Privat

Ich beim Vorstellungsgespräch-#eTimK05

3. Mai 2016

Vorstellungsgespräch_etimk05Es ist der 3. des Monats und Zeit für meine Reihe Einen Tag in meinem Kopf. Hierbei geht es darum euch einen Tag im Monat auszusuchen an dem ihr mal sehr bewusst eure Gedanken verbloggt. Da kommen meist ganz lustige oder auch wüste Gedanken zu Tage, die man sich sonst nie trauen würde auszusprechen.

Ganz oft kreisen meine Gedanken um Nichtigkeiten oder meine Familie oder eben alltägliches aber genau darum geht es auch und ich freue mich wenn sich wieder zahlreiche Gedanken zu meinen gesellen.

Wie ja alle wissen suche ich immer noch nach einen tollen Job der es mir und meiner kleinen Familie ermöglicht unser Lebensmodell zu leben. Ich möchte einfach gerne mein Wissen und meine Begabungen einbringen und meinen Beitrag leisten und da laufe ich recht oft von Gespräch zu Gespräch und eines möchte ich euch heute einfach mal genauer beschreiben.

Vorstellungsgespräch from Hell

Es ist 20 vor 10Uhr und ich bin schon da. Ich bin immer zu früh bei Vorstellungsgesprächen. Ok dann schaue ich nochmal, dass ich auch ja nix zwischen den Zähnen habe. Ok. 18 Minuten noch, ach scheiss drauf, ich geh jetzt los. Lieber zu früh als zu spät oder?

Brrrr… ist das kalt, die Jacke ist eindeutig zu kalt für solche Temperaturen. Ich laufe in eine Art Hinterhof und denke, dass muss es sein. Schön ist was anderes aber egal. Ich klingele. Eine lächelnde Frau kommt auf mich zu. Ich stelle mich vor und werde in ein Büro geführt. Ich solle mich setzen und erstmal einen Personalfragebogen ausfüllen.

Haben Sie irgendwelche Krankheiten?

Ok. hab ich ja schon öfters gemacht. Ich fülle also meine persönlichen Daten aus. Dann soll ich meinen kompletten Werdegang eintragen mit Datum etc. Das steht ja alles in meinem Lebenslauf, das schreib ich da jetzt rein, siehe Lebenslauf.

Die nächsten Fragen machen mich schon stutzig. Welcher Konfession gehören Sie an? Haben Sie irgendwelche Krankheiten, Schwerbehinderung? Gehören Sie einer Gewerkschaft an? Ich suche die Kamera in dem Büro, denn ich glaube die wollen mich veräppeln. Ich schaue die nächsten 3 Seiten durch und die Fragen werden immer persönlicher und verbotener.

Ich frage höflich, ob ich das wirklich alles ausfüllen soll. Das freundliche Lächeln verschwindet. Oh je, das wars dann schon. Sie meint, ich muss gar nichts ausfüllen, das ist einfach so ausgedruckt und Sie hat auch nicht alles ausgefüllt. Ich bedanke mich und sage, dass ich fertig bin. Ich soll nebenan ins Büro gehen und den Fragebogen mitnehmen.

Ich klopfe an die Tür, ein laut polternder Mann macht auf und bittet mich rein. Wir stellen uns gegenseitig vor, er nimmt meinen Fragebogen und legt los.

Ja, haben Sie irgendwelche Krankheiten? Schwanger? Gewerkschaft? Ähhmm, er fragt mich das nicht wirklich oder? Wieso lande ich eigentlich immer wieder in solchen Firmen?

Ich will gerade antworten, da streicht er überall nein an und lacht. Er erzählt mir von seiner Firma. Ich stelle ein paar Fragen. Wir verstehen uns gut. Er ist sehr nett, bodenständig und ich bewundere ihn, dass er soviel erreicht hat.

Dann soll ich ihm einiges erzählen. Ich rede und rede. Er meint: „Hach, sie sind ja total überqualifiziert aber des würde scho passe.“ Isch kann Ihnen halt nicht das zahlen, was Sie hier eingetrage habe, auch wenn ich mal glaube was da steht.

Ich fühlte mich wie bei versteckte Kamera

Ja warum soll das nicht stimmen, ist Vollzeit und eine Führungsposition und klar weiss ich, dass ich das nicht für 20 Stunden bekomme auch wenn es schön wäre, denke ich mir.

„Was habe se sich denn vorgestellt mit der Bezahlung?“ Diese Frage ist immer so schwierig und ich bitte Ihn mir seine Vorstellungen zu nennen.

“ Ja also mehr als 650€ kann ich nicht zahlen und versteckt sich halb unterm Tisch.“ Wieso versteckt der sich denn? „Ist bei Ihnen alles in Ordnung“, frage ich mitfühlend.

Ich meine zu ihm, dass das für mich in Ordnung geht, auch wenn es das eigentlich nicht geht und ob wir vielleicht Probearbeiten vereinbaren wollen um uns ein wenig besser zu beschnuppern und dann können wir die restlichen Einzelheiten besprechen. Er kommt sofort wieder hoch und lächelt.

Er sucht ab 01.06. und das Probearbeiten klingt super. Ich meine zu ihm, dass wir bereits unseren Jahresurlaub gebucht haben. Ok. wann wäre das? Bei uns sind Betriebsferien zweimal im Jahr und dann hätte ich noch 4 Tage zur freien Verfügung. Ich rechne nach also 24 Tage Urlaub. Ich meine, dass eben mein Jahresurlaub gebucht ist und ich dann gerne danach sofort anfangen kann. „Also, des pascht mir aber nicht. Das schmeckt mir überhaupt nicht. Können se das nicht absage?“

„Leider kann ich das nicht“. Er holt seinen Kumpel, wie er ihn nennt dazu. Wir besprechen das und auf einmal kommen noch mehr Fragen.  “ Ja also die Stelle ist ja für 4 Stunden am Tag ausgelegt, mit 1,5 Stunden Überstunden pro Tag müssen se aber rechnen, das geht ja ne? Ich meine, dass ich 14Uhr spätestens gehen muss also habe ich ja einen Puffer, wenn viel ansteht. “ Das isch gut und notwendig.““Ja wie isch das wenn ihr Kind krank ist?“ Wie ich diese Frage liebe, ja wie soll das sein. Ich dope ihn mit Schmerzmitteln und schleppe ihn in die Kita damit er mindestens 6 Stunden durchhält, bis meine Arbeit erledigt ist.

„Mein Mann und ich können uns dann abwechselnd um ihn kümmern. Ich kann sehr gerne abends im Homeoffice alles abarbeiten was liegen geblieben ist.“ Also sind Sie dann nicht da, wenn er krank ist? Habe se keinen Babysitter?

„Nein ich habe keinen und wenn mein Kind krank ist, dann möchte er auch eigentlich bei seinen Eltern sein.Die Familie ist auch weit weg.“ Hmmm ja, ok. also wir machen jetzt mal das Probearbeiten nächste Woche aber das mit ihrem Urlaub schmeckt mir echt nicht.“ Sie wohnen doch hier um de Ecke richtig? „Ja das stimmt. Habe se eigentlich viele Ausländer da in ihrer Nähe, ich hatte ja Glück, dass meine Wohnung in nem deutschen Haus ist. Das werden ja immer mehr.

Der hetzt jetzt nicht wirklich über Ausländern, in einem Vorstellungsgespräch. Hier ist doch irgendwo die Kamera oder? 

Ich frage wann ich zum Probearbeiten kommen soll? Wir vereinbaren in 14 Tagen und verabschieden uns.

Das war ja wieder ein Reinfall. Die Tätigkeiten wären super aber die Rahmenbedingungen wieder äusserst fragwürdig. Mal schauen ob Sie sich melden aber eigentlich habe ich große Bauchschmerzen, solch einen Job anzunehmen in solch einer Firma. Noch vor dem Probearbeiten kam die schriftliche Absage. Sie haben jemanden gefunden der aus mehreren Gründen einfach besser passte und ich war sehr erleichtert.

