Montagspost

Mutig und Stark gegen den Krebs

25. Juli 2016

Montagspost_Izzie-StarkGuten Morgen ihr Lieben,

es ist schon wieder Montag. Seit ich wieder sozialversicherungspflichtiger Arbeit nachgehe, rennen die Tage noch schneller. Im Moment haben wir echt viel zu tun und wenig Zeit für die Familie und dann nutzen wir natürlich das Wochenende umso mehr zum Kuscheln und Gammeln denn zum Putzen hat man noch irgendwann anders Zeit. Familienzeit ist einfach die Wichtigste. Ich habe trotzdem geputzt und viel gekocht und gebacken und auf Instagram könnt ihr das auch immer „beobachten„.

Meine heutige Gästin beeindruckt mich schon eine ganze Weile. Ich lese immer mal wieder bei ihr und bewundere Ihre Kraft und mag ihre Authentizität. Die Rede ist von Izzie Stark und ihr Blog ist kein Familienblog aber das macht ihn nicht weniger besonders aber jetzt lernt Sie kennen, falls ihr Sie nicht sowieso schon kennt.

 

Liebe Izzie, stell dich doch bitte kurz vor
Ich nenne mich Izzie Stark, heiße aber im echten Leben etwas uncooler und bin 27 Jahre alt. Ich lebe mit meinem Mann in einer schönen Stadt und bin seit etwa einem Jahr unter die Blogger gegangen. Der Grund war leider kein guter: Im Juli letzten Jahres wurde bei mir Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert.

„Izzie Stark ist nicht nur ein Pseudonym, sondern ein Teil meiner Geschichte, meines Lebens. „

Worum gehts denn auf deinem Blog?

10 Tage nach der Diagnose habe ich angefangen zu schreiben über das, was mich bewegt, wie die Therapie aussah, die Nebenwirkungen und meinen Alltag. Zwischendurch gab es auch mal ein paar kreative Sachen. Aber How To’s sind so aufwendig, deshalb ist das weniger geworden.

Mitte 20 und die Diagnose:Lymphdrüsenkrebs, genauer Morbus Hodgkin

Ich finde es unglaublich stark von Dir, dieses Tabu zu brechen und über deine Krankheit zu schreiben. Warum hast du die Öffentlichkeit daran teilhaben lassen?
Ich habe es schon in erster Linie für mich aufgeschrieben, um das Erlebte zu verarbeiten. Darüber hinaus habe ich Verwandte und Freunde so auf dem Laufenden gehalten, ohne mit jedem einzeln sprechen zu müssen.
Der etwas weitsichtigere Grund war, dass ich anderen Menschen, die das Schicksal mit mir teilen, meine Erfahrungen weitergeben und ihnen mit meinen Beiträgen die Angst nehmen wollte. Aber auch allen nicht Betroffenen einen Einblick geben wollte, was es heißt, mit Mitte 20 Krebs zu haben.
Mit Mitte 20 hab ich gefeiert, viel gearbeitet und teilweise völlig schwerelos das Leben gelebt. Was hat sich durch deine Erkrankung alles verändert?
Viel. Ich habe andere Freunde als vorher, bin sportlicher unterwegs und ich bin egoistischer geworden. Ich konzentriere mich vor allem gerade darauf, was mir gut tut. Probleme versuche ich dosiert an mich ranzulassen und ansonsten nehme ich mir viel Zeit für Dinge, die ich gern mache.
Andere Freunde als vorher? Das klingt irgendwie traurig.
Eine andere Bloggerin hat mal geschrieben, “schlechte Zeiten sind immer gute Zeiten um Freunde zu selektieren”. Das ist so wahr. Es war eine der schlimmsten Erfahrungen für mich, festzustellen, welche Menschen keine echten Freunde waren. Mit einigen von ihnen habe ich viel Zeit verbracht, bevor ich krank wurde. Gleichzeitig ist es doch richtig, dass es gut ist, zu wissen, wer wirklich zu einem hält, eben auch in der beschissensten Zeit deines Lebens.

