Ich und So

Jahr 1 einer neuen Ära

30. August 2020

Jahr 1 einer neuen AeraWenn man schwanger ist, passieren viele Dinge in einem aber auch mit Einem. Des einen Leid ist des anderen Freud, denn Du hast fast 10 Monate Zeit, dich vorzubereiten. 10 Monate um alles zu besorgen oder eine erste Bindung zu deinem Kind aufzubauen. Du hast sozusagen das Jahr 0 einer neuen Ära.

Das Jahr 2020 und die weltweite Corona- Pandemie gab uns keine Zeit. Wir haben keine 10 Monate der Vorbereitung. Wir wurden direkt mit voller Wucht in Jahr 1 einer neuen Ära geschubst.

Ist es bei einer Schwangerschaft und der hoffentlich angenehmen Geburt mit gesundem Kind und gesunden Eltern eine schöne und wahrhaftige Ära die beginnt, sieht es bei einer Pandemie anders aus.

Wie gerne würde ich nun sagen, dass hier das Wort Ära fiktiv gewählt ist aber wir alle wissen es ist real und echt und diese Zeitdauer wird länger als 1 Jahr sein.

Wie gerne hätte ich aber Jahr 0 gehabt. Wie gerne hätte ich gewusst, was es bedeutet, völlig aus dem normalen Leben gerissen zu werden, wegen einem Virus. Einem Virus den wir anfangs, Ende 2019 wohl alle belächelt haben. Die Chinesen, die immer Maske tragen und völlig übertrieben ganze Städte lahmlegen. Könnt ihr euch erinnern?
Aber das Lächeln ist den Meisten von uns wohl inzwischen entglitten.
Ich weiß es noch wie heute, als Mitte März der letzte Schultag, des noch so jungen 1. Schuljahres war und auch der letzte Kitatag, meines endlich erfolgreich eingewöhnten Kleinkindes.
Von jetzt auf gleich saßen wir Vier zu Hause und bauten uns spielerisch einen Corona-5- Wochen- Plan, denn irgendwie dachten wir, es wird schon alles werden. Es ist „nur“ eine Art Influenza- Virus. Sie finden schnell raus, wie wir das Ding wieder loswerden. (Fügt hier ein Lautes Lachen ein) Wir bastelten und malten.Regenbögen.

Ja und dann schlug die Ironie zu und ich bekam eine E-Mail: „Sie hatten Kontakt zu einem positiv infizierten Corona- Patienten. Bitte rufen Sie das Gesundheitsamt an und begeben sich ab sofort in häusliche Quaränte.“

Booommmm und alles nahm seinen Lauf. Drei von Vieren hatten deutliche Anzeichen und der gerade irgendwie neu gewonnene Alltag zeigte uns den Stinkefinger. Ein Corona- Test und ein mehrstündiger Aufenthalt in der Corona-Notaufnahme mit Allem drum dran stand an.
Der Test war dann 13 Tage später negativ- falsch negativ sagen die Ärzte aber bis heute wissen wir es nicht. Heute hoffen wir es nicht gehabt zu haben oder doch?
Wenn man das nur wüsste, denn anhand der aktuellen Informationen können Langzeitschäden bleiben. Ich sage können, denn ich steige nicht mehr durch, bei den Vielen immer wieder neuen Informationen. Dieser Virus ist kein 2dimensionales Bauwerk, das rundum beleuchtet werden kann. Nein, dieses Virus bringt alles und alle durcheinander.

Also kann ich eigentlich nur sagen, ich will diesen Scheiss ganz sicher nicht haben.

Wir sahen zu, wie befreundete Selbständige Pleite gingen, Bekannte in Kurzarbeit geschickt wurden und wir selbst, sicher wie viele viele andere Familien, am Limit der emotionalen Belastbarkeit, jeden Tag weiter machten. Weiter machten mit der immer kleiner werdenden Hoffnung das irgendwann wieder Normalität einkehren würde.
Ja und jetzt ist fast September.
Seit 6 Monaten hat uns diese weltweite Pandemie im Griff und als ob das nicht schon viel zu viel für eine Welt wäre, kamen auch noch epische Brände, Erdbeben und grausame Morde dazu.

All das macht mein Herz schwer.

Was in den USA passiert, ist genauso surreal wie die Geschehnisse in Minsk oder in „meinem“ eigenen Heimatland.
Polizeigewalt, Nazi- Aufmärsche und Verschwörungen.
Ich weiß ja nicht, wie es euch geht aber Verdammt nochmal, Jahr 0 und 10 Monate Vorbereitung hätten es vielleicht nicht minder schlimm gemacht aber doch etwas weniger ergreifend.

Nun sitzen wir hier an einem regnerischen Tag und auch wenn Angst kein guter Begleiter ist, es ist Angst, die ich fühle. Angst was in dieser Ära noch alles passiert. Angst davor, wie es für uns weitergeht.
Wir alle haben derzeit unsere ganz eigenen Kämpfe zu kämpfen. Die Einen haben schon wieder geschlossene Schulen, andere müssen völlig ungeschützt in Schulen und Kitas sitzen.
Wem kann man noch Vorwürfe in dieser Situation machen? Eltern müssen arbeiten aber gleichzeitig würden Sie gerne ihre Kinder beschützen.
Die Wirtschaft darf nicht zusammenbrechen aber die Gesundheit darf? Wer kann das neutral beantworten? Ich möchte nicht in der Haut von Politikern stecken. Ich möchte eigentlich gerade in gar keiner Haut stecken.

Eigentlich wünsche ich mir „Normalität“.

Eine Zeit in der meine Kinder gerne in Schule und Kita gegangen sind, ich arbeiten konnte und wir mit einer laufenden Nase keine Angst vor bösen Blicken oder erneuter Quarantäne haben müssen.
Dieser neue Alltag ist nicht cool. Ich kann ihn nicht schönreden. Ja wir waren gerade im Urlaub und glaubt mir, diesen Satz jetzt zu schreiben ist schon wie ein riesiges Feuer zu entfachen, denn die Menschen sind gespalten.
Völlige Isolation im eigenen Heim fordern die Einen. Maskenverweigerer die in Blühende Corona- Hotspots fahren geben mir ein High Five aber ich will nicht schwarz/weiß.
Ich will mich auch gar nicht rechtfertigen(ich Grüße Dich liebe Bettie von Frühes Vogerl)Wir brauchten diesen Urlaub so dringend und er war so unglaublich isolierend und entspannend, dass ich gerne auf ewig in diesen Ferienhaus sitzen könnte, bis alles vorbei ist.

Aber jetzt sind wir halt wieder hier und treffen Entscheidungen, wie es weitergeht.

Dieses Jahr 1 hatte sehr viel In Petto und ich fühle mich gerade als ob ich einen Jahresrückblick schreibe aber wir haben noch ein paar Monate.
Monate mit oder ohne Schule. Wahrscheinlich ohne Kita-und somit ohne eine Rückkehr in meinen Job. Diskussionen mit Anwälten, Suchen nach einem Hilfenetz und wie auch schon in den vielen Jahren davor, der Wunsch nach Genesung, dem Heilen von tiefen Wunden.

Wir alle sitzen in unseren 4 Wänden und versuchen einfach zu leben oder gar zu überleben. Wir versuchen noch immer zu verstehen und vielleicht auch manchmal zu ignorieren. Die Augen verschließen können wir nicht aber das derzeitige Unheil in kleinen Dosen von uns fern halten ist uns ein Bedürfnis.
Deswegen auch mein Rückzug aus Social Media. Es ist einfach nicht mehr gesund, was dort passiert. Es zieht mich dann auch in einen Sog. Schwurbler, Nazis, Klimaschutz, Black Friday, Metoo, Corona und diese vielen Themen- sie alle würden mich auffressen. Denn ja ich habe zu fast Allem eine Meinung aber Meinung haben bedeutet nicht, dass es irgendwem hilft.

Die Menschen werden immer aggressiver, trauriger, wütender und hoffnungsloser.

Auf der anderen Seite sind da aber auch Menschen, die so sehr etwas aufrechterhalten wollen, das es nicht mehr gibt, das ich kurz davor bin rosa Wattebäuche zu erbrechen. Diese Scheinwelt wächst gefühlt genau so schnell wie die Weltuntergangsszenarien.

Mir fehlt die Balance und die Liebe.
Mein Leben hat keine Balance. Das hatte es noch nie aber genau das möchte ich. Ich möchte Balance um mit den immer größer werdenden Herausforderungen umgehen zu können.

Ja und sitze ich hier, wollte ein Lebenszeichen geben, meine derzeitigen Gedanken mal zu Papier bringen und euch fragen: Wie geht es euch wirklich gerade?

Dieses Jahr 1 der neuen Ära betrifft uns alle und ganz ganz schmalzig muss ich jetzt sagen: Liebe und Zuversicht darf nicht verschwinden.

Eure Glucke

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1 Comment

  • Reply Denise BloggerMum 30. August 2020 at 16:28

    Ich verstehe deine Gedanken und Gefühle so gut. Ich häng einfach mal einen aktuellen Blogbeitrag von mir als Antwort auf die Frage, wie es mir geht an https://bloggermumofthreeboys.com/2020/08/21/ich-bin-muede-coronakrise/ kurzgefasst: ich bin müde.

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