Ich und So

Mein Körper und Ich

5. August 2015
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Mein Körper und ich, waren nie wirklich gute Freunde. Ich war immer sehr sehr schlank, als junges Mädchen und Teenager. Man könnte sogar behaupten, ich war dürr. Es gab Zeiten, da machten sich meine Eltern ziemliche Sorgen, da ich untergewichtig wurde. Man sollte hierbei erwähnen, dass ich soviel essen konnte wie ich wollte und auch tat. Ein Sättigungsgefühl hatte ich selten und trotzdem verschwanden die Kilos. Ich hatte obendrauf, noch mächtig mit unreiner Haut zu kämpfen und mein Körper war eher ein Fremdkörper als etwas, das zu mir gehörte.

Ich wurde älter und mein Körper wurde etwas weiblicher aber immer noch sehr schlank. Ich hatte schon immer ziemlich lange blonde Haare und wenn man so einigen Männern aber auch Frauen in meinem Umfeld glauben schenken kann, war ich ein fescher Feger. Ich selbst stand aber jeden Morgen vor dem Spiegel und dachte meist, dass da nichts mehr zu retten ist. Ich puderte und probierte mehrfach, verschiedene Klamotten an, bis ich es dann wagte, das Haus zu verlassen. Es gab natürlich gute Tage, an denen ich mein Spiegelbild ganz passabel fand. Es gab aber auch richtig schlechte Tage. Da stand ich dann weinend vorm Kleiderschrank oder fluchend vorm Badspiegel, weil ich mich schämte. Ich empfand mich selber als sehr unansehnlich und wollte dann partout nicht das Haus verlassen.
Ich ging natürlich immer aus dem Haus, fühlte mich dann aber so unwohl und so beobachtet, das ich sicherlich genau deswegen auch beobachtet wurde.
Trotz vieler Komplimente und einem Mann der mich anscheinend nicht nur wegen meinem Charakter genommen hatte, fand ich meinen Körper und mich schrecklich. Ich machte fast ausschließlich meinen Körper für mich als Ganzes aus.
Als ich schwanger wurde, änderte sich das. Mein Körper veränderte sich extrem. Meine Haut wurde noch unreiner und mein Gewicht erhöhte sich in Rekordzeit. Meine Haare wurden fettiger, meine Körperbehaarung wurde mehr und doch fühlte ich mich schön.
Es ist unglaublich denn wirklich das 1. Mal in meinem Leben fühlte ich mich wirklich schön. Ich fühlte MICH und meinen Körper.

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Wir verschmolzen endlich zu dem, was wir sein sollten. Eine Einheit. Ich liebte meinen Bauch, ich trug wirklich enganliegende Sachen. Ich musste ab SSW 12, Kompressionsstrümpfe tragen, da mein Körper unglaublich viel Wasser ansammelte und mich aussehen ließ, wie ein wunderschönes Walroß. Aber hey, ich ging morgens, zwar keuchend aber lächelnd aus dem Haus. Ich strahlte und fühlte mich, wie die schönste Frau der Welt. Als der Prinz da war, verlor ich von den dazugekommenen 30kg, sofort 10 kg. Die nächsten 10kg waren nach weiteren 6Wochen weg, da ich schlicht weg, nicht mehr zum essen kam und im Stress war. Ja und dann waren da noch weitere 10kg. Ich fing an, mich regelmäßig zu wiegen und war doch etwas unsicher, ob diese überschüssigen Pfunde wirklich wieder verschwinden würden. Ich war aber nicht unglücklich so wie früher. Von Diäten und diesem ganzen Krempel halte ich auch nix. Was das Thema Essen angeht, bin ich einfach nicht diszipliniert. Ich liebe Essen über alles und zu jeder Uhrzeit. Nach 14 Monaten hatte ich mein altes Gewicht wieder. Ich war froh aber an meinem Inneren hatte es nichts geändert denn ich finde mich immer noch schön.

Wieso erzähl ich euch das? Ich bin einfach immer wieder schockiert, welche Idealbilder so in die Welt hinausgestreut werden. Welcher Druck auf Menschen lastet, weil Sie irgendeiner Norm, nicht entsprechen. Besonders auf uns Müttern liegt hier das Augenmerk. Klar mit Eltern kann man viel Geld verdienen und demnach gibt es auch viel Werbung. In diesen Werbefilmchen springen dann hübsche Topmodels durch die Gegend, natürlich in Kleidergröße 34 und mit Muskeln und mit Make Up. Sie gehen dann locker flockig im bauchnabelfreien Shirt, mit Kind im Kinderwagen joggen. Ich bin jetzt kein Mensch der sich dann denkt, dass ich jetzt unbedingt mal Sport machen müsste um so auszusehen

