrigens nicht, um es für die Rente anerkennen zu lassen! So betrachtet ist alles für die Katz!) und dem Versuch, ein wenig weiterzuarbeiten, vor allem versuchte, meinem frustrierten Dasein der Kinder wegen kein vorzeitiges Ende zu setzen, stehe ich jetzt schon wieder mit gefühlt null da. 
Meine bisherigen Kunden sind in der Pflegezeit alle weggebrochen, ich suche nun tatkräftig neue. Es wird auch besser, aber: es geht nicht über Nacht. Ich bin übrigens Journalistin und texte und kann Hörfunk. Aber kein TV! 😉 
Finanziell haben uns in den letzten Jahren das Kindergeld, der Unterhaltsvorschuss und das Pflegegeld gerettet. Wir wohnen günstig und brauchen nicht viel, aus Dankbarkeit gab es vom Pflegefall noch Kleidergeld und Co. für die Kinder. 

Pflegefall tot, Geld weg. 
Für mich gehört zu einer guten Elternschaft unbedingt auch die finanzielle Versorgung meines Nachwuchses. Zumal ich gesund und bestens ausgebildet bin. 

Die Pflege hat neben der schlechten Kinderbetreuung (bis mittags) vieles ruiniert. 
Zuviel Familie ist schlecht fürs Geschäft. Zu viel Gutes tun scheinbar auch. 
In diesen Tagen bringt es mich fast um, dass ich es einfach nicht schaffe. Ca. 800 Euro kommen insgesamt rein, für alles, für vier Leute (Strom, Heizung, Versicherung, … alles geht noch runter. Am Ende bleibt eine traurige Summe.). Das reicht nicht lange, die Monate sind zur Zeit zu lang hier. Aber jeden Monate hoffe ich, mehr Einkommen zu erzielen. 
Ich habe von Wohngeld gehört und von Kinderzuschlag. Beides kommt nicht in Frage, für Kinderzuschlag haben wir zu wenig(!) Monatseinkommen, Wohngeld ist auch an irgendwas gekoppelt, was nicht zutrifft. 

Aber meine Devise ist auch nicht, Transferleistungen zu suchen, sondern mit meiner Hände Arbeit das Leben zu bestreiten. 

Ja, lutherischer Arbeitsethos. Das ist nicht verwerflich. 
Es schmerzt mich ungeheuer, mit meinem derzeitigen Einkommen (steigend, aber eben von ganz weit unten kommend) meine Kinder nicht finanzieren zu können. 

Nun brauche ich den Sparstrumpf auf, den ich seit Kindesbeinen an mit Sümmchen gefüllt habe, für irgendwann mal eine schöne Luxusausgabe oder auch für schlechte Zeiten. Schätze, es ist eine mittlere vierstellige Summe, die ich gerne behalten würde, aber die ich jetzt „opfern“ muss. Nicht dass ihr denkt, ich hätte Millionen. 

Dann sind es jetzt eben die schlechten Zeiten. Ich hatte sie mir deutlich anders vorgestellt! 

Wollte das mühsam Ersparte und schweißtreibend Verdiente eigentlich nicht in Klopapier und Billignudeln investieren. 

Außerdem ist der Kopf gerade so voll 

Den Rest haue ich einfach unsortiert raus, um meinen Kopf leerzuschreiben, entschuldigt, wenn es konfus wird: 
Gestern schrieb Mama Arbeitet über die Filterblase und das Auseinanderdriften mit der Realität. Sehe ich schon lange genauso, habe es aber zuletzt andersrum gehandhabt. Bewusst habe ich mich in den Flausch der Filterblase geflüchtet und möglichst viel von dem Draußen ausgeblendet. Um den Flausch weiß ich ja. Den brauche ich jetzt einfach im Leben. 

Im Hintergrund organisiere ich noch Flüchtlingsarbeit vor Ort, aber täglich möchte ich nicht vis a vis damit befasst sein. Politisch habe ich ja auch noch damit zu tun, vielleicht reicht das. Da das alles ehrenamtlich läuft, also ohne einen Cent Zufluss in meinen Viererhaushalt, gestehe ich mir das jetzt so zu, trotz aller Dringlichkeit. 