Mutig und Stark gegen den Krebs

Nutzt Du deine Zeit jetzt anders? Was macht Dir Spaß?
Bevor ich krank geworden bin, war mir die Couch näher als das Fitnessstudio. Mittlerweile ist das anders, vor allem durch die Reha habe ich gemerkt, wie gut mir Sport tut und seit ich wieder zu Hause bin, mache ich zwei- bis dreimal die Woche Sport. Daneben blogge ich einfach gern und kümmere mich um die inhaltliche Weiterentwicklung des Blogs.
Wie soll es weitergehen mit dem Blog Izzie Stark?Izzie-Stark_Portrait
Mir ist aufgefallen, dass viele Blogs enden, wenn die Leute, die Therapie überstanden haben. Oft habe ich mich gefragt, was danach passiert ist, wie es ihnen nun geht und ob sie noch große Probleme im Alltag haben. Genau aus diesem Grund habe ich auch nach Therapieende weitergemacht. Habe über Nachwirkungen, Reha und Wiedereinstieg in den Job geschrieben. Nun versuche ich mehr auf meine Leser einzugehen und zu erspüren, welche Themen interessant sein könnten. So habe ich aktuell das Thema Fruchtbarkeit nach Krebs thematisiert und will bald einen Beitrag über die Dinge schreiben, die sich verändert haben, was ich anders mache.
Wie beeinflusst die Krebstherapie denn die Fruchtbarkeit und konntest du irgendwelche Maßnahmen ergreifen?
Durch die vielen Medikamente einer Chemotherapie kann es sein, dass die Eierstöcke ihre Funktion einstellen. Darauf wurde ich auch vor Beginn der Therapie hingwiesen und habe mich beraten lassen. Das Einfrieren von Eizellen habe ich aber einfach nicht mehr geschafft. Zu groß war das Risiko, dass sich mein Zustand verschlechtert und die Krankheit weiter voranschreitet. Stattdessen habe ich Spritzen bekommen, die die Eizellproduktion in den Eierstöcken stilllegen. Ich wurde sozusagen in künstliche Wechseljahre versetzt. Und jetzt weiß ich auch, wovon die Frauen reden, die in den Wechseljahren sind. Die Hitzewallungen sind einfach nur anstrengend, außerdem hatte ich kein richtiges Körpergefühl mehr und damit so gut wie keine Lust mehr. Vor drei Monaten hatte ich wieder eine normale Regelblutung und es scheint sich alles wieder einzupendeln, worüber ich sehr erleichtert bin. Vielleicht hätte ich es sonst sehr bereut, dass ich keine Eizellen eingefroren habe.
Vielleicht eine komische Frage aber in Anbetracht deines letzten Jahres, sag mir doch, was Dich zum Lächeln bringt?

Mittlerweile wieder mehr. In den vergangenen Monaten waren es eher Momente, die mich vielleicht zum Lächeln gebracht haben, eine lustige Situation. Mittlerweile kehrt wieder etwas Leichtigkeit in mein Leben zurück und ich fange an, auch im Alltag einfach mal wieder zu lächeln, wenn ich denke, hey, du hast es gepackt, du bist gesund. Das ist schön.
Dieses Jahr sind bereits so viele Menschen an Krebs gestorben. Diese Krankheit verfolgt mich und viele andere. Wie denkst du über den Tod?

Über den Tod habe ich eigentlich gar nicht nachgedacht. Für mich stand fest, dass ich gesund werde. Außerdem ist das Hodgkin Lymphom – eine Unterform des Lymphdrüsenkrebs – eine Krebsform, die zu den am besten heilbaren Krebsarten gehört.

Über 90 % Heilungsrate findest du fast nirgends.

Deshalb sollte man nicht darüber nachdenken, was im schlimmsten Fall passieren kann. Positiv denken! Und das will ich auch meinen Lesern vermitteln. Denn Krebs ist nicht wie früher ein Todesurteil. Beim Hodgkin Lymphom gab es in den letzten Jahren so viele Fortschritte. Es gibt zahlreiche Studien zur Therapieoptimierung, an einer davon habe ich selbst teilgenommen.
Wie stellst du Dir deine Zukunft vor?
Ehrlich gesagt, blicke ich nicht weit in die Zukunft. Momentan ist für mich 2016 und ich genieße die Freiheit, rauszugehen, Sonne tanken zu dürfen, nicht ständig Angst haben zu müssen, sich anzustecken, machen zu können, wonach mir der Sinn steht. Mehr zählt für mich momentan nicht. Und die Zukunft wird sich schon finden. Kommt ja eh immer alles anders, als man denkt.

 

Liebe Izzie, ich danke Dir für dein Vertrauen. Ich weiss, dass meine Fragen teilweise sehr persönlich waren und umso mehr freue ich mich, dass ich Dich hier vorstellen kann. Deine Geschichte macht Mut und gibt sicherlich vielen Betroffenen Kraft. Du gibst viel Preis aber gleichzeitig auch viele Informationen. Ich freue mich, dass Du gesund bist und 2016 so intensiv nutzt, um schöne Dinge zu erleben. Erhalte Dir deine positive Lebenseinstellung.

Izzie findet ihr übrigens auch bei Facebook, also besucht Sie doch mal.

Kennt ihr Betroffene mit Lymphdrüsenkrebs? Wie würdet ihr mit solch einer Diagnose umgehen. Besonders in Izzies Alter ist es ja relativ selten an Krebs zu erkranken.

Erzählt mir von euren Erfahrungen.

Eure Glucke

Teilen

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply