Gastbeiträge

Soundtrack of Brycke´s Life

13. November 2017

Soundtrack-of-my-lifeGuten Morgen,

ich bin schon wieder. Ich hoffe ihr habt oder hattet einen guten Start in den heutigen Montag. Ich freue mich auf gutes Wetter, zumindest ist das angesagt. Obwohl ich ja bei dem schlechten Wetter immer eine Ausrede habe, die Weihnachts- oder Herbst-Schnulzen-Musik laufen zu lassen.

Musik ist einfach ein so großer Part in meinem Leben und deswegen ist heute Wiede oder perfekte Tag für einen Soundtrack of Life und ich glaube heute ist es auch ein ganz spezieller denn Dirk Hannes und André von Brycke, sind sicherlich nicht vielen ein Begriff. Ich kannte Sie auch nicht aber Sie fanden mich. Ihr Projekt ist anders als alles was ich bis jetzt so im Netz an Blogs gelesen habe aber glaubt mir, es ist sehr lesenswert und auch die Fotos sind fantastisch.

Ich glaube die musikalische Auswahl wird uns alle überraschen.

Habt nun viel Spass mit #15songsofLife von Brycke

Bevor der musikalische Part kommt nochmal eine kleine Vorstellung von Bryckesoundtrack-brycke-Titelbild

Der Blogname „Brycke” symbolisiert unser Programm: Wir, zwei Männer aus der Hansestadt Greifswald, durch die das Flüsschen Ryck fließt, schlagen eine Brücke zwischen der Lust an der Fotografie (André „Knepulski“ Hollatz) und jener am Schreiben (Dirk „Hannes“ Weder). Obwohl wir unserem Blog einen (scheinbar) regionalen Anstrich geben, sind die Absurditäten und kleinen Beobachtungen des Lebens der rote Faden, der sich durch unsere Geschichten zieht. So bleibt es für jeden lesbar, der auf satirische, überraschende oder spontane Wendungen steht.

André (40) arbeitet als Angestellter bei der Stadt und entspannt beim Angeln und Fotografieren. Hannes (52), der Schreiberling, von dem der Soundtrack stammt, ist in der Berufsausbildung für psychische und körperlich gehandicapte Jugendliche tätig.  brycke-soundtrack-Fokker

Soundtrack of my life

Ich beginne den „Soundtrack of my life” mit einem Interview-Zitat von Billy Corgan, dem Sänger der Smashing Pumpkins.

„Ich denke, dass gute Lieder so etwas wie eine Gefühlswelt erschaffen. Vielleicht nicht so etwas Konkretes wie Trauer, sondern eher eine traurige Atmosphäre. Oder eine sehnsüchtige Atmosphäre. Oder eine verzweifelte. Oft entstehen im Leben eines Menschen solche Gefühle direkt vor der Erleuchtung. Wir haben alle diese Phasen, in denen wir einer schwierigen Herausforderung gegenüberstehen und von den Aufgaben überwältigt werden. Aber irgendwas am Sonnenaufgang oder an den zwitschernden Vögeln am Morgen führt dir plötzlich vor Augen, was eigentlich in deinem Leben wichtig ist. Das sind entscheidende Momente in einem Leben.“

  1. Karat – „Albatros“

    In der DDR und dazu im „Tal der Ahnungslosen“ aufgewachsen, zählten bei vier empfangbaren Radiosendern die einheimischen Bands ganz klar zu den Einflüssen in der persönlichen Rundum-Sozialisation. Prägend waren dabei vor allem die Texte – denn die spiegelten die individuellen Sehnsüchte mit versteckten Botschaften wider, trieben die unendliche Fantasie an, ließen Platz und Raum für die wildesten Interpretationen. Karats „Albatros“ ist ein Musterbeispiel – musikalisch ohnehin hervorragend umgesetzt, ist es für mich aus heutiger Sicht unbegreiflich, wie es dieser Text durch die strenge Zensur der DDR-Behörden geschafft hat.

  2. The Beatles – „A day in the life“

    Als ich im Alter von 14 Jahren auf das Internat meiner neuen Schule in Hoyerswerda kam, war ich, nicht nur was die Musik betrifft, ziemlich jungfräulich. Wir kamen zu dritt auf ein Zimmer und nebenan wohnte ein Zwölftklässler, zu dem wir nicht nur wegen seines Outfits (er trug Jeans und den Spitznamen „Jeans“) aufsahen.  Da ich mich (noch) nicht für Mädchen interessierte, nahm sich Jeans meiner einsetzenden Adoleszenz an. Mit den Beatles! Irgendwann bemerkte ich, dass ich im Gegensatz zu ihm eher auf deren Spätwerk stand – „A day in the life“ ist für mich einer der größten Songs der Rockgeschichte. Die Beatles waren ihrer Zeit damit um Jahre voraus und für mich war es nun nur noch ein kleiner Schritt zu …

  3. Jethro Tull – „Moths“

    … den Stones oder Led Zeppelin. Von denen etwas vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. War in der DDR ja auch nicht möglich. Jethro Tull gehörten ebenso dazu – deren Song “Moths” wird mir durch ein besonderes Ereignis im Gedächtnis bleiben. Mein dänischer Freund Mogens kniete Anfang der Noughties, zwei Stunden nachdem wir uns kennengelernt hatten, völlig von Sinnen vor meinem Tonträgerregal und robbte, tanzte, steppte sich dann durch dessen Classic-Rock-Abteilung und mein Wohnzimmer. Ich war kurz davor, ihn für die kommende Luftgitarrenweltmeisterschaft anzumelden, als er whiskygeschwängert 30 Sekunden lang zu Jethro Tull versuchte, auf einem Bein stehend seinen rechten Fuß auf sein linkes Knie zu setzen. Dann legte er eine Luftquerflöte an und blies los – bis dahin noch nie gesehen. Das sind Bilder, die man nicht vergisst und „Moths“ hängt seit diesem Tag mit einem fetten Pin in der zuständigen Abteilung meiner Erinnerung fest.

  4. Dire Straits – „Where do you think you´re going”

    “Duett – Musik für den Recorder” nannte sich jene Sendung im DDR-Radio, in der man Langspielplatten, die ja auf dem (freien) Markt nicht erhältlich waren, in voller Länge mitschneiden konnten. Als ich dort Anfang der 80er erstmals die Dire Straits hörte, glich das einem Meteoriteneinschlag. Gediegene und gitarrenlastige Rockmusik, die mich bis heute prägt und (vermutlich) alle kommenden Disko- und Technosounds ignorieren ließ.

  5. Billy Bragg “Levi stubbs` tears”

    Ein weiteres Beispiel dafür ist Billy Bragg. Als ich 1985 zum Studium an die kleine Greifswalder Uni kam, verschenkte ich an die Frauen, die ich verehrte und begehrte, Kakteen und zusammengestellte Tapes. Die Cover unterlagen einer aufwändigen, wenn auch künstlerisch primitiven Gestaltung – die Musik war mein vertontes Bewerbungsgespräch. Billy Bragg war quasi immer dabei.

  6. Sandow “Stille Invasion”

    Der Musikgeschmack in den engen Grenzen der DDR ließ sich am transportierten Outfit recht gut festmachen. Für meine Freunde und mich hieß das: Römer/Tramper an den Füßen, in Batik-Tönen gefärbte Malerhosen oder Jeans über den Beinen, darüber Fleischerhemden und Parka, auf dessen Kragen sich die Haarpracht wallte, die sich idealerweise an der Frisur von Robert Plant orientierte. In der DDR kündigten derweil dutzende Bands mit neuer Musik und provozierenden Texte die anstehende Wende an. Über Mundpropaganda erfuhren wir von deren Gigs. Dann saßen wir in Zug oder Bus, fuhren über Land und klapperten die kleinen Bühnen, in Kneipen oder Wäldern ab – immer auf der Hut vor Kontrollen und oft erfolglos, da das anstehende Konzert kurzfristig verboten wurde. Wilde und tolle Zeit.

  7. The Cure – “A forest”

    “A forest” von The Cure ist so lässig dahingerotzt und dermaßen voller Melancholie, dass ich mir keinen besseren Soundtrack für meine Kindheit vorstellen könnte. Eine Kindheit zwischen den Tagebauen der Lausitz, in der das soziale Netzwerk noch „Draußen“ hieß. Kicken im Sommer, Eishockey im Winter, alle Disziplinen der Olympischen Spiele nachgespielt, die Internationale Friedensfahrt nachgeradelt, Pilze suchen in den Wäldern, die (gefühlt) von einem auf den anderen Tag der Kohle weichen mussten. Die Mutter, die mir nach dem Toben in der Waschküche mit dem Wasserschlauch den Kohlendreck vom Leib spülte und das Schnauben in die hohle Hand. Bis der erste unschwarze Popel das Nasenloch verließ.

