Ich die Glucke

Ich bin ein Gefühle-Sauger

1. März 2017

gefuehle-sauger

Am Montag, vor 2 Tagen war wieder so ein Gefühle-Sauger Tag.

Es war Rosenmontag. Fasching in der KiTa. Mein Innerstes ahnte schon, das es dem Prinzen zu viel sein würde- Mir wäre es auf jeden Fall zuviel. Zu viele Menschen auf einen Haufen, zu viele Bilder, Geräusche und kaum Rückzugsmöglichkeiten.
Er wollte kein Kostüm anziehen. Er liebt Kostüme aber eben zu Hause mit uns oder sich.

Das ist total in Ordnung und niemals würden wir ihn zu irgendwas drängen. Ich dachte mehrmals am Vormittag an ihn und seine Gefühle, wie er diesen Trubel überstehen würde.
Als ich ihn abholte war soweit alles super aber ich sah seine Müdigkeit. Ich sah wie anstrengend sein Tag war aber er lächelte mich an und wir umarmten uns wie jeden Tag, wenn ich ihn abhole.

Unser Kühlschrank war leer. Wir MUSSTEN einkaufen gehen und das stellte sich schnell als Hürde heraus.

Als wir den Laden betraten, dauerte es 1 Minute und die Stimmung veränderte sich. Ich spürte es, bevor es losging. Er wollte nicht in dem Wagen sitzen  und ich wusste, gleich rennt er weg. Genauso kam es und ich rannte hinterher. Ich nahm ihn hoch, er schrie und wehrte sich. Ich setzte ihn ab und beugte mich runter und fragte ganz leise- was passiert sei?

Er schrie ohne zu reden. Er weinte und schrie.

Diese Schreie gehen mir immer bis ins Mark- ich spüre sofort, dass ich traurig werde und wie traurig und durcheinander er ist. Ich sah überall die Menschen stehen bleiben und aus dem Regal hervorluken. Es interessierte mich nicht aber besser macht es das auch nicht wirklich. Der Prinz wollte wieder wegrennen. Ich holte ihn und sagte ihm leise, dass er nicht wegrennen kann und das wir uns beeilen, um schnell wieder aus dem Laden zu können, wir jetzt aber wirklich die Einkäufe erledigen sollten, da wir sonst nichts zu Essen haben.

Ich flüsterte in seine Ohren, dass heute ein sehr anstrengender Tag für uns war, das viel los war und das es mir leid tut, dass er jetzt so leiden muss und es jetzt so stark raus muss aber das alles gut werden wird. Das ich da bin und ihn halte und wir Zeit haben.

Ich fragte ihn ob er Kohlrabi möchte– Wir standen vor dem Gemüse und ich dachte vllt. hilft es, wenn ich versuche unseren üblichen Einkaufsablauf fortzuführen. Er schrie nein, ich zählte weitere Gemüsesorten auf und fragte nebenbei, was es denn heute in der KiTa zu Essen gab und welche Kinder da waren. Ich wollte nicht ignorieren, wie es ihm ging aber es weiter thematisieren wollte ich auch nicht, da ich gerne dazu neige, etwas zu verschlimmbessern.
Er wurde tatsächlich ruhiger. Er fing an zu erzählen. Wir spielten unsere Aufzählungsspiele. Er kennt jedes Gemüse.  Er umarmte mich und ich wusste wir haben es fast geschafft. Ich fuhr mit dem Wagen und ihm in meinen Armen, die Regale ab und er entspannte sich immer mehr. Wir kuschelten und drückten uns ganz fest, lachten und nun wurde ich langsam müde.

Die Anspannung fiel auch von mir ab.

Mein innerer Gefühle-Sauger hatte einen vollen Beutel, der gewechselt werden wollte.

Morgens ging mein Beitrag über #inlauterTrauer online und ich vergoss einige Tränen deswegen. Mir gehen solche Themen sehr nahe. Im Büro war auch einiges zu tun. Der Frust einiger Menschen, wurde bei mir abgeladen und ich merkte, dass es mich müde macht.

Ich kann Gefühle anderer Menschen nicht einfach an mir abprallen lassen. Sie wühlen mich auf, machen mich manchmal wütend und vor allem versuche ich zu erörtern, wieso diese Gefühle jetzt entstanden sind.

Die Gefühle des Prinzen und seine Verzweiflung waren dann das größte Gefühlskorn, das noch in den Sauger passte. Dann war er voll. Ich spürte eine so unglaubliche Müdigkeit. Ich hielt mich so an ihm fest. Er ist mein kleiner Fels.

Ich war so froh, dass wir den Einkauf dann fröhlich zu Ende bringen konnten und sein Lachen meinen Tank wieder aus dem roten Bereich holte.

Als wir dann kuschelnd auf der Couch lagen, merkte ich wie anstrengend es ist, ein Gefühle-Sauger zu sein und ich merkte auch, dass ich das schon immer bin.