Einen weiteren Pflegling (ohne Pflegestufe) habe ich noch zu betüddeln, aber wenn irgend möglich, versuche ich auch da, direkten Kontakt zu meiden und dirigiere alles per Telefon etc. Ich ertrage die Nerverei, das Leid, die wiederkehrenden, ziellosen Themen nicht mehr. Wenn es medizinisch oder psychisch wirklich schlimm ist, bin ich natürlich wirklich umgehend da, aber mehr als einmal tägliches Pampern geht gerade nicht. 
Ich sehe ebenfalls die Radikalisierung im Land und sie macht mir sehr zu schaffen, aus verschiedenen Gründen. 

Aber ich kann derzeit kräftemäßig nicht mehr tun. Beruflich setze ich Akzente in die entsprechende Richtung, das ist mir zum Glück möglich. Privat schaffe aber nichts mehr. (Und ich weiß, dass ich könnte, wenn ich wollte, aber ich will mir und den Kindern jetzt mal unbedingt zugestehen, dass wir Zeit zusammen haben. Gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsame Zeiten, und nicht die dauerabwesende Mutter für den guten Zweck.) 
Ich muss die Existenz meiner Familie sichern. Niemand außer mir interessiert sich dafür, niemand anderes muss das, und niemand außer mir ist zuständig. Der Vater der Kinder hätte meines Erachtens auch sein Schärflein beizutragen, aber „es ist ihm derzeit nicht möglich, seinen elterlichen Verpflichtungen nachzukommen“, wie es im Juristendeutsch heißt. Unwille, Unfähigkeit oder einfach Pech, die Aussage gilt für jede der Optionen. 

Hach Mensch, ich bin froh, dass wir wenigstens alle gesund sind! 

Danke für´s Zulesen. 

 

Meine Liebe, ich schrieb ja erst neulich über unser Problem mit dem System. Wir Familie passen da einfach nicht rein und Du als Alleinerziehende kämpfst noch an vielen weiteren Fronten, die ich mir nicht mal im schlimmsten Alptraum vorstellen mag. Ich kann nur eins sagen, du scheinst eine wirkliche Powerfrau zu sein, die keinesfalls jammert, sondern mal ganz klar aufzeigt, was hier eigentlich alles schief läuft. 800€ für 4 Personen und keine weiteren Zuschüsse von unserem Sozialsystem? Das kann einfach nicht wahr sein. Ich danke Dir sehr für diesen sehr persönlichen Einblick in dein Leben und wünsche deiner Familie und Dir alles erdenklich Gute. Wenn Du Hilfe benötigst, wir sind doch eine große Community, dann sag bitte bescheid.

Und wenn Du wieder ein Plätzchen brauchst, weisst Du wo Du mich findest.

Seid ihr vielleicht in einer ähnlichen Situation und habt noch rechtliche oder andere Tipps für meine Gastschreiberin?

Dann immer her damit und euch allen einen schönen Start ins Wochenende.

Eure Glucke

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5 Comments

  • Reply fraufee 5. März 2016 at 13:55

    Wisst ihr, das mit dem Harz4 ist so eine Sache. Ich weiss das es vielen sehr unangenehm ist und ich kann auch nachvollziehen das man das nicht möchte. Aber in D führt an diesem Antrag kein Weg vorbei auch wenn man andere Gelder erhalten möchte.
    Das ist sozusagen das Grundgerüst auf dem unsere Sozialhilfesystem steht.
    Selbst wenn sich dann rausstellt das diese Stelle nicht zahlen muss kann es sein das dadurch andere Stellen greifen. Nein es ist nicht schön alle seine Sachen offen legen zu müssen. Aber wie will man es sonst machen?…

    Ja, ich weiss bedingungsloses Grundeinkommen. Haben wir aber nicht.

    Ich will auch keine Diskussion darüber ob das gut oder schlecht ist. Egal was für ein System wir einführen. Es gäbe immer welche die durchs Raster fallen. Das ist nicht gut aber unvermeidbar. Man kann nicht alles und jeden Fall berücksichtigen.

