Ich und So

Nimm mich so wie ich bin. Wer auch immer ich bin

13. September 2020

nimm mich wie ich binDieser Satz hat eine so tiefe Bedeutung wenn man an einer oder mehreren psychischen Erkrankungen leidet.
Augenscheinlich mögen Dich die Menschen „nur“ wenn Du in einer Hochphase bist. Manchmal kann man das gut timen aber in Partnerschaften und mit Kindern geht das nicht.

In einer Hochphase, ist es wie in einem romantischen bunten Film.

Die Vögel zwitschern immer. Der Himmel ist blau. Selbst wenn es in Strömen regnet, fühlt sich jeder Regentropfen wie ein Feder an, die dich sanft kitzelt.
Das Leben ist durch und durch wundervoll. Ich strotze vor positiven Gedanken und bin die beste Ansprechpartnerin für jeden Menschen und jede Situation.
In einer Hochphase freut sich jeder mich zu treffen. Die Kassiererin mit der ich scherze. Der Postbote, dem ich freudestrahlend die Tür öffne und 10 Pakete für die ganze Nachbarschaft annehme.

Meine Energie färbt alles und jeden um mich herum in eine bunte flauschige Seifenblase.

Doch dann irgendwann platzt die Seifenblase und die Tropfen schmerzen auf der Haut. Der Himmel ist nicht mehr blau sondern eher kackbraun und jedes Geräusch ist viel zu laut.
Mein Spiegelbild wirkt fremd, jede Falte sieht aus wie der Mariannengraben. Mein Körper altert sekündlich um Jahre und in meinem Gehirn wechseln sich Trauer mit Wut genauso schnell ab wie Weltschmerz mit Selbstmitleid.
Ja, nach vielen Jahren mit psychischen Erkrankungen sieht man es kommen. Ich weiß Tage vorher wann es losgeht aber hilft das?
Man mag das glauben aber es ist nicht so.
Auf einmal zerbrechen Bekanntschaften oder Freundschaften. Berufliche Aktivitäten werden zu Labyrinthen und enden in unüberbrückbaren Differenzen.

Die Analyse darüber, woran jetzt was gescheitert ist, beginnt und ich gehe akribisch durch, was ich übersehen habe oder was ich jetzt noch ausprobieren kann, damit es schneller weg geht.

Das Monster in meinem Gehirn, ist nicht allein. Da sind viele kleine Babymonster und was bei dem einen hilft, spornt das andere noch an.
Das Einzige, was ich in dem Moment möchte ist Perfektion. Das perfekte Mittel, das gegen alles wirkt.
Der perfekte Moment, der all das verhindert.
Der eine Zyklus, der gut ist und für immer anhält. Ich schreibe auf was anders war. Was ich genommen und gemacht habe. Oder auch was ich nicht gemacht habe.
Irgendwann ist der Moment, da denke ich- jetzt ist es vorbei. Alles ist toll, jetzt gehts bergauf. Jetzt wird alles gut.

Ja und dann schmeckt der Apfel wie eine enorme Geschmacksexplosion und wie er erst aussieht-Perfekt, ohne Druckstellen und einfach nur saftig und rot.
Die Energie ist zurück. Alles relativiert sich aber das Drumherum eben nicht.

Meine flauschige Seifenblase ist unsichtbar für die Verletzten.

Verwirrung ist ein gute Bezeichnung für die Gefühle derer, die außerhalb der Blase den Monstern ins Gesicht geschaut haben.
Enttäuschung macht sich breit. Warum sind sie so? Warum stören sie sich an den zwitschernden Vögeln und sehen nicht die leuchtenden Farben der Sonne?

Ich meine, wenn man Menschen kennenlernt und in einer Hochphase ist, dann ist es natürlich kein Wunder, dass Sie äußerst verdutzt sind, wenn derselbe Mensch vor einem steht aber dieser ganz anders ist.
Wie kann ich dann Verständnis erwarten? Beziehungsweise, wieso bin ich dann überrascht, wenn Sie sich abwenden?
Sie mögen mich nicht so, egal wer ich bin, da es sehr schwierig ist, zu wissen das es mich in unterschiedlichen Ausführungen gibt.
Allein für mich zu akzeptieren, dass ich liebenswert bin, egal wann ich wer bin, ist ein unglaublicher Prozess- der leider nicht abgeschlossen ist.
Ich darf keine Erwartungshaltungen an andere Menschen haben, die keine Vorstellung davon haben, wie es ist mit mir zu sein.

Aber Überraschung, Erwartungen bitten nicht um Erlaubnis, sie sind genauso da, wie der Wunsch nach Akzeptanz und Liebe.

Das Ding ist ja, das psychische Erkrankungen keinem Leitfaden folgen, dem man anderen in die Hand drücken kann. Es gibt keine perfekte psychische Erkrankung und eben auch keinen perfekten Umgang damit. Weder ich selbst habe perfektioniert mit mir umzugehen noch können das andere.
Selbst die Menschen, die rund um die Uhr mit mir leben, sind jeden Monat genauso überrascht, wie ich es selbst bin.
Manchmal sind es 2 schlimme Tage, 5 mittelmäßige und 20 gute.
Es gibt eben aber auch Monate, da sind es 29 schlechte Tage.

All das Wissen, das ich habe und das die Wissenschaft über all die verschiedenen Ausprägungen und Abweichungen von psychischen Erkrankungen hat, macht es leichter aber nie leicht.

Diese Krankheiten verschwinden leider nicht-wie ein Pickel im Gesicht.
Es sind keine Lebensabschnitte sondern das ist das Leben.
Ein Leben, dass ich mir so nicht gewünscht habe aber in guten Phasen weiß ich, das ich damit leben, lieben und lachen kann.
In schlechten Phasen ist es viel Arbeit, Disziplin und Vertrauen. Vertrauen darauf, dass die gute Phase wieder kommt.
Es gibt keine kleine blaue Pille, die alles in Balance bringt. Ich würde Millionen dafür ausgeben, wenn es sie gäbe.
Vogelgezwitscher immer als Segen zu sehen wäre wie ein 6er im Lotto.

Warum erzähle ich euch das?

Unsichtbare Krankheiten wie meine, sollten nicht unsichtbar sein und vor Allem sie sind nicht unsichtbar. Das ganze Leben wickelt sich darum und dennoch ist es unvorstellbar für „normale“ gesunde Menschen.
Depressionen, Traumata, PMDS, eine bipolare Störung, Hochsensibilität und ein kleines Stück gesunde Dani gehören alle zum Gesamtbild Dani und hell yeah das ist sehr viel um zu verarbeiten für Außenstehende und auch für mich.


Es ist keine Entschuldigung oder Ausrede aber wir sollten mehr darüber reden(dürfen).

eure Dani

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