Heute war Faschingsparty in der KiTa- für den Prinzen- ich ahnte schon, dass ihn das überreizt. Er wollte sich auch nicht verkleiden. Als ich ihn abholte war er gut drauf, er sah aber sehr müde aus. Wir mussten einkaufen gehen und im Laden kippte urplötzlich die Stimmung. Er schrie, weinte und wollte nur raus. Die Leute schauten, denn er schrie sehr sehr laut. Ich wusste, jetzt brach alles aus ihm raus. Ich hielt ihn und sprach ganz leise. Nach gefühlten 10 Stunden klammerte er sich fest und wir konnten ganz leise sprechen und er erzählte. Ich wusste, dass mein kleiner Schatz übermannt wurde und bei mir alles rauslassen konnte. Wir quatschten und gingen fröhlich einkaufen als ob nix gewesen wäre. Jetzt kuscheln wir schon ganz lange und reden über den Tag und meine Gedanken kreisen um seine Zukunft und ich hoffe er kann gut mit seinen Gefühlen umgehen. #HSP #hochsensibel #mamaundsohn #mamasboy #familyovereverything #besonders #wieerklärtmandasAnderen

Ein Beitrag geteilt von Dani (@gluckeundso) am


Das erklärte sofort meine Kopfschmerzen. Meine Müdigkeit manchmal und vor Allem auch meine Überforderung. Denn glaubt mir, ich bin nicht Superwoman, die all das erst aufsaugt und dann wegsteckt. Mein Körper und mein Geist muss das ja auch verkraften.

Niemand hat Schuld oder die Verantwortung dafür.

Der Prinz kann nicht wissen, dass mein Tag genauso laut und aufbrausend war, wie seiner. Er weiss noch gar nicht, wohin er mit all seinen Gefühlen hin soll und es ist wirklich das Beste, wenn ich Sie aufsaugen kann und versuchen kann, ihn aufzufangen.

Ich versuche richtig zu reagieren. Ich versuche sein Fels zu sein.  Ich versuche ihn aufzufangen, wann immer es geht. Ich weiss aber z.B. nicht, was gewesen wäre, wenn jemand der Anwesenden Leute uns angesprochen hätte.

Ich weiss nicht ob ich dann explodiert wäre.

Ich gebe es ehrlich zu, ich habe mich nicht immer unter Kontrolle. Manchmal müssen die Gefühle wieder raus. Da schafft es der Beutel nicht, Sie verschlossen zu halten. Dann platzt er und alles fliegt durch die Gegend.

Ich weiss nicht, ob meine rumfliegenden Gefühle ihn dann belasten? Hat es Auswirkungen auf ihn? Ich habe nie meine Gefühle vor ihm versteckt, da es eben zum Leben dazugehört.

Was ich weiss ist, dass der Prinz genau so richtig ist, wie er ist und wir an diesen Gefühlen weiter wachsen werden aber habt ihr Ideen, wie ich es besser schaffe, meine Gefühle abzubauen? Wie bekomme ich meinen Kopf leer? Wie schaffe ich es, immer ruhig zu reagieren.

Ja das ist mein Anspruch, mein Leitstern, wie Susanne von Geborgen Wachsen sagt.

Mein Leitstern ist es, meinem Kind zu zeigen, dass Gefühle wichtig sind, das man Sie immer ernst nehmen und auch zeigen soll aber eben auch einen gesunden Umgang damit lernt. Aber ich habe diesen Umgang noch nicht so richtig gelernt, glaube ich.

Ich bin der Anker des Prinzen und das finde ich wirklich ganz fantastisch, da es eben auch unsere tiefe und feste Bindung bestätigt aber ich wäre auch gerne mein eigener Anker.

Doch wie schaffe ich das?

Eure Glucke

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10 Comments

  • Reply neue Frise, Fruchtgummi und ein Schock fürs Leben ~ Glucke und So 5. März 2017 at 18:41

    […] Irgendwie hatte ich ein wenig schlechte Laune. Sie sind immer so unberechenbar diese inneren Dämonen aber da hilft nicht viel. Der Liebste und der Prinz machten ganz viel Quatsch und ich wollte […]

  • Reply Paju 1. März 2017 at 22:59

    Liebe Dani!
    Ich habe zwei Kinder und auch ich empfinde wie du. Und ich spüre ganz oft, dass irgendwas nicht stimmt und das oft schon vorher, wenn noch niemand etwas gesagt oder getan hat. Ich finde, das Lachen und Lächeln ist der beste Akkulader. Gefühle sind wichtig, müssen raus und dürfen auch bei Mamis negativ sein. Aber oft machen meine 2 (vor allem der Jüngste) was Verrücktes und sagen etwas witziges und der Stress ist erstmal gegessen…
    Mir hilft Fahrrad fahren. Ich fahre auf Arbeit mit dem Rad oder einkaufen. Jede Strecke wird mit dem Rad zurück gelegt. Und war ein besonders anstrengender Tag, dann wird kräftig in die Pedale getreten. Das befreit den Kopf…

