Ich die Glucke

Ich hatte keine Hebamme! …aber…

27. Februar 2015

Ich hatte keine Hebamme..aber..

…trotzdem geht es mir persönlich gegen den Strich was seit Monaten in unserem Land passiert.

Zwischen der 10.-12.Schwangerschaftswoche fing ich an, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich suchte nach Hebammen in meiner Nähe und schrieb eine Email oder rief da an. Einige meldeten sich gar nicht, andere sagten Sie machen es nur wenn ich sowohl Geburtsvorbereitung, wie auch Rückbildung da machen würde. Einen Vorbereitungskurs hatte ich aber schon verbindlich gebucht.

Als ich das erwähnte, hieß es „tut mir leid dann kann ich nichts für Sie tun.“

Hmmm, dachte ich mir das könnte komplizierter werden als ich dachte. Ich schrieb die Vorsitzende des Hebammenverbandes meines Bundeslandes an. Sie war sehr nett und schickte mir die nicht mehr aktuelle Liste aller Hebammen zu und meinte aber das es schwierig wird.

Ich nahm die Liste und schrieb 70 Hebammen an und fing parallel an Sie abzutelefonieren. Folgende Aussagen kamen:

Wie im Sommer bekommen Sie ihr Kind? Sorry da sind Ferien“
“ Sie machen aber dann genau das was ich sage“
„Beschweren Sie sich bei der Krankenkasse damit wir mehr bekommen.“
„Ich arbeite lieber an der Kasse, da verdiene ich mehr.“

Hebamme

Nach fast 8Wochen lagen meine Nerven blank, ich war entsetzt, ich war sauer und ich war entschlossen, dass ich das auch ohne Hebamme schaffen kann.

Nun war Sie da die Geburt. Im Krankenhaus versuchte ich so viel es geht zu erfahren. Auch vorab bei der Geburtsvorbereitung habe ich der Hebamme Fragen über Fragen gestellt.
Dann kamen wir nach Hause, ich kämpfte an vielen Fronten. Ich kämpfte mit mir, dem Kaiserschnitt, dem Wochenbett, dem Stillen und den Krämpfen meines Babys und dann merkte ich, dass ich es nicht alleine schaffen kann aber muss.

Wir hätten eine Hebamme gebraucht, wir hätten Dich gebraucht, die nach uns Dreien schaut, die uns alles zeigt, die mit uns spricht, die uns durch diese schlimme Erste Zeit geholfen hätte. Die mich beim Stillen unterstützt hätte und mir Mut zugesprochen hätte. Die uns einige Notdienstbesuche erspart hätte. Die mir Kniffe gezeigt hätte. 

Ich hatte keine Hebamme!!..aber,dass  die Mächte unseres Landes eine Berufsgruppe auslöschen möchten, die ich und viele andere werdenden Eltern gebraucht hätten und brauchen, dass kann ich nicht verstehen.
Liebe Politiker, lieber Krankenkassenverband, liebe Versicherungen und liebe alle Anderen die Hebammen abschaffen wollen, habt ihr uns Betroffene mal gefragt ob wir Hebammen wollen und brauchen? Habt ihr mal Ärzte gefragt ob Sie Hebammen wollen? Oder Psychologen, ob diese Hebammen wollen?  Wen habt ihr gefragt? Zählen wir denn alle gar nicht?

Ist es für meine Krankenkasse besser, dass Sie jetzt für eine Therapie bezahlen muss, die ich machen musste weil ich nie aus der Wochenbettdepression rausgekommen bin? Oder weil ich durch den Kaiserschnitt, evtl. gesundheitliche Probleme habe?
Zeigt dass unser Land, dass wir eine komplette Berufsgruppe einfach auslöschen, weil wir nicht bereit sind, Sie gerecht zu bezahlen oder zu versichern? Zeigt das, wie familienfreundlich unser Land ist, wenn Mütter schon vor ihrer Schwangerschaft Angst haben müssen, diese wichtige Zeit ohne eine helfende Hand zu meistern?

Trotz meiner schlechten Erfahrungen sage ich, dass jede werdende Mama und jeder werdende Papa eine Hebamme braucht.

Denn eine Hebamme ist mehr als nur eine Hebamme.

Eure Glucke

Nachtrag 03.04.2017- Meine liebe Perlenmama hat dazu aufgerufen darüber zu schreiben, wieso Hebammen so wichtig sind und wie es wäre #ohneHebamme zu sein. ich war ohne und es war katastrophal.

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6 Comments

  • Reply ventilierpartikel 30. Mai 2016 at 15:47

    Hallo,

    ich glaube nicht, dass die 70 Hebammen dich nicht betreuen wollten. ein paar wenige vielleicht schon. Aber mehr wie arbeiten geht nicht. Und wer zuviele Frauen annimmt, der kann seine Arbeit dann doch auch nicht mehr gut machen, weil es zur Massenabfertigung wird. Das will doch keine Hebamme.
    Burnout ist ein weit verbreitetes Phänomen in dieser Berufsgruppe, weil man sich doch oft übernimmt. Weil einem die Frauen Leid tun, die keine Hebamme finden und man sich „breit schlagen“ lässt.
    Gute Hebammen sind meist ab 8.-12. SSW schon ausgebucht. Es gibt keine zu früh, um auf Hebammensuche zu gehen, nur ein zu spät. Leider fehlt die Einsicht und die Unterstützung durch die Politik. Bei uns stand letztens erst ein Bericht in der Zeitung, dass der Hessischen Landesregierung ein Hebammenmangel unbekannt sei. Da hat jemand nicht nur beide Augen verschlossen vor der Realität, sondern mindestens auch noch alle 10 Hühneraugen.
    Die Lobby dieser Berufsgruppe ist zu klein. Da haben Ärzte einen ganz anderen Standpunkt. Ich kann nur hoffen, dass alle Frauen/Paare, die keine Hebamme finden, die Emailpostfächer der Gesundheitsminister der Länder und des Bundes überschwemmen und dort ihren Frust ablassen. Ohne die Hilfe von allen Mitbürgern ist der Berufsstand wohl wirklich am Aussterben.

    Beste Grüße

    • Reply Dani 30. Mai 2016 at 16:36

      Da es Sommerferien war wollten sehr viele mich nicht betreuen also kannst du mir das glauben und es ist auch schon über 3 Jahre her. Es war ein Trauerspiel damals und da es ja noch über 70 aktive Hebammen gab die für meine Stadt zuständig sind, war das Problem damals noch nicht dasselbe wie heute. Ja die Politik versagt und ja dieser Beruf stirbt aus, was ein Unding ist denn Ammen gibt es schon seit Jahrhunderten.
      Liebe Grüße

  • Reply antje beyer 11. März 2015 at 22:23

    Es tut mir leid,das du keine hebamme gefunden hast….ich verstehe das verhalten mancher meiner kolleginnen auch nicht….es ist vollkommen egeal,ob und wo die werdene mutter wohnt,wir hebammen haben die verpflichtung der frsu mit ihrem kind zu helfen….

    • Reply Glucke 12. März 2015 at 8:58

      Liebe Antje,

      Vielen Dank für dein Mitgefühl und für deine Einstellung und es tut mir leid wie es um euch bestellt ist.
      Liebe Grüsse
      Dani

  • Reply Frühlingskindermama 27. Februar 2015 at 12:37

    Hallo,
    ich weiß, die Message Deines Beitrages ist eine andere, die ich voll und ganz unterstütze. Ich will Dir nur ein wenig die Illusion nehmen, dass mit einer Hebamme alles besser gewesen wäre. Ich habe über meine Hebammenerfahrungen einen Beitrag geschrieben
    (http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/01/gute-und-schlechte-hebammen.html),
    dessen Resonanz auf dem Blog und auf Twitter überwiegend bestätigend war. Es scheint viele „nicht ideale“ Hebammen zu geben – leider und sehr zum Nachteil neugebackener Eltern mit vielleicht noch einem schwierigen Baby.
    Also: ich denke auch, dass der Berufsstand sehr wichtig ist und jede Frau eine Hebamme haben sollte, aber eben eine gute. Wenn Du meinen Text und die Kommentare liest, wirst Du merken, dass dies leider oft nicht der Fall ist.
    Liebe Grüße!

    • Reply Glucke 27. Februar 2015 at 12:45

      Hey,

      genau deshalb habe ich beschrieben was mir gesagt wurde und das ich 70Hebammen angerufen habe und keine wollte mich betreuen. Das zeigt ja eindeutig dass meine Meinung sehr gespalten ist aber mir geht es trotzdem um die Berufsgruppe, denn wenn es die Hebammen nicht mehr gibt, gibt es auch keine guten Hebammen mehr. Und eine Illusion habe und hatte ich nicht, meine Meinung war wirklich äußerst schlecht zu Hebammen aber nur das Gefühl das jemand da gewesen wäre, hätte uns schon erleichtert.

      Liebe Grüsse
      Dani

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