Ich die Glucke

Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben?

17. Dezember 2015

Gestern entbrannte eine hitzige Diskussion unter BloggerInnen. Auslöser war diese Aussage:

„Wieso werden Mamas/Eltern-Schlaf-Bedürfnisse über die Kinder gestellt?….(..).“

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Unsere Kinder legen ihr Leben in unsere Hände

Es gab wie bei fast jedem hitzigen Thema zu Elternschaft, sehr unterschiedliche Lager. Frau Chamailion nahm das zum Anlass und fragte uns, ob wir nicht dazu schreiben möchten.

Als vor einigen Monaten eine Diskussion zur Reue der Mutterschaft durchs Netz strömte, machte ich meinen Standpunkt deutlich. Kommen wir zu den Beduerfnissen der Kinder und dessen Eltern. Es kam die Frage der Aufopferung. Sich opfern bedeutet sich zu Gunsten jemand anderem zurückzunehmen und darauf zu verzichten.Liebe

Als ich schwanger wurde, ging ich nicht mehr in die Disco. Ich aß keine Salami mehr. Ich trank keinen Alkohol mehr und hörte sofort mit dem Rauchen auf. Ich aß kein Sushi mehr und stieg in kein Flugzeug mehr. Ich schleppte keine 30 Kilogramm mehr und benutzte ohne Handschuhe keine Putzmittel mehr. All das tat ich, weil ich ab dem Moment des Wissens meiner Schwangerschaft, eine Entscheidung traf.

MEINE Entscheidung war, das bestmögliche für mein Kind und mich zu tun. MEINE Entscheidung war, mich von nun an auf diesen neuen Lebensabschnitt vollständig einzulassen und mich dem neuen Rhythmus anzupassen.

Als der Prinz zur Welt kam, stand ich 4 Stunden nach meiner Kaiserschnittoperation auf, um ihn zu wickeln. Ich weinte vor Schmerzen und konnte mich kaum aufrecht halten und doch war es selbstverständlich für mich, das zu tun und ich entwickelte, gerade in der Anfangszeit Kräfte, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich schlief nachts nicht, denn der Herzmonitor des Prinzen piepte und ich musste meine Wunden kühlen und hoffen, dass alles wieder gut würde.

Die ersten 16 Wochen, waren die härtesten, seit mein Prinz auf der Welt ist aber wir haben es gemeistert. Ich bin seine Mama und wenn ich nicht gewesen wäre, wer hätte ihn gefüttert, getragen, getröstet, massiert, besungen, gewaschen und mit jeder Faser geliebt. Jede Nacht stöhnte er vor Schmerzen. Jede Nacht wachte ich auf und suchte ihn. Ich hatte solche Alpträume und machte mir Vorwürfe, wieso er so leiden muss und ich nichts dagegen tun kann. Ich war da. Mein Mann war da. Ich wurde krank. Ich war trotzdem da. Rund um die Uhr. Mit keiner Sekunde kam mir der Gedanke, dass jetzt meine Beduerfnisse , wie ausschlafen befriedigt werden müssten. Der Prinz schlief aber nach den 16 Wochen wirklich sehr gut. Er musste einiges nachholen, er kam 2 Mal die Nacht und schlief aber auch am Tag 2 Mal. Er war ein ruhiges Kind außer Schübe und Überreizung kamen auf. Ich war da. Natürlich war ich da. Ich schenkte ihm meine Liebe und freute mich wenn es ihm gut ging. Mich dem Lebensrhythmus des Prinzen anzupassen war für mich weder eine Bürde noch war es eine Überwindung. Ich habe mich darauf gut vorbereitet. Ich hatte Glück mit meinem Prinzen, obwohl ich Glück und Pech als schwierige Wörter bezeichne denn jedes Kind ist ein Glück für dessen Eltern. Es ist ein kleines Wunder. Ich will damit sagen, ich kann mir im Mutterleib mein Kind nicht zurechtbasteln, wie ich es gern hätte. Jedes Kind ist perfekt so wie es ist und doch spielen viele Faktoren eine Rolle, damit das gemeinsame Leben gut funktioniert.

Als ich von High Need Kindern, die wirkliche 24-Stunden- Betreuung ohne Pause brauchen, las, hatte ich wahnsinnigen Respekt davor. Ich konnte nie verstehen, dass Eltern ihre Kinder schütteln oder am liebsten etwas antun könnten. Als ich aber als Bloggerin von Fällen hörte, bei denen Mütter und Väter so an ihre Grenzen kamen, da änderte sich mein Weltbild. Der Prinz lag mal 4 Tage auf mir und es ging ihm sehr schlecht. Ich merkte ab Tag 3 wirklich, wie mein Fell dünner wurde aber wir haben es geschafft. Wenn es aber Situationen gibt, bei denen ein Kind monatelange schreit und die Eltern wirklich alles versuchen und doch wird es nicht besser, dann ist es doch nur menschlich, dass man an sich zweifelt und irgendwann anfängt, irrational die Schuld bei jemandem zu suchen oder Dinge in Frage zu stellen oder eben grundeigene Beduerfnisse sofort befriedigen zu wollen. Der Mensch hat einen Selbstschutz und das ist auch gut. Irgendwann muss man kurz Durchschnaufen und evtl. einen neuen Plan aufstellen um die Ressourcen, die man hat, nicht vollständig zu verbrauchen.

Eltern deren Kinder stärkere Beduerfnisse haben, haben nichts falsch gemacht. Sie lieben ihre Kinder genauso. Wieso, weshalb und warum einige Eltern so reagieren und andere so, kann ich  nicht beurteilen. Ich  habe nur die Erfahrung mit meinem Kind. Es gibt pflegeleichte Kinder und pflegeintensive Kinder aber die Bedürfnisse des Kindes sollten trotzdem immer an 1. Stelle stehen und gehört und gesehen werden.

Unsere Kinder können ohne uns nicht lange überleben und das sollten wir nie vergessen. Die Verantwortung die wir auf uns genommen haben ist immens. Unsere Kinder verlassen sich auf uns. Sie vertrauen uns ihr Leben an.

Für mich ist es weder ein Opfer noch eine Pflicht mich an den Rhythmus meines Kindes anzupassen. So bin ich eben und so leben wir. Wie andere leben muss mir nicht gefallen. Ich muss es nicht verstehen und auch mit Menschen, die völlig andere Vorstellungen von Kindern haben als ich, auch nicht meine Freizeit verbringen. Ich bin da sehr konsequent und wie das wer findet, ist mir egal.

Wir haben als Familie ein Lebensmodell gewählt was sich an die Bedürfnisse unseres Kindes zu 100% anpasst. Umso älter der Prinz wird umso mehr haben eigene Beduerfnisse wieder mehr Platz. Wir haben das so freiwillig gewählt und gut durchdacht. Ich bin trotzdem noch Frau und Ehefrau und nehme mir Auszeiten.

Gibt es Änderungen unserer Wünsche, dann bespricht man das und handelt nicht zu Lasten jemand anderes.

Ich denke so funktioniert bedürfnisorientierte Elternschaft für uns. Es ist aber unser Weg mit unserem Kind. Ich bin immer dafür, wenn man merkt, dass etwas nicht so läuft, wie es sollte, das man sich Hilfe sucht, denn die gibt es immer.

wie seht ihr das, denkt ihr dass eigene Beduerfnisse über dem des Kindes stehen sollte?

Eure Glucke

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18 Comments

  • Reply Ein Puck, Katzenreiki und Tafelkreide ~ Glucke und So 17. März 2016 at 20:07

    […] begleitest dein Kind auch bedürfnisorientiert-wie genau kann ich mir das bei euch […]

  • Reply Bin ich ein Leitwolf oder eher auf Kuschelkurs aus? ~ Glucke und So 25. Februar 2016 at 11:04

    […] die ich hatte, nicht mehr zu mir und dem Modell, was sich in mir entwickelt hatte, noch passt. Die Bedürfnisbefriedigung des Prinzen stand und steht für mich ganz oben in der Prioritätenliste. Das war bis zum 2. […]

  • Reply "Wissen ist der Motor für unsere Gesellschaft" ~ Glucke und So 8. Februar 2016 at 7:31

    […] haben ja in den letzten Monaten viele Diskussionen geführt rund um das Thema Aufopferung, Attachment Parenting etc. Konntest Du schon ein Fazit aus den vielen Beiträgen anlässlich deiner Blogparade […]

  • Reply Intuition vs. Verstand – oder: warum meine Kinder und ich ein Team sind | moechtegernsbabytagebuch 24. Januar 2016 at 13:38

    […] Glucke und so: Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben? […]

  • Reply #meibestElternblogbeitragdeMo XI | Die Kellerbande mit Herz und Seele 1. Januar 2016 at 19:41

    […] Glucke und so – Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben? […]

  • Reply Wenn ich das alles vorher gewusst hätte... ~ Glucke und So 29. Dezember 2015 at 14:14

    […] Wie ich bereits schon mal schrieb, bleibe ich dabei, dass ich mich nicht mit Menschen umgeben muss, die völlig andere Erziehungsmethoden und Vorstellungen haben. Somit umgehe ich Verurteilungen und Konflikten.  […]

  • Reply Tina 18. Dezember 2015 at 17:07

    Liebe Dani,
    ein sehr schöner Text. Danke.
    Ich bin auch der Meinung, dass man die Bedürfnisse über die eigenen stellen sollte. Auch nach 4 Jahren ohne auch nur einer einzigen durchschlafenen Nacht (nein, meine 2,5 Jahre alte Tochter schläft leider immer noch nicht durch) bin ich noch der Meinung. Allerdings muss man schon auch auf sich selbst achten, denn was bringt es den Kindern, wenn man sich selbst total vernachlässigt. Mich hat die jeweils 1-jährige Stillzeit meiner 2 Kinder total ausgezehrt, sodass die Hebamme die Notbremse gezogen hat, und mich mehr oder weniger zum Abstillen gezwungen hat, weil ich selbst nur noch Haut und Knochen war. „Du kannst für deine Kinder nicht 100%-ig da sein, wenn es dir selbst nicht gut geht!“
    Aber mir fällt es sonst auch überhaupt nicht schwer auf so manches zu verzichten … hauptsache, den Kindern geht es gut.
    LG, Tina

    • Reply Glucke 18. Dezember 2015 at 22:47

      Hi Tina,
      ja du hast recht, man muss auch auf seinen Körper hören und sich gewisse Auszeiten nehmen.
      Liebe Grüße

  • Reply Schokominza 18. Dezember 2015 at 8:26

    Mir fiel es leicht, die ersten Wochen und Monate zu überstehen. Mir ging es da wie dir, aber irgendwann will man auch wieder auftauchen aus dieser schlaflosen Zeit, oder? Inzwischen sind wir seit 2,5 Jahren Eltern und haben zwei Kinder. Man sehnt sich da schon nach dem Durchschlafen und sieht es nicht mehr so locker wie in den ersten Wochen nach der Geburt.

    • Reply Glucke 18. Dezember 2015 at 11:02

      Hi Schokominza,
      ich bin jetzt auch seit 2,5 Jahren Mama und schlafe nicht weniger als vorher, ich brauchte schon immer weniger Schlaf und ich hole mir meine Auszeiten und wir haben ein Familienbett.

  • Reply Claudia 18. Dezember 2015 at 1:35

    Hallo ihr Lieben
    Ich finde Danis Worte wirklich toll…! Wenn ich mich nicht zu 100% auf mein Kind eingestellt hätte, würde ich heute wahrscheinlich zu den Mamas gehören, die ihrem Baby was angetan haben!
    Mein Baby, heute 16 Jahre und fast schon ein Mann, hat uns seeeeehr gefordert! Absolutes Schreibaby bis 13 MONATE…!
    Wir sind überall, zu jedem Doktor hingerannt, weil wir irgendwann „hofften“, dass es einen Grund für das ständige Schreien, für das wenige schlafen gibt!!!
    Nööööö, unser Zwerg war kerngesund…!
    Meine Mama war immer unser „Fels“! Sie hat mich teilweise „erlöst“ von dem Babygeschrei!
    Ohne Mutti hätte ich es nicht geschafft!!!!
    Danke Mami!!!!
    Ich hatte immer ein sehr wildes, unruhiges Kind!
    Na und, es ist mein Kind, mein Baby und wird es immer sein (obwohl er jetzt einen Kopf größer als Mami ist)!
    Heute, wo ich einen tollen, pubertären Bub habe, der aber intelligent, hinterfragend, wissbegierig ist, denke ich, dass alle Strapazen, nein, Dinge, mit denen Mamis einfach nicht rechnen, weg sind!
    Du hast es mir nicht leicht gemacht…! Ich liebe dich über alles mein Kind