    • Reply Glucke 2. März 2017 at 20:34

      Liebe Paju,

      da hast Du recht.. Kinder können so witzig sein, da kann man nur lachen…
      Finde ich super, dass Du etwas gefunden hast, das abzubauen und auch noch etwas Sportliches…
      Nähen und Musik hilft mir aber ich habe einfach nicht immer Lust und Zeit dazu-ich bin echt sehr träge und faul manchmal 😉
      Ich danke Dir und wünsche Dir alles liebe mit deinen 2 Kids.
      viele Grüße
      Dani

  • Reply Bianca 1. März 2017 at 19:18

    Liebe Dani! Ich finde es schön was du schreibst, auch deinen Leitstern finde ich bewundernswert. Ich habe drei Kinder die mich emotional oft sehr fordern. Sie sind mein Spiegel mit „Extra-Beleuchtung“ und ich versuche jeden Tag so gut wie möglich darin „auszusehen “ – für meine Kinder und mich selbst. Das ist nicht leicht. Aber ich finde es auch wichtig, dass meine Kinder merken, sehen und fühlen, dass ich nur ein ganz normaler Mensch bin mit Gefühlen, die manchmal raussprudeln. Aber ich weiß was du meinst. Leider habe ich auch kein Rezept parat wie wir Mütter immer ruhig bleiben. … vielleicht ist das aber auch nicht erstrebenswert. ..
    Lg Bianca

    • Reply Glucke 1. März 2017 at 20:30

      Liebe Bianca,

      „Extra-Beleuchtung“ klingt schön und ja vllt. hast Du recht, vllt. sollte man eben auch einfach seine Gefühle sprudeln lassen denn unseren Kindern ermöglichen wir es ja, weil es wichtig ist.
      Danke dafür und Hut ab mit 3 Kindern, wie schaffst du das?
      viele Grüße
      Dani

      • Reply Bianca 1. März 2017 at 20:39

        Liebe Dani! Mit einem Kind fand ich es am schwierigsten – die Veränderungen waren für mich so groß und nicht vorhersehbar … Mit jedem Kind bin ich ein Stückchen gewachsen und mehr Mama geworden. Klingt vielleicht komisch. War einfach eine Entwicklung …
        Lg Bianca

        • Reply Glucke 2. März 2017 at 20:37

          Hi Bianca,
          du könntest tatsächlich recht haben, das man sich mit mehr Kindern auch noch mehr entwickelt.
          Danke dir

          • Bianca 3. März 2017 at 10:34

            Hi! Das war eigentlich nicht so gemeint, dass es mehrere Kinder braucht um sich weiter zu entwickeln. Bei mir hat’s halt so lange gedauert. Steh manchmal etwas auf der Leitung ach übrigens: ich geh laufen, um wieder etwas mehr zu mir zu kommen und diese ganzen Spannungen abzubauen oder ich zeichne und Male … lg

  • Reply Tina 1. März 2017 at 19:04

    Hallo Dani, ich bin durch Zufall bei Twitter auf deinen Beitrag gestoßen und ich erkenne mich in deinen Zeilen 1 zu 1 wieder.
    Auch ich sauge die Gefühle, Ängste und Sorgen wie ein Schwamm auf und hinterher bin ich oft müde und kaputt.. Wir sind immer für andere da, geben ohne was dafür haben zu wollen und sei es unser letztes Hemd.
    Ich halte zwar nicht viel von Sternzeichen, aber ich denke mal, du bist wie ich eine typische Jungfrau. Kann das sein?

    Dagegen können wir nichts machen, wir sind Gefühlsmenschen und keine Kopfmenschen wie man so schön sagt.
    Ich weiß, es ist schwer, gerade dann wenn wir es brauchen, der eigene Anker zu sein.
    Ich lenke mich zum Beispiel mit Spaziergängen ab, indem ich einfach mal die frische Luft einatme und an rein gar nichts denke. Oder auch mal richtig laut meine Lieblings-Musik hören und die Nachbarn hören mit, ob sie wollen oder nicht 🙂
    Hinterher geht´s mir ein Stück weit besser..
    Liebe Grüße an den Prinzen unbekannterweise 🙂
    LG Tina

    • Reply Glucke 1. März 2017 at 20:35

      Liebe Tina,
      nein ich bin Zwilling. Jungfrauen sind ja eher Kopfmenschen dachte ich immer… kannst mal sehen, so liegt man falsch.
      Für mich sind Spaziergänge das Allerschlimmste aber nähen zum Beispiel hilft mir sehr gut und Musik auch.
      Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.
      viele Grüße
      Dani

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