    Claudia

  • Reply limalisoy 4. März 2016 at 10:40

    Diese Sch… (Entschuldigung) kenne ich auch.
    Aber ich habe wohl Glück mit den Ämtern gehabt und zu schlechten Zeiten recht zügig Unterstützung bekommen – ob es nun um die Befreiung der Kita-Gebühren oder um andere Unterstützungsmöglichkeiten ging. Die Sache mit dem Unterhalt musste ich teilweise auch sehr erkämpfen. Aber diese Zeit liegt nun seit einer Weile hinter mir.
    Es kommen immer wieder Widerstände, gegen die man ankämpfen muss und ich wünsche dir, dass du einer besseren Zeit entgegensehen kannst. Die Pflege Angehöriger zeugt von unbändiger Stärke, die dir sicherlich auch für deine beruflichen Ambitionen von Vorteil sind. Bewahre dir das Gute und deinen positiven Blick, denn wie du schon richtig sagst, über Gesundheit froh sein zu können ist ein Grund, sich zu freuen (gerade weil meine Kleine gerade krank ist und ich mich zwischen gesundpflegen und arbeiten zerreißen muss…).
    Alles Liebe und Gute,
    Yvonne

    • Reply Mamamotzt 5. März 2016 at 12:33

      Danke! 🙂
      Allein das „Lüften“ hier hat mir sehr geholfen.
      Es wird weitergehen und besser werden. Aber für ein paar Tage ist man erst mal aus der Kurve gehauen, wenn es so unangenehm geworden ist. Da muss zuerst der Kopf frei werden.

      Jetzt sehe ich auch wieder die guten Momente viel deutlicher, als noch während des Schreibens.

  • Reply Landfamilie 4. März 2016 at 9:55

    Wenn man sich tatsächlich nicht an die Maschinerie Arbeitsamt/Jobagentur bindet, sondern sich sozusagen im American Style selbstständig nach oben arbeitet, hat man in unserem Sozialsystem Anspruch auf nichts. Das haben wir als Kleinfamilie ( noch mit 1 Kind, 800 Euro im Monat für insgesamt 3 Personen) selbst erfahren. Es ist dann einfach kein Amt für dich zuständig, selbst Wohngeld zu erhalten ist quasi unmöglich, weil vorher immer eine Reihe andere Dinge beantragt werden müssten, die wir aus unterschiedlichen Gründen nicht beantragen konnten oder wollten. Meine Erfahrung in solch schwierigen Zeiten (auch wenn unsere Situation im vgl. mit der der Autorin hier so schwierig nicht aussieht) ist: Es passiert immer etwas, dass es hinhaut. Bei uns z.B. die Miete: da sind Dinge passiert, bei denen es gerechtfertigt war, die Monatsmiete bis auf 0€ zu senken. Das Auto: Hinterlassenschaft einer Verwandten. Kinderkrippe: nicht die beste am Ort, aber eine wo es sofort einen Ganztagsplatz gab, unkompliziert von der Stadt bezuschusst.
    Und noch was, was jetzt vielleicht unverhältnismäßig klingt: wir hatten mehr Zeit als jetzt, wo wir rund um die Uhr arbeiten dürfen (und uns trotzdem beschweren). Zeit, die wir intensiv in Ehrenamt, Weiterbildung und Freundschaften stecken konnten. Ein Zeit, die trotz akutem Geldmangel eine sehr schöne mit starken Eindrücken war.

    Das ist natürlich kein Ratschlag und es mag nicht mal jedem ein Trost sein. Außerdem ging es ja bei uns nur darum, 1 Kind durchzufüttern. Und außerdem ist es nicht politisch. Ich hoffe, es kann dennoch aufmuntern, trotz allem immer an den nächsten positiven Schritt zu glauben, egal wie stark /schwach sich hier unser Staats – u Rechtssystem zeigt.
    Liebe Grüße

    • Reply Mamamotzt 5. März 2016 at 12:37

      Ja, komisch, nicht, dass es immer wieder Fälle gibt, in denen die umfangreichen deutschen Regelungen nicht reichen. Tut leider gut zu erfahren, dass auch andere das kennen, zB. auch in der Konstellation einer ganzen Familie.
      Sonst meint man nämlich dank massenhafter Vorbeterei, dass es wirklich am eigenen Unvermögen liegt, dass es momentan mau aussieht.
      Es wird sich aber ändern, ich bin zuversichtlich.
      Nach dem Schreiben ging es der Seele schon viel besser, und die wenn da alles stimmig ist und nicht nur düsterschwarz, kommt auch der Rest.

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