Dieses Beispiel Vorstellungsgespräch hatte ich so oder so ähnlich bereits mehrfach. Frauen, die nur noch Teilzeit arbeiten möchten haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt und solche Stellen haben es ebenfalls schwer. Leider kollidiert das dann ab und an aber ich frage mich, ist das der Sinn dahinter, wie wir Mütter und Menschen behandelt werden, die nicht mehr Vollzeit arbeiten können oder wollen? Bitte versteht mich nicht falsch, müsste ich wirklich aus existenziellen Gründen jeden Job annehmen, dann würde ich das sofort tun. Ich habe keinerlei Probleme mir die Hände schmutzig zu machen und zu arbeiten bis ich krank umfalle aber ich habe eine Wahl und die sollte auch eigentlich jede(r) haben.

Wieso gibt es immer noch solche Arbeitsbedingungen? Das frage ich mich immer und immer wieder.

Hattet ihr solche Gespräche schon?
Eure Glucke

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5 Comments

  • Reply Wieso Mutterschutz nicht automatisch Schutz bedeutet? ~ Glucke und So 3. November 2017 at 7:52

    […] per Gericht das Arbeitsverhältnis beendet. Ein Jahr lang suchte ich nach einem Teilzeitjob. Die kuriosesten Vorstellungsgespräche ließen mich Lachen aber auch verzweifeln. Verzweifeln daran, das es schier unmöglich schien, […]

  • Reply Ein Tag in meinem Kopf (Mai 2016) #eTimK - Zwergenzimmerchen 8. August 2017 at 10:04

    […] Bei Dani von ‚Glucke und So‘ findet ihr noch mehr Tage in anderen Köpfen. […]

  • Reply Tabea 3. Mai 2016 at 23:33

    Hi Dani,
    ich hab eben über die Bloggerkarte entdeckt, dass wir im gleichen Landkreis leben und dann lese ich deinen Artikel hier…

    Noch hab ich das nicht erlebt, und mich grauselt wenn ich daran denke. Bei mir käme durch den Schichtdienst wohl nur Wochenende in Frage.. Auch ein Grund, warum ich in der begonnenen Selbstständigkeit gern bleiben möchte….

    Ich wünsche dir weiterhin gute Nerven und dass du was ohne 24h Betreuung findest!

    ~Tabea

  • Reply Criticalpixie 3. Mai 2016 at 11:50

    Hallo Dani alias Glucke,

    ich befürchte, die Erfahrung, welche Du hier gemacht hast, ist heutzutage die Regel.
    So darf und durfte ich mir bei jedem Vorstellungsgespräch anhören, wie es mit der Kinderplanung aussehe und oft sind sie derart „dreist“ noch dreimal nachzufragen, nachdem man eine Antwort gegeben hat.

    Bezahlen möchte ohnehin niemand mehr etwas und teilweise wird es so gedeichselt, dass man erst nach der Probearbeitszeit oder nach der Befristung erfährt, was der Job tatsächlich beinhalten wird …
    Ich sagte in meiner derzeitigen Anstellung klipp und klar das ich großen Wert darauf lege, flexibel arbeiten zu können … ja ja das ginge, kein Problem, ich hätte ohnehin keinen Kundenverkehr … Nur das ich für 2 Kollegen die Vertretung machen soll, deren Bereich meinen nicht Berührt hat mir keiner gesagt, ebenso wenig das niemand weiterer diese Bereiche vertritt … Hätte ich dies vorher gewusst – hätte ich hier ehrlich gesagt auch nicht angefangen …

    • Reply Dani 3. Mai 2016 at 20:20

      Hi,
      ich hoffe doch nicht das es die Regel ist aber es ist schon unglaublich wie sich das in den Jahren verändert hat- ich merke wirklich ganz extrem wie wichtig es ist, dass mein Kind 24 Stunden betreut sein könnte.
      Es ist traurig.
      Liebe Grüße und hoffentlich bessere Zeiten auch für dich

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