Ich die Glucke

Nochmal Kind sein-Gedanken und Selbstzweifel

26. August 2016

Nochmal-Kind-sein

Guten Morgen meine Lieben,

wie ihr ja wisst habe ich als Kind so einiges erlebt und somit auch irgendwie leider meine Kindheit fast „vergessen“, kann man sagen. Es ist ein natürlicher Prozess meines Gehirnes aber trotzdem auch schade.

Durch den Prinzen erlebe ich vieles zum 1. Mal obwohl es vielleicht gar nicht das 1. Mal ist.

Ich merke immer mehr, wie sehr ich nochmal Kind sein kann.

Ich merke wie sau cool das ist,was Kinder so erleben. Ich merke aber auch wie traurig es mich macht, wenn Kinder nicht Kind sein können weil Sie zu früh zu kleinen Erwachsenen gemacht werden. Das ist gar nicht als Vorwurf gemeint sondern nur gesammelte Eindrücke.

Bei uns zu Hause kann der Prinz eigentlich jeden Spass machen. Schon alleine weil ich den Spaß mitmachen möchte. Ich habe ihm eine Matschküche gebaut, damit er leckere Sandsuppen kochen kann. Wir haben geniale Seifenblasenmaschinen und auch Seifenblasenpistolen und spielen fast jeden Tag damit. Bei uns sieht man auf jeder Etage, dass hier ein Kind lebt und das finde ich richtig gut.


Wir baden unglaublich gerne Zusammen in grünem Schleim oder malen uns mit Malseife ein. Ich freue mich wie ein Kullerkeks wenn wir zusammen baden gehen.

Ich habe null Probleme mich schmutzig zu machen und notfalls im Schlamm zu Robben. Mein Wohnzimmer sieht jeden Tag aus wie ein Schlachtfeld, da wir mit Kidneybohnen baggern und Knete kochen.

Wir bauen Autos aus Karton und fahren damit durchs Haus. Ich lerne Baustellenfahrzeuge zu Malen und habe wirklich Spaß daran.

Ich liebe es mit Kindern Quatsch zu machen aber irgendwie mögen viele Eltern das nicht so sehr. Beziehungsweise habe ich Ab und An das Gefühl, dass die Kinder zu laut, zu schmutzig und zu nervig sind.

Klar, Kinder sind das wirklich manchmal. Ich bin auch nicht jeden Tag völlig schmerzfrei, wenn der Prinz genau nach dem Kehren und Saugen wieder die Kidneybohnen aus Spaß durch Wohnzimmer schießt und ja auch ich schimpfe mal mehr und mal weniger aber es überwiegt immer das Glücksgefühl, das ich das alles miterleben darf. Ich will mich hier nicht als supergeilste Mama vom Planeten Erde hervortun-darum gehts mir gar nicht.

Seifenblasen machen soooo unglaublich fröhlich… #manchmal istallesscheisse #unddannisteswiedergut

Ein von Dani (@gluckeundso) gepostetes Foto am

Ich will nur darauf hinweisen, das eine Kindheit so schnell vorbei sein kann und man sich dann vielleicht fragt ob es wirklich so wichtig war, dass das eigene Zuhause ein Museum ist und man eigentlich nur putzt? Die wenige Zeit die wir haben, sollten wir doch eigentlich mit Freude über unsere glücklichen Kinder verbringen oder?

Mein Mann sagt sehr oft, dass er niemanden kennt der so ist wie ich, wenn es um Kinder geht. Woran das liegt, dass Kinder eigentlich machen können was Sie wollen bei mir? Ich weiss es nicht und es ist auch nicht immer von Vorteil wie ich selber merke.

Durch viele Grenzen(geplant und ungeplant) in meiner Kindheit habe ich extreme Probleme meinem Kind überhaupt Grenzen zu setzen.

Ist das Leben von ihm oder uns bedroht wie z.B. durch das Rennen auf eine Straße, dann setze ich sehr deutlich und konsequent Grenzen, denn da bin ich sehr empfindlich aber:

  • wenn der Prinz keine Lust hat aufzuräumen oder
  • Sand ins Haus schleppt oder
  • Wasser aus der Badewanne gießt oder
  • beim auf der Couch essen kleckert oder
  • beim Essen nebenbei malt oder Quatsch macht..
  • auf die Fensterscheibe malt
  • Aufkleber an die Wand klebt

dann finde ich das nicht schlimm. Ich finde es nicht dramatisch. Ich sehe keinen Grund ihm dann Grenzen zu setzen und dadurch ein Verbot auszusprechen oder eine Konsequenz anzudrohen. Sand im Haus kann man wegkehren. Wasser trocknet und Dreck geht auch wieder weg. Ich habe mein Haushalt und die Spielsachen des Prinzen so gestaltet, dass er nichts für immer zerstören kann. Alle Stifte sind auf Wasserbasis. Aufkleber gehen auch immer rückstandslos ab. Der Prinz hat Matschsachen und keine Kleidungsstücke, die hunderte von Euros kosten. All das sind Verbrauchsgegenstände für mich.

Ich mache auch Quatsch und soll es meinem Kind verbieten?


Andere Kinder kommen sehr sehr gerne zu uns und wissen auch, dass Sie hier frei sind und Quatsch machen können. Es ist aber öfters schwierig, da der Prinz Sachen machen kann, die Sie zu Hause nicht dürfen.

Ich fühle mich dann manchmal in einer Zwickmühle, denn was ein Kind macht, möchte meist das Andere auch. In unserem Haus sind die anderen Eltern sehr oft sehr entspannt und lassen ihre Kids aber wenn wir woanders sind dann merken wir doch recht schnell, dass es kompliziert wird.

Der Prinz ist natürlich dort genauso wie hier-wie soll ein 3jähriger auch unterscheiden was er an anderen Orten darf und was nicht. Ich muss ihm dann sehr oft erklären, dass das jetzt nicht geht und das widerstrebt mir manchmal, da ich ihm diese Dinge eigentlich nicht verwehren möchte aber respektiere, das es nicht unser Zuhause ist.

Ich liebe es zu anderen Eltern zu kommen und die Kinder können einfach Kinder sein und ich kann mit Quatsch machen oder entspannt einen Kaffee trinken.

Bin ich evolutionstechnisch gestört?

Der Prinz hatte vor ein paar Wochen wirklich großen Blödsinn angestellt und sein Zimmer verwüstet. Ich war tatsächlich das erste Mal geschockt und auch wütend. Eine befreundete Erzieherin war zu Besuch und ich fragte Sie dann auch, was ich jetzt machen sollte, denn mein Bauch sagte mir, wenn ich jetzt nicht eine Grenze setze dann wird das problematisch. Sie erklärte mir einiges und gab mir gute Tipps. Ich wartete dann abends auf meinen Mann um mit ihm abzusprechen, wie wir jetzt vorgehen.

Für mich war es ein riesiger Schritt eine Grenze zu setzen.

Ich wollte das ganz behutsam machen. Ich erklärte meinem Mann wie ich es plante. Ich wollte, dass wir alle in das Zimmer vom Prinzen gehen und gemeinsam aufräumen und ihm erklären, dass man sein Zimmer nicht verwüstet. Es gehen Spielsachen kaputt und man kann sich auch verletzen.

Wir gingen also hoch und ich redete und redete und räumte auf. Wir sagten dem Prinzen, was er aufräumen sollte. Aber ich redete einfach zuviel. Er machte nix-er wollte spielen. Mein Mann übernahm das Ruder und gab recht klare „Anweisungen“. Mir fiel es schwer mich zurückzuhalten aber ich sah zu. Es klappte. Ich versuchte es meinem Mann gleichzutun. Es klappte nach 2 Anläufen.

Wir räumten fast eine Stunde zusammen auf und erst danach gingen wir wieder runter.

Der Prinz verwüstete 2 Tage später sein Zimmer wieder. Nicht so schlimm, da ich schneller reagierte aber dennoch ähnlich. Ich blieb konsequent und wir vollzogen dasselbe Ritual, wie 2 Tage zuvor. Wir räumten wieder 30 Minuten gemeinsam auf.

Inzwischen verwüstet er nichts mehr. Ich denke die Wiederholungen und das gemeinsame Aufräumen haben ihm gezeigt, dass es aufwändig ist, wenn er so rumwütet und das Wichtigste ist, das wir nicht zurückrudern und alles alleine aufräumen.

Ich war irgendwie sehr stolz auf mich und dankbar. Mein Mann und die Tipps meiner Freundin haben mich wirklich vorangebracht.

Ich habe eine Grenze gesetzt ohne das ich mein Kind verletze oder mir Bauchschmerzen bereite.

Bevor ich Grenzen setze fahre ich immer eine Art Fragenkatalog im Kopf ab:

  1. Ist es gefährlich was er tut?
  2. Geht etwas kaputt oder wird jemand verletzt?
  3. Ist eine Diskussion es jetzt wert?
  4. Stört mich das jetzt wirklich oder sollte es mich stören aufgrund von Ansprüchen anderer?

Meistens stört es mich nicht und dann ergreife ich auch Partei für mich und mein Kind.

Kinder brauchen Grenzen- dem stimme ich voll und ganz zu, denn ein Rahmen in dem sich Kinder bewegen ist wichtig um nicht im Wirrwarr zu ertrinken aber den Rahmen machen wir für unsere Familie und alle Anderen für ihre.

Meine kindliche Art und Liebe für das Kindsein kommen dieser Einstellung sicherlich zu Gute. Der Prinz profitiert davon, denn er kann entdecken, spielen und frei sein.

Manchmal merke ich deutlich, dass meine lockere Art gegenüber Kindern aber auch zu Überforderung führt. Ich habe bei einigen Dingen die Grenzen nicht gesetzt und merke aber nun, dass es richtig gewesen wäre. Es ist nie zu spät dafür aber es ist mühsamer seinem Kind nun neue Wege aufzuzeigen. Die Autonomiephase verkompliziert natürlich noch mehr.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel ich doch noch lerne als Mama und Mensch und wie sehr eigenes Fehlverhalten Konsequenzen hat, die man meist erst sehr sehr viel später bemerkt.

Es ist aber meine Verantwortung gewissenhaft mit den Entscheidungen für mein Kind umzugehen-denn ich „forme“ es mit und bereite es auf die Zukunft vor. Es ist eine riesige Verantwortung, die mir manchmal Angst macht und mich zweifeln lässt ob ich ihn nicht schon ein wenig „verformt“ habe.

Ich halte mich für eine gute Mama aber die Selbstzweifel kommen schon manchmal durch. Ich bin dennoch davon überzeugt, das es der richtige Weg ist, meinem Kind Eigenverantwortung zuzutrauen, ihm auf Augenhöhe zu begegnen, keine sinnlosen Verbote auszusprechen und mit ihm nochmal Kind zu sein.

Ich muss nicht seine Freundin sein aber er ist mein Freund und gemeinsam erleben wir das Kind sein und das macht mich sehr sehr glücklich.

Eine unserer liebsten Beschäftigungen wurschteln! #mamaundsohn #liebe #familieistalles

Ein von Dani (@gluckeundso) gepostetes Foto am


Wie ist es bei euch? Eher streng und sehr sehr konsequent oder locker? Habt ihr auch eine stark ausgeprägte kindliche Seite?

Wie äussert sich das?

Habt ein schönes Wochenende

Eure Glucke

 

 

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5 Comments

  • Reply Anke 27. August 2016 at 8:44

    Ich muss zugeben, dass ich eher zu der strengeren Sorte gehöre – manchmal bin ich sicher zu wenig locker. Ich kann leider nicht so gut Quatsch machen, deinen Ansatz finde ich prinzipiell schon gut.
    Trotzdem gibt es ja auch noch einen Mittelweg zwischen totalem Chaos und Museum. Bei uns war schnell klar – Farbe und Aufkleber gehören nur auf Papier, angemalte Wände und Möbel gab es hier nie.
    Aber bei uns sieht man trotzdem deutlich, dass hier Kinder wohnen. Es ist nie total sauber und nur einmal in der Woche ist die Wohnung komplett aufgeräumt (außer Kinderzimmer, das ist seltener ;-). Und teure Klamotten gibt es auch nicht. Dreckig sind die Kinder ständig, wir leben auf dem Land und sie sind überwiegend draußen.
    Da wir keine Familie vor Ort haben, sind unsere auch schon mit einem Jahr stundenweise in den Kindergarten gegangen. Wir hatten nie ein Problem damit, dass sie nicht wussten, dass woanders andere Regeln gelten als Zuhause. Das gilt sowohl für Besuche anderer Kinder bei uns als auch für Besuche unserer bei anderen.

