Ich und So

Was ist zu privat und was nicht?

30. Dezember 2015

Was ist zu privat und was nicht? Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder Blogger, User im Netz und öffentliche Person.

Als ich anfing zu bloggen, wusste ich, dass ich jetzt einen sehr großen Schritt in die Öffentlichkeit wage. Ich würde mich, meine Gefühle und mein Leben ein Stück weit aus der Sicherheitszone raus bewegen.

Maria von Unruhewerk beschäftigt genau das. Wieviel persönliche Inhalte sollte ein Blog enthalten? Naja und hier kommen meine Antworten.

Privat_

was ist zu privat?

Wie haltet ihr es mit der persönlichen Offenheit in eurem Blog?

Für mich war klar, dass ich über mein Leben als Mutter und Frau schreiben würde und da ich wirklich ein relativ offener Mensch bin, war demnach auch klar, dass ich sehr persönlich sein würde.

Rechnet ihr?

Ich habe nie ausgerechnet, wieviel ich preisgeben müsste, möchte oder kann um authentisch zu wirken. Also wer bloggt um irgendwie zu wirken, der sollte es vielleicht sein lassen. Ich bin ich und schreibe authentisch und mache das für mich. Irgendwas auszurechnen, sehe ich als ein falsches Motiv hinter einem Blog.

Lasst ihr euch von Emotionen leiten?

Ja klar. Ich lasse mich beeindrucken von weinenden, lachenden und schreienden Menschen und deren somit mitgeteilten Emotionen. Ich lasse mich aber auch oftmals sehr unüberlegt von meinen eigenen Emotionen leiten und schreibe und sage dann recht impulsiv blöde Sachen, die mir dann leid tun oder wirklich falsch rüberkommen oder viel zu aufgeladen bei anderen auflaufen. Ein großes To Do für mich, erst sacken lassen und dann lospoltern.

Oder müsst ihr gar nicht mehr drüber nachdenken, habt schon ein so gutes Gefühl dafür, was geht, was ihr wollt, womit ihr euch (noch) wohlfühlt?

Es gibt viele Gefühlsartikel auf meinem Blog, die sehr spontan entstanden und veröffentlicht wurden. Das sind meist die, die am besten ankamen. Artikel, die ich bearbeite und beim Schreiben verändern muss, da ich mich selber ein Stück weit zensieren muss, die sind natürlich durchdachter und oftmals sachlicher aber dann auch wieder ein klitzekleines bisschen unpersönlicher. Jedoch bin ich mir meiner Verantwortung bewusst, dass von meinem geschriebenen Wort auch andere betroffen sind. Meine Familie und mein Umfeld muss nicht unbedingt alles wissen und ich möchte auch ihre Privatsphäre wahren. Ich bin persönlich und schreibe auch persönlich aber alles was ich schreibe steht für immer in diesem Internet und dem sollte sich jede(r) immer wieder bewusst sein.

Gab es Situationen, in denen ihr persönliche Dinge gepostet habt, die euch unerwartet Bauchschmerzen gemacht haben? Oder die dumme Situationen und/oder Reaktionen hervorriefen? Welche Konsequenzen in punkto persönlicher Offenheit habt ihr daraus gezogen?

Oh ja diese Situationen gabs schon öfter. Wie bereits erwähnt, bin ich ein sehr impulsiver Mensch und schleudere einfach mal wirres und undurchdachtes Zeug raus und bin dann oftmals mehr damit beschäftigt mich zu erklären anstatt vorher länger nachgedacht zu haben, ehe ich das poste. Ich versuche inzwischen nicht mehr auf alles zu reagieren, wieso auch. Ich gebe gern meinen Senf dazu und habe gerne das letzte Wort aber oftmals merkte ich, dass ich mehr anecke als ich will und mir selber auch die Nerven damit kaputtmache.

Wünscht ihr euch, mutiger/offener im Netz zu sein, traut euch aber (noch) nicht?

Nein, das wünsche ich mir nicht, da ich sehr offen bin. Was bedeudet offen? Das sollte sich jeder überlegen. Für mich heisst offen, dass ich mein Innerstes ausbreite. Ich rede sowohl über meine Depression, meine Ängste und über meine Liebe und meine Macken. Also sehr viel offener kann ich nicht mehr werden ausser ich zeige mich körperlich nackt. Das wird aber niemals passieren denn ein Seelenstriptease ist auch Nacktheit. Nacktheit bedeutet auch immer Verletzbarkeit.

