Ich die Glucke

Zurück ins Berufsleben-eine Erste Bilanz

16. August 2016

Berufsleben

Guten Morgen meine Lieben,

Schon wieder Dienstag. Wir waren am Wochenende im schönen Bayern und haben die Lieblingsoma besucht und jetzt ist fast schon wieder Bergfest im Alltag los und Apropo, der hat sich ja für mich geändert.

Ja ich gehe ja seit 01.07.2016 wieder einer bezahlten Tätigkeit nach und bin somit zurück im Berufsleben.

Es war ja äusserst schwierig einen Job zu finden, der meine Vorstellungen von unserem Lebensmodell erfüllt. Für mich kam nur eine Teilzeitstelle 4-5 Stunden täglich vormittags in Frage. Wieso? Weil mein Mann fast rund um die Uhr arbeitet und das Europaweit. Demnach muss es eine Konstante geben und die bin ich. Mir ist es einfach wichtig die Nachmittage mit dem Prinzen zu verbringen und das so, wie wir es bisher auch getan haben.

Wieso ich nicht zu Hause bleibe?

Ja das habe ich 3 Jahre gemacht und es tat meinem Gemüt nicht ganz so gut. Nicht, dass es mir nicht reicht mich um Haus, Kind und alles andere zu kümmern. Ich bin einfach ein Arbeitstier und vor Allem brauche ich auch den geistigen Input. Aber Vollzeit arbeiten kommt für mich nicht in Frage.

Vor einigen Monaten dann meinte der Karmabus es gut mit mir und ich bekam einen Job, der schöner klingt als wahr zu sein. Eigentlich werden alle meine Wünsche erfüllt. Ich arbeite nun jeden Tag 4 Stunden und kann den Prinzen genau so abholen wie vorher auch.

Was ich da jetzt mache?

Ich bin Mädchen für alles. Das klingt immer nach nix aber so ist es nicht. Eigentlich ganz im Gegenteil. Ich bin das Pendant zu meiner Chefin und versuche Sie in allem zu unterstützen. Ich arbeite bei einem Mittelständler und wer es kennt, weiss das man dort eben fast alles macht. Da gibts keine Abteilungen für alles sondern eine Abteilung für alle Bereiche. Somit bin ich für den Einkauf, Verkauf, Produktion, Lager, Qualitätsmanagement, Administration und vieles mehr zuständig.

In meiner ersten Woche merkte ich, wie eingerostet mein Gehirn war. Im Ernst man wird träger, vergesslicher und müder. Ich bin da ganz ehrlich. Es dauert irgendwie länger was zu kapieren. Es war sehr viel Information in kurzer Zeit und das frustrierte mich. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst und stehe mir dadurch auch mal selbst im Weg. Ich mache dann Fehler und will mehr als geht.

In meiner ersten Woche, wurde auch der Prinz gleich krank. Wir kamen das 2. Mal in die Bredouille zu klären wie wir das machen. Mein Mann nahm halbe Tage frei, damit ich vormittags arbeiten konnte und er nachmittags. Zum Glück is er gerade hier im Büro.

Das Arbeitsklima ist sehr sehr angenehm, familiär und trotzdem professionell. Das Themengebiet ist total neu aber unglaublich spannend. Ich bin jetzt 5 Wochen dabei und komme so ganz langsam in gewisse Routinen rein. Ich mache immer noch Fehler da wenig Zeit für eine Einarbeitung da ist.

Kaltes Wasser ist das, in das ich geworfen wurde.

Berufsleben_Veraenderung

pixabay.com

Das ist der 3. Job bei dem ich das so erlebe und positiv finde ich das nicht aber  es gibt keine Zeit für Einarbeitung. Zeit ist Geld und kleinere Firmen haben andere Prios. So muss man eben auch mit den Fehlern leben.

Ich arbeite meist von 08:45 -13:30Uhr da ich recht schnell merkte, dass ich ohne Pause verhungere. Ich hole den Prinzen ja nach der Arbeit ab und habe somit eigentlich keine Zeit etwas richtiges zu Essen und wenn wir dann noch etwas vorhaben, dann klappt es erst nicht.

Was sich alles verändert hat durch den Job:

  1. Ich bin wirklich viel viel müder
  2. Ich habe Sorge, wenn der Prinz krank wird und ich zu Hause bleiben muss, da es eben keine Kollegin gibt, die meine Arbeit macht
  3. mein Kopf ist manchmal so voll, dass ich mich nicht immer zu 100% auf den Prinzen konzentrieren kann
  4. Einkäufe, Erledigungen, Arzttermine gehen nur noch nachmittags und mit dem Prinzen. Das verkürzt unsere gemeinsame freie Zeit
  5. Die Abende sind inzwischen länger, da ich den Haushalt und alles was ansteht nur noch Abends oder am Wochenende machen kann
  6. Mein Mann und ich haben neu hinzugekommene Gesprächsthemen
  7. Ich genieße die Zeit mit dem Prinzen noch intensiver
  8. ich habe deutlich weniger Zeit für Hobbys(Blog, Nähen, Kochen & Backen)

Die Sache mit der Vereinbarkeit und dem Berufsleben:

Nach 5 Wochen kann ich sagen, es ist alles komplizierter geworden. Bin ich krank oder der Prinz, dann müssen wir wirklich jonglieren denn wir haben hier niemanden. Meine Mama ist jetzt schon 2 Mal zu uns gekommen aber es sind jedes Mal über 400km Fahrtweg. Die Schließtage und Reisen meines Mannes sind mit unserem Urlaub kaum abzudecken. Die aktuelle Problematik mit der Kita stellt uns wieder vor extreme organisatorische Herausforderungen, für die wir noch keine wirkliche Lösung gefunden haben.