ABER viele andere Frauen und Mütter machen sich dann Gedanken. Es ist doch ein verqueres Bild, was hier seit Jahren suggeriert wird. Wer macht denn diese Werbung? Sind das Frauen oder Männer? Welche Gedanken verfolgen Sie damit. Sind Sie sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, dass es einfach sehr viele Menschen gibt, die sich davon beeinflussen lassen und z.B. anfangen ungesund zu hungern und Leistungssport betreiben um genau so auszusehen wie dieses Model? Würde es nicht viel mehr Sinn machen, glückliche, weibliche und „normal“ geformte Frauen zu präsentieren, die evtl. nicht alle mit ihrem Körper zu 100% zufrieden sind aber doch zu 1000% wissen, das eben das, nicht das Wichtigste ist.
Strahlt eine Mama die mit ihrem Kind im Sandkasten spielt nicht mehr aus? Ja unser Land hat immer mehr übergewichtige Menschen. Das beginnt bereits im Kleindkindalter und zieht sich durch alle Alterstufen durch. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Ja ich finde eine ausgewogene Ernährung und etwas Bewegung sehr sinnvoll und ja, ich habe das „Glück“ eine schlanke Figur zu haben und trotzdem machen für mich, nicht die Pfunde die Menschen aus. Gerne wird das suggeriert, das nur schlanke und natürlich wunderschöne Menschen glücklich und zufrieden mit sich und der Welt sein können aber das stimmt nicht. Ich war nie glücklich.
Ich wurde glücklich als ein Wunder in meinem Körper passierte. Ich wurde glücklich als ich mich endlich mit anderen Augen sah. Ich sah nicht mehr die schlechte Haut oder die schlecht sitzende Frisur oder die angeblich hässlichen Klamotten.
Ich sah mein Lächeln, meine funkelnden Augen. Ich sah meinen runden Bauch. Natürlich schimpfte ich trotzdem wie ein Rohrspatz über alles Mögliche aber das lag an den Hormonen.
Ich möchte einfach nur sagen, dass ihr ganzen wundervollen Frauen da draußen, nicht „nur“ wundervoll seid weil ihr mega toll ausseht sondern weil ihr wahrscheinlich tolle Menschen seid, weil ihr lustig oder charmant oder sehr liebevoll seid. Weil ihr entspannt oder glücklich oder authentisch seid.
Es sollte einfach bewusster gemacht werden, dass das Wesen und die Ausstrahlung eines Menschen deutlich mehr aussagen als ein hübsches Aussehen. Mal davon abgesehen das das äußere Erscheinungsbild immer Geschmacksache ist.
Ich möchte einfach meinem Kind und auch euch da draußen vermitteln, das ein gesundes Körpergefühl einfach glücklicher macht, als das Bestreben nach einem Idealbild, was nicht existiert.
Wenn mein Prinz sich selbst mag, weil er sich eben gut findet so wie er ist dann haben wir alles richtig gemacht. Ihm zu vermitteln das wir ihm seiner selbst Willen lieben, achten und respektieren und es so auch mit unserem Umfeld handhaben , ist uns ein wichtiges Bedürfnis. Menschen nicht zu hänseln oder sogar zu beschimpfen sollte unser aller Bestreben sein. Hinter die „Fassade“ zu schauen und die wahre Schönheit zu sehen ist eine Kunst. Nicht jeder beherrscht diese Kunst von Anfang an aber man kann Sie erlernen. Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft und ganz besonders die Marketingmenschen dieser Welt auch langsam begreifen, dass das Idealbild eines Menschen, nicht auf das Aussehen zu reduzieren ist. Ich hoffe, dass wir Erwachsenen uns ein bisschen was von den Kindern abschauen, die egal wie ein anderes Kind aussieht, trotzdem mit ihm spielt oder eben auch nicht. Es macht es nicht davon abhängig. Wieso tun wir das? Ich hoffe, dass wir unseren Kindern das Selbstwertgefühl geben, was Sie brauchen um zu bestehen. Um Selbstzweifel vielleicht zu haben aber um Sie beiseite schieben zu können und hoch erhobenen Hauptes weiterzumachen.

Schaut in den Spiegel und erzählt mir was ihr Schönes seht?
Ich bin gespannt und freue mich auf eure Antworten.

Bei der lieben Bettie von Frühesvogerl gibt es eine tolle Blogparade zum Thema schöne Mütter. Dort könnt ihr noch mehr Beiträge lesen, die mit dem Körpergefühl zu tun haben.

Eure Glucke

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1 Comment

  • Reply Mit 30 geht das Leben erst richtig los ~ Glucke und So 23. August 2015 at 7:07

    […] Mein Körper und Ich […]

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