Diese Verletzbarkeit muss man handlen können. Das benötigt Zeit und ein dickes Fell und beides habe ich noch nicht in voller Gänze.

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pixabay.com

Habt ihr eure Sichtbarkeits-Strategien jemals bewusst geändert, von „Da halt ich mich mal lieber bedeckt“ zu „mehr Offenheit“ – oder umgekehrt?

Ich war am Anfang noch offener und manchmal unvorsichtiger. Ich bin schon viele Jahre im Internet und habe immer versucht mich bedeckt zu halten. Zumindest was gewisse Themen angeht. Jetzt als Bloggerin mache ich das immer noch. Es gibt Tabuthemen und immer wenn ich das Tabu dann mal anschneide, bereue ich es gleich wieder, da die Gesellschaft dafür einfach (noch) nicht gemacht ist. Zudem bin ich Elternbloggerin. Da steht es mir eigentlich nicht zu über z. B. politische Themen zu diskutieren. Zumindest sagen das einige aber gerade wir Eltern machen ja einen großen Teil der Gesellschaft aus und sollten unsere Öffentlichkeit genau dafür auch nutzen: Eine Stimme sein, denn Politik geht uns alle an.

Dennoch: Ich bin im Netz sichtbar aber meine Familie nicht. Ich schütze, was und wer geschützt werden möchte.

Oder haltet ihr solche Strategien ganz grundsätzlich für völligen Blödsinn? Wenn ja: warum?

Ich halte es für Blödsinn als Blogger meine Profile privat zu halten. Also nicht sichtbar für andere. Denn wenn ich das tue, wieso blogge ich dann öffentlich? Entweder habe ich einen privaten und nur durch Passwort- zugänglichen Blog und zusätzliche Profile oder ich bin öffentlich als Blogger. Ich meine mein privater Facebookaccount ist auch nicht öffentlich aber meine Blogseite und Ich als „Glucke“ schon. Jeder sollte es für sich entscheiden und vor allen Dingen herausfinden, was er in diesem Netz machen will.

Und noch mal zum Rechnen: Gibt es so etwas wie ein Idealbild eurer Präsentation im Netz? Wie viel Offenheit enthält das? Und wie erreicht ihr dieses Idealbild?

Das mit diesem rechnen klingt sehr berechnend und ich verneine das. 
Gibt es unter euch Blogger, die über diese Frage noch nie nachgedacht haben – und ich mach hier ganz unnötig die Pferde scheu?

Ich glaube, dass jeder darüber nachdenkt was er preisgeben will und was nicht. Ob jetzt dieses Bild zuviel des guten ist oder nicht. Ob jetzt ein Blogpost über die Kackkonsistenz des Kindes nicht doch übertrieben ist oder nicht. Wer sich wirklich null Gedanken darüber macht, soll mal hier rufen, denn diesen Blog möchte ich gerne lesen und sehen. 😉

Oder habt ihr euer Blogthema von Anfang an schon bewusst so gewählt, dass ihr euch solche Fragen erst gar nicht stellen müsst? Wenn ja: Wie geht es euch damit? Fehlt euch da manchmal die „persönliche Note“?

Wie bereits oben schon geschrieben, als ich entschied online zu gehen, wusste ich worüber ich schreibe. Ich sprach auch vorher alles mit meinem Mann ab, denn er ist ja irgendwie ein bisschen involviert. Er machte mir ganz deutlich was ein No Go ist und was für ihn ok ist. Da er grundsätzlich nix von Öffentlichkeit hält ist mein Blog nie Thema bei uns. Es ist meine Leidenschaft aber nicht seine. Meinem Blog fehlt nie die persönliche Note. Ich mag das auch an anderen Blogs. Authentizität und die persönliche Note.

Wenn ihr andere Blogs anseht: Mögt und folgt ihr eher denen mit „persönlicher Note“ – oder lieber jenen, die (so weit das geht…) „neutral“ daher kommen?

Ich lese keine Blogs die so tun als ob Sie persönlich sind. Und Ja das merkt man deutlich. Ich folge auch keinen Blogs, die z.B. nur noch Werbeposts schreiben und eine unreelle Geschichte drumrumbauen. Meine Liste der Blogs, die ich eigentlich noch lese hat sich im Laufe der Monate stark verändert. Umso länger man Blogs liest umso schneller merkt man ob und was da passiert. Viele Blogger lassen sich kaufen und verkaufen ihre persönliche Note komplett. Dafür sind aber Blogs meiner Meinung nach nicht da, denn wir wollen nicht vergessen dass es Online Tagebücher sind und keine Schauspiel-daily-Soaps oder Verkaufskanäle.

Wie viel Sichtbarkeit im Netz verträgt das berufliche, private und persönliche Selbst-Bild? Wie wägt ihr ab? Was zeigt ihr, wie viel von euch? Und was – warum? – nicht?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Mein Umfeld ist kaum bis gar nicht begeistert von meiner Öffentlichkeit. Sie können das nicht nachvollziehen wieso ich das tue. Es gibt wenige Menschen, die begeistert sind und sagen wow, das würde ich auch gerne machen. Mein Blog ist nicht Gesprächsthema in der realen Welt, zumindest kaum. Es ist in Ordnung für mich. Ob mein reales Leben mein Online Leben nun verkraftet kann ich deshalb gar nicht sagen. Ich habe niemanden verloren. 

Ich kann nur sagen, dass ich Rücksicht nehme auf die Belange meines Umfeldes und versuche sensibel mit gewissen Themen umzugehen um niemanden zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen. Niemals würde ich Gespräche oder Themen aus meiner realen Welt, bewusst für den Blog nutzen und somit das Vertrauen zerstören, das mein Umfeld in mich hat.

Abschließend möchte ich sagen, dass jeder der im Netz aktiv ist, ein Selbstdarsteller ist.

Jeder hat seine Skala und jeder entscheidet selbst, was er da tut und wieviel er da er selbst ist. Jeder schützt sich und seine Lieben und seine Privatsphäre. Kaum jemand, den ich kenne, gibt sein komplettes Leben preis. Es sind Ausschnitte aus unserem Leben. Mal mehr mal weniger. Nie 100% und das wirft uns auch niemand vor.

Es ist sowieso viel interessanter, da die meisten sich darüber aufregen, das man zuviel zeigt und sagt als zu wenig, denn wir sind doch alle neugierig und wissbegierig.

Wir saugen Informationen auf und finden es spannend zu sehen was andere so treiben oder nicht?

Ich für meinen Teil habe, denke ich, eine gute Mitte gefunden. Was zuviel war, wurde abgeschafft und was Bauchschmerzen macht, wird gar nicht erst veröffentlicht. 

Wie seht ihr das? Zeige und schreibe ich zuviel?

Eure Glucke

 

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5 Comments

  • Reply Wie ist das jetzt mit der Offenheit? Auswertung Blogparade, Teil 2 - Das Unruhewerk 5. Februar 2016 at 8:23

    […] klarsten Worte findet Dani von „Glucke und so“: „Ich habe nie ausgerechnet, wieviel ich preisgeben müsste, möchte oder kann um authentisch […]

  • Reply Wie ist das jetzt mit der Offenheit? Auswertung Blogparade, Teil 1 - Das Unruhewerk 3. Februar 2016 at 10:07

    […] „Wir alle saugen Informationen doch auf und finden es spannend zu sehen, was andere so treiben oder nicht?“, fragt Dani von „Glucke und so“. […]

  • Reply Unruhewerkerin 31. Dezember 2015 at 9:59

    Liebe Dani, herzlichen Dank für deinen wunderbaren, lebendigen und absolut authentischen Beitrag! Ich wünsche dir und deiner Familie einen tollen Start in ein wunderbares neues Jahr!!!
    Maria

  • Reply Wie viel Persönliches/Privates braucht und/oder verträgt ein Blog? Blogparade, erste Beiträge - Das Unruhewerk 31. Dezember 2015 at 9:56

    […] Note.“ Und sie ist gern spontan – in Grenzen eben. Ihren Beitrag findet ihr hier. Danke, […]

  • Reply Mäusemamma 30. Dezember 2015 at 22:20

    Gute Ansichten, die ich zu 100% teile! Viele Gruesse! Claudia

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