Ich mache inzwischen fast jeden Tag ein wenig länger, da ich wirklich in Teilzeit mehr mache als eine Vollzeitkraft. Das ist keine Beleidigung oder irgendein dahingesagter Blödsinn, denn ich habe ja immer Vollzeit gearbeitet. Es ist Tatsache, da man schneller und mehr schaffen will und muss, da der Feierabend gefühlt nur eine Stunde entfernt ist.

Die fehlende Option von zu Hause aus zu Arbeiten, übt sehr viel Druck auf mich aus.

Den Druck mache ich mir im Moment nur selber aber mal schauen, denn perspektivisch gibt es in meinem Job immer mehr Arbeit statt weniger.

Ich fühle mich wirklich, als ob ich 10 Jobs habe, da ich sehr wenig Zeit zum Puffern habe für irgendwas. Me Time ist sehr sehr rar geworden aber noch ok. Mein Mann und ich versuchen Dinge zu organisieren, die uns jeweils Zeit für uns geben. Sei es eine Reise für mich zu lieben Bloggerkollegen/kolleginnen oder für ihn ein Fussballspiel mit Freunden.

Man kann alles irgendwie organisieren, wenn man muss aber das Müssen ist stärker geworden.

Als ich zu Hause war, war ich immer der Puffer für alles. War der Prinz krank, blieben wir soooooo lange zu Hause, bis er völligst auskuriert war. Mein Mann konnte sich zu 1000% auf seinen Job konzentrieren und Urlaubstage waren wirklich für Urlaub und nicht um Krankheit zu überbrücken.

Ich will nicht jammern. Uns gehts hervorragend. Meine Chefs sind unglaublich herzliche Menschen, die mich unterstützen, die Kinder lieben und nicht wegschauen, wenn man weinen muss, weil man „private“ Probleme hat.

Nach 5 Wochen zurück im Berufsleben kann ich sagen, ich habe Spaß und bin euphorisch. Ich bin aber auch müde und kaputt. Allem gerecht zu werden ist schier unmöglich und von diesem Anspruch muss ich mich verabschieden.

ich will es nicht und das macht es manchmal stressiger aber wir nutzen die Zeit die wir haben für uns als Familie und geniessen Sie. Wir schätzen Sie wieder mehr.

Also mein Fazit ist:

Mehr arbeiten möchte ich nicht (müssen) denn dann hätte mein Leben einiges an Lebensqualität verloren. Die Zeit ist auf 24 Stunden begrenzt und 6 Stunden ist man damit beschäftigt zur Kita zu fahren um dann zur Arbeit zu fahren um dann wieder zur Kita zu fahren. Dann bleibt nicht mehr viel für Familie und Haus und und und…Schlafen sollte man ja auch noch irgendwann…

Einige fragten bereits nach den Abläufen am Morgen. Wir planen immer mehr Zeit ein, damit niemand in extremen Zeitdruck gerät denn es hilft niemandem. Wir frühstücken alle zusammen, jeder hat Zeit sich fertig zu machen. Der Prinz hat noch Zeit zu spielen, je nachdem wie lange er braucht um aus dem Bett zu kommen.

Erst einmal bin ich zu spät zur Arbeit erschienen aber das lag am Stau. Ansonsten klappt das super.

Ich liebe das Arbeiten und freue mich diesen neuen Lebensabschnitt begonnen zu haben. Mal schauen was die nächsten Monate noch bringen.

Wie ist es bei euch? Was ist anders am Arbeiten als Elternteil? Was haltet ihr von der Vollzeit/Teilzeit-Diskussion? Was macht ihr um die wenige Zeit, die man hat optimal für die Familie zu nutzen?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen und wünsche euch eine schöne Woche

Eure Glucke

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10 Comments

  • Reply Hab ich eigentlich was Ordentliches gelernt?-Ein kleiner Rant ~ Glucke und So 8. Juli 2017 at 11:28

    […] passte. Es war kein Vollzeitjob, sondern eine sehr schlecht bezahlte aber inhaltlich tolle Teilzeitstelle, auf die ich mich freute und die mir einiges […]

  • Reply Liebes 2016.... ~ Glucke und So 14. Dezember 2016 at 6:58

    […] Am 01.07. startete mein neuer Job und es begann holprig. Meine Gesundheit spielte nicht mit und meine Wehwehchen sind in diesem Jahr deutlich mehr geworden. […]