  8. Marillion “Lavender”

    Nach den vielen kleinen Konzerten, die ich bis 1988 besuchte, waren die Festivals auf der Radrennbahn Weißensee das größte, was ich bis dahin erleben durfte. Mega-Events, auf die wir uns wochenlang gefreut haben. Trotzdem das Marillion-Konzert für unsere Truppe nicht so glücklich begann (wir mussten unsere beide „Kleinen“ unter einem umgestürzten und von Nachrückenden zugedeckten Zaun pulen), war es grandios. Fish, den charismatischen Sänger der Band, sah ich vor acht Jahren in einem kleinen Rostocker Pub. Beide Veranstaltungen – unvergessen.

  9. The Inchtabokatables “L.A.”

    Für ein knappes Jahrzehnt habe ich in diversen (Studenten)Clubs Greifswalds aufgelegt. „L.A.“ von den Inchtabokatables war ab Anfang der 90er die markante Intromusik, zu der sich bei einem dankbaren Stammpublikum bereits während der Anmoderation die Tanzfläche füllte.

  10. Talking Heads “Burning down the house”

    Wenn ich heute von einer altersgerechten Party nach Hause komme, in der ich den Menschen zu den Klängen von Helene Fischer oder Rollo Kaiser drinkbewaffnet bei der Zerwirblung erdnaher Schichten zugrinste, muss ich mich an der heimischen Stereoanlage erst einmal erden. „Burning down the house“ ist dafür bestens geeignet und dazu schlage ich dann auch an allen Ecken und Kanten der Behausung ab. Das sind sehr viele.

  11. Frank Zappa “Camarillo Brillo”

    In der Trennungs- und Scheidungsphase vor neun Jahren ging es mir nicht ganz so gut. Ich traf die Leute, die mir da rausgeholfen haben – auch die besungene „Hexe“, die Karten legt und mich letztendlich zu einem Schamanen geschleppt hat. An diese „Zauberei“ habe ich vorher nie geglaubt – aber es war der Start zu einem Selbstfindungstrip, der mich aus dem „Funktionieren“ gebracht und mich zutiefst beeindruckt hat. Eines der größten Erlebnisse meines Lebens.

  12. Calexico  “Sanchez”

    Ich kann Stunden damit zubringen, mich bei youtube durch Musik zu zappen – was mir leichter fällt, seitdem ich vor sieben Jahren den Fernseher aus dem Haushalt verbannt habe. Dies ist ein Weg, um Hörenswertes und das Selbst zu entdecken, etwas Spirituelles …

  13. Sophia  “So slow”

    … der andere Weg sind Freunde. Sophia habe ich jemandem zu verdanken, den ich in diesem Leben leider nicht mehr sprechen kann. „Death comes so slow“.

  14. Tindersticks  “Can we start again?”

    Die Tindersticks sind eine ebensolche Entdeckung. Ihnen verdanke ich mein grandiosestes Konzerterlebnis im Berliner Metropol-Theater. Da ich zentral auf dem Balkon die besten Plätze gebucht hatte, zwei Dutzend Kabel sich aus dem Parterre just an dieser Stelle über die Balustrade wanden, wurde ich von benachbarten Gästen einerseits beneidet, andererseits für den Hauselektriker gehalten.

  15. The Smiths “There is a light that never goes out”

Müsste ich einen All-Time-Favorite benennen, würde ich mich wohl für die Smiths entscheiden. Für fünf von deren Platten habe ich Anfang 1990 37,95 Prozent meines Begrüßungsgeldes ausgegeben. Ein Dankesschreiben wurde von Theo Waigel nie beantwortet.

„There is a light that never goes out“ trägt alles in sich, was Musik für mich ausmacht. Damit ist der Kreis zum Eingangszitat geschlossen.

Ich gebe es zu, ich kannte 2 Songs aus eurer Auswahl aber viele weitere sind nun gespeichert und mein Mann fand Sie alle sehr sehr geil. Vielen Dank für diese Einblicke und auch die Entdeckung eures Blogs. Wir sind ja schon immer gerne in unserer persönlichen Bubble aber der Blick über den Rand lohnt sich meistens.

Kanntet ihr die Songs aus der Auswahl? Welches ist denn euer liebstes Beatles Lied?
Die Brycke findet ihr auch bei Facebook also lasst doch mal ein Like da.

Diese Woche steht neben viel guter Musik auch im Zeichen des Lesens, denn am Freitag ist bundesweiter Vorlesetag und da gibts auch noch ein bisschen was auf dem Blog, also schaut vorbei.

Eure Glucke

 

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