    • Reply Glucke 18. Dezember 2015 at 11:03

      ohhh wie wunderbar und danke dass Du mir davon erzählst.
      Dein Sohn kann sehr froh sein so viel Liebe spüren zu können.

  • Reply chamailion 17. Dezember 2015 at 20:50

    Liebe Dani,

    danke für deinen tollen Text als Beitrag zur Blogparade. Du hast eigentlich alles gesagt, was mir auch in den Fingern steckt. Leider kann ich es (heute jedenfalls noch nicht) so schön sachlich formulieren 😉

    „Der Mensch hat einen Selbstschutz und das ist auch gut. Irgendwann muss man kurz Durchschnaufen und evtl. einen neuen Plan aufstellen um die Ressourcen, die man hat, nicht vollständig zu verbrauchen.“

    Für mich ist dieser Satz einer der wichtigsten, der der Selbstschutz sorgt dafür, dass wir die Menschen bleiben, die wir sein wollen. Auch über unsere eigentlichen Grenzen hinaus.

    Liebe Grüße,

    Miriam

    • Reply Glucke 17. Dezember 2015 at 21:29

      Liebe Miriam,
      danke ich habe mir wirklich sehr viele Gesanken gemacht, wie man, ohne jemanden anzugreifen, dieses Thema betrachten kann.
      Mir tut es ein bisschen leid, welche Inhalte manche Tweets haben und was sie ausgelöst haben, es ist sicher keine Absicht gewesen.
      Danke für die Blogparade.
      Liebe Grüße
      Dani

  • Reply Esther 17. Dezember 2015 at 20:48

    Wie ich das sehe?
    Ich habe ein sehr pflegeintensives Kind. Ich bin weder Frau noch Ehefrau noch habe ich Auszeiten geschweige Freizeit oder gar ein Intimleben. Und ich habe seit 6 Monaten nicht mehr geschlafen.
    Irgendwann ist es eine Aufopferung weil man einfach so fertig ist! Man wählt einen weg und eine rolle, ja. Aber was auf dem weg passiert und ob man damit klar kommt, weiß man vorher leider nicht!

    • Reply Glucke 17. Dezember 2015 at 21:31

      Liebe Esther,
      du hast recht, vorher weiß man nicht, wie das Kind sein wird.kannst du Dir Hilfe suchen? Ein paar Auszeiten für Dich, ein Bad? Glaube mir, es wird wirklich besser. Dein Kind braucht dich und glaube mir, Du schaffst das.
      Ich schicke Dir eine große Umarmung
      Dani

  • Reply Maddie'sMom 17. Dezember 2015 at 20:46

    Ein schöner Text! Wir sind auch am Kind orientiert. Ich versuche zu 100% da zu sein.
    Die letzten 3 Wochen waren in der Nacht sehr anstrengend, voraus für mich. Das Baby wollte dauernd an die Brust. Heute hab ich mich am Vormittag raus nehmen können, da mein Mann angeboten hat nicht zu den Vorlesungen zu gehen,damit ich etwas schlafen kann. Das tat so gut!!

    • Reply Glucke 17. Dezember 2015 at 21:32

      Liebe Saskia,
      ja es gibt immer Zeiten, da schläft man nicht, da sehnt man sich nach 20 Minuten Ruhe aber man findet Wege, sich Auszeiten zu nehmen um Kraft zu tanken und das tut allen gut.
      Liebe Grüße
      Dani

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