  • Reply Elisabeth Steuber 17. August 2016 at 22:58

    Liebe Dani,
    ich kenne das nur zu gut! Ich habe auch das Gefühl, immer gegen die Zeit zu kämpfen. Man macht in TZ, wenn man Verantwortung übernimmt, tatsächlich so viel wie vorher in Vollzeit. Ich bin immer nur im Laufschritt unterwegs und Quasselpausen am Flur gibt es einfach nicht mehr. Die verbleibende Zeit mit den Kindern will man intensiv nutzen, so dass sich Haushalt, Blog, Nähen etc. in die Nacht verschieben, was sich am nächsten Morgen rächt.
    Ich habe jetzt eine Putzfrau einmal die Woche, das hilft so sehr! Außerdem mache ich wenigstens einmal die Woche eine Stunde Yoga zum Durchschnaufen.
    Solange alle gesund sind, klappt es, aber wehe, wenn nicht. Bei zwei Kinden kommt das natürlich öfter vor. Ständig jongliert man, allem gerecht zu werden.
    Aber mir geht es wie dir: Ich will beides: Familie und Beruf. Und deshalb höre ich jetzt sofort auf zu meckern. Ich bin dankbar, dass ich beides haben darf.
    Alles Gute beim „Eingrooven“ in das niemals endende Chaos 😉
    Glg Elli

    • Reply Dani 17. August 2016 at 23:01

      Liebe Elli, ja du sagst es… Wenn Krankheit dazu kommt puhhh dann weiß ich auch nicht. Aber wie du es sagst uns geht’s gut aber auf sich aufpassen muss man trotzdem.
      Danke für deine Einblicke und besonders die Bestätigung des Gefühls das man wirklich in TZ mehr arbeitet… Liebe Grüße

  • Reply Julia 16. August 2016 at 21:52

    mh, bei mir geht es mit der TZ erst wieder im november los. ich bin aber auch schon sehr gespannt, wie es wird. stressig wird es zu beginn sicher, aber… nur zuhause würde es mir auch bald langweilig werden. nur vor den“ kranktagen“ hab ich ein bisschen angst und der entscheidung: kann ich meine kleine so noch in die kita schicken oder bleibe ich lieber mit ihr zuhause? das abzuwägen, da schreit die mama-verantwortung gegen das berufliche pflichtbewusstsein an….

    • Reply Dani 16. August 2016 at 23:04

      ja genau…diese ganzen Fragen sind auch mein Problem, vielleicht magst du mir dann erzählen wie es bei dir war, also der Beginn im November.

  • Reply Annika 16. August 2016 at 20:50

    Lieber Jörg,
    Da zeigst du doch mit dem Finger ganz genau auf ein Problem in unserer Gesellschaft. Ja, das Internet vergisst nichts, Aussendarstellung ist im Job die halbe Miete und wenn diese Aussendarstellung sagt „diese Frau ist mit Leib und Seele Mutter“ kommen die üblichen Vorurteile (die kriegt bestimmt NOCH ein Kind, die ist mit den Gedanken doch mehr bei der Familie, sie ist unflexibel und nicht zuverlässig/belastbar usw.) im Subtext direkt hinterher. Aber mal ehrlich, liegt die Lösung dieses Themas denn tatsächlich darin noch mehr wert auf die persönliche Aussendarstellung zu legen? Ist das ihr Beratungsansatz? Wäre es nicht sehr viel sinnvoller – so wie es hier der Fall ist – auf Authentizität und gesundes Selbstbewusstsein hin zu „trainieren“? Oder – ganz verrückt – die Unternehmen beraten und ihnen die unschlagbaren Vorteile dieser Arbeitskräfte klar machen…?

    Viele Grüße
    Annika

    • Reply Dani 16. August 2016 at 21:02

      Liebe Annika,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Sehr treffend formuliert.
      Liebe Grüße
      Dani

  • Reply Jörg Unkrig 16. August 2016 at 18:38

    Liebe Dani,

    Klasse geschrieben, sehr authentisch.
    Als Kommunikationstrainer und Karriereberater finde ich deine Beschreibung deiner eigenen Person, na ja sage mal, etwas gewöhnungsbedürftig“. Warum? Immer vom Prinzen zu sprechen ist niedlich, deutet aber auch daraufhin, wie du dich und deine Rolle siehst. Wenn es passt , gut, aber auch immer an die Zukunft denken und dass das Internet nichts vergisst. Viele Firmen Google heute ihre Mitarbeiter und schauen sich die Profile genau an.

    Danke für deine Erfahrungen und das teilen dieser.

    • Reply Dani 16. August 2016 at 18:55

      Hallo Jörg, das Internet muss nicht vergessen und Firmen können mich gerne googlen denn ich hab nichts zu verbergen. Und der Prinz heißt Prinz weil wir seinen „echten“ Namen nicht nennen- geht also nicht um die Beschreibung seines oder meines Charakters.

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