    Ich lese Dich gerne :-)!
    LG
    Anke

    • Reply Dani 27. August 2016 at 8:53

      Hi Anke, wir leben nicht im Chaos, ganz im Gegenteil, aber wie auch Daria schon kommentiert hat, mein Kind lebt auch hier und darf sich frei entfalten. Der Prinz geht auch seit fast 2 Jahren in die Kita und in der Gemeinschaft gelten immer andere Regeln aber eine 1 zu 1 Situation ist einfach etwas anderes, wenn das Kind bei uns ist und frei sein kann dann wollen beide Kinder dann in seinem Zuhause auch frei sein- man möchte ja oft das was man nicht hat oder? Der Mittelweg ist ja sowieso immer der Beste aber auch immer der, den man fast nie erreichen kann. Liebe Grüße und ein schönes We

  • Reply Dalia 26. August 2016 at 14:01

    P.S. Ich spiele auch total gerne mit Kindern. Ich war als Jugendliche ein Kindermagnet, und weiß nun auch endlich warum ich die „magische Babysitterin“ war. Weil die Kinder wussten, dass ich sie ernst nehme, mir wenig zu blöd ist, ich aber auch logische und faire Grenzen setze. Ich hoffe, dass mein Sohn dann auch mal so viel Spass hat mit mir wie die Kinder damals. Das Einzige das mich oft irritiert sind die Stimmen von außen, aber ich lerne gerade wieder, diese zu ignorieren.

  • Reply Dalia 26. August 2016 at 13:07

    Jetzt habe ich ein wenig Tränlein in den Augen. Ich habe eigentlich genauso eine Kindheit erlebt, wo es wenige aber klare Grenzen gab und sonst sehr viel kreatives Chaos. Bei mir war eher der Papa der Verspielte.
    Ich handhabe es mit meinem Söhnchen so wie du. Weil ich finde, er wohnt auch hier, und darf sich deshalb auch in der Wohnung entfalten. Natürlich gibt es da Grenzen, die der Gefahren und die mit dem Eigentum anderer. Wir haben die Wohnung aber so gestaltet, dass er nichts wertvolles zerstören kann. Wer ein Ming-Vasen-Museum mit Kindern mischt hat eh einen Schaden. Ich versuche schon ihm die Konsequenzen seiner Handlungen altersgerecht zu zeigen, aber echte Konsequenzen, keine künstlichen Strafen. Wenn man etwas kaputt macht, muss man es reparieren oder es ist weg. Wenn man Schmutz macht, muss man putzen. Er ist 15 Monate jetzt und „hilft“ schon kehren nach dem Gärtnern auf der Terrasse. Auch soziale Konsequenzen wird er irgendwann verstehen, z.B. wenn du bei den Meiers Erde ins Haus bringst, reicht kehren nicht, die sind dann beleidigt und laden dich nicht mehr ein.
    Ich muss oft schmunzeln, wieviele „Regeln“ es gibt, die keine echten Konsequenzen haben.

    Bei welchen Sachen bereust du, sie nicht gleich verboten zu haben?

    • Reply Dani 26. August 2016 at 16:02

      Danke für deine Kommentare, ich sehe es ganz genau so wie du. Ich bereue nicht, etwas nicht verboten zu haben aber z.B. Bin ich etwas schluserich Konsequenzen auch konsequent durchzuhalten- z.B. Das man mit Essen was wirklich rumschweinert sich erstmal hinsetzt oder das man Hände wäscht nach dem Spielen- es hat dadurch länger gedauert es umzusetzen. Liebe